Die Ebene ruft

01.09.2004

Liebe Leserinnen und Leser,

KDE 3.3 kommt langsam in Sichtweite, eben ist die Beta 2 (Codename "Kollege") erschienen, die finale Version wird – wenn sich die Menge der Bugs in Grenzen hält – in Bälder kommen. Das könnte gerade passend zum KDE Community World Summit, einem großen Entwicklertreffen Ende August passieren. Wie?, mag sich mancher jetzt fragen, gerade mal Ende Februar kam KDE 3.2 heraus! Die Releases prasseln ja schneller herein als die Servicepacks bei Windows. Doch gemach – beides ist nicht vergleichbar, denn es geht nicht um das Beseitigen lästiger Bugs und gefährlicher Sicherheitslücken. Vielmehr rechtfertigen neue Features und Programme eine Major-Release.

Ein Beispiel ist das Programm KolourPaint das zum Malen Logos, Icons und Diagrammen gedacht ist und auch Transparenz unterstützt. Mit Kallery will man auch ein Programm zum Erzeugen von Bildergalerien integrieren. Auch in Richtung Optik geht ein extra Modul, das KDE-Themes verwaltet. Webentwickler werden sich vielleicht für KImageMapEditor, den Javascript-Debugger in KHTML oder die Integration von KLinkStatus in Kdewebdev erwärmen.

Allein oder unter vielen

Wer gern allein und trotzdem nicht der Verdummung anheim fallen will, wird in KDE 3.3 bei fast allen Lern- und Unterhaltungsprogrammen deutliche Verbesserungen feststellen, und neue Lern-Software taucht an die Oberfläche – auch Kurioses, wie das KTurtle-"Framework" für die Programmiersprache Logo. User, die nicht so gern allein sind wie viele Logo-Entwickler, sollten sich die Verbesserungen des Instant Messengers Kopete ansehen, der sich zum Stillen eines mehr oder minder ausgeprägtes Kommunikationsbedürfnis gut eigenen wird. Das Programm selbst rückt auch näher an andere KDE-Komponenten heran. Der Client Kontact wird Schritt für Schritt aufgebohrt, beispielweise um Kpilot. Das Kroupware-Projekt plant, ihn zu einem großen Kolab-Client auszubauen.

Bei den KDM-Enticklern war in den letzten Monaten nicht an Ausspannen zu denken: Sie haben ein Session-on-demand-System entwickelt einschließlich der Möglichkeit, schnell zwischen Benutzer umzuschalten – Windows XP lässt grüßen. Außerdem funktioniert der Screensaver nun im KDM, was dessen Herauslösung aus Kdesktop nötig machte. Die Login-Dialoge verändern sich abhängig vom Theme.

Fällt die Revolution aus?

Klar, nicht davon trägt einen vergleichbar revolutionären Charakter, wie ihn damals beispielweise die Einführung von DCOP als KDE-interner Interprozess-Kommunikations-Standard hatte. Andererseits müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass KDE (und Gnome) bereits auf der Höhe der Desktop-Zeit angelangt sind. Wo ist denn noch Platz, um vergleichbar große Schritte wie vor Jahren zu machen!?

Auf der anderen Seite verlangt die zügig anwachsende Menge der Benutzer von Linux-Desktops nach sinnvollen Erweiterungen im Detail und neuen Applikationen. Die Menge der Arbeit, die die Entwickler dafür leisten müssen, ist kaum leichter als die in den Zeiten großer Umbrüche. Um es mit Bert Brecht zu sagen: "Die Anstrengungen der Berge liegen hinter uns. Vor uns liegen die Mühen der Ebene."

Wer schon mal einen Blick in die besagte Ebene wagen will, legt die CD zu diesem LinuxUser in seinen PC. Von ihr bootet die Distribution OnebaseGo, ausgerüstet mit KDE 3.3 Beta 2. Als Live-CD ist das Unterfangen ohne Risiko, die das Installieren von Beta-Software mit vielen Paketabhängigkeiten sonst birgt.

Jan Kleinert

Der Autor ist Chefredakteur der LinuxUser-Schwesterzeitschrift Linux-Magazin, die sich an Systemadminstratoren, fortgeschrittene Linux-Anwender, Programmierer und andere IT-Profis wendet.

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