Vorreiter der Panorama-Technik war der Computer-Hersteller Apple. Die 1995 zu QuickTime hinzugefügte Komponente QuickTime VR erlaubte erstmals Panorama-Ansichten. Der kostenlose QuickTime-Player ließ das Format schnell zu einem Standard werden – mit dem richtigen Plugin lassen sich diese virtuellen Rundblicke sogar im Browser anschauen. In den letzten Jahren schossen Panorama-Tools für Windows wie Pilze aus dem Boden. Auch Linux hat ein solches Programm zu bieten – die PanoTools [1] von Helmut Dersch. Diese Software fügt einzelne Bilder zu einem Panorama zusammen. Spezielle Betrachtungsprogramme erlauben dann einen 360-Grad-Rundumblick am Computer – ein Feature, das die PanoTools im Gegensatz zu vielen kommerziellen Tools im Programm haben. Einziger Nachteil: Die Bedienung ist etwas umständlich. Dieser Artikel bietet einen Einstieg ins Programm und zeigt ein paar Tipps und Tricks, wie Sie Ihr Panorama im rechten Licht erscheinen lassen.
Freie Wildbahn
Die PanoTools gehören zur Klasse der sogenannten Stitcher. Der Ausdruck kommt aus dem Englischen; das Verb "to stitch" lässt sich mit "etwas zusammennähen" übersetzen. Diese Stitcher-Programme "nähen" mehrere Einzelbilder zu einem großen Panorama zusammen. Der Nähvorgang selbst läuft dabei mehr oder weniger automatisch ab. Als Ergebnis erhalten Sie einen virtuellen Zylinder oder eine Kugel. Mit einem speziellen Programm, einem Viewer, begeben Sie sich in den Mittelpunkt dieser Formen und wählen den Blickwinkel mit der Maus.
Damit das Panorama später möglichst perfekt aussieht, sind bereits bei der Aufnahme der Einzelbilder einige Punkte zu beachten. Ganz wichtig ist der Standort – für Anfänger eignen sich Plätze, die von Objekten mit klaren oder einfachen Formen umgeben sind (z. B. Gebäude oder Hinterhöfe). In Gegenden mit verschwommenen Strukturen, wie z. B. im Wald, finden Sie später nur sehr schwer die richtigen Punkte, um die Fotos aneinanderzuheften.
Nach Aufnahme des ersten Motivs drehen Sie sich soweit nach rechts, dass noch ungefähr ein Drittel der vorangegangenen Szene im Sucher verbleibt. Markante Objekte dienen hierbei als Orientierungshilfe. Den Bereich, wo die Einzelbilder überlappen, benötigt die Stitcher-Software später, um die Fotos möglichst genau zusammennähen zu können. Schießen Sie solange Bilder bis Sie wieder am Anfangsmotiv angelangt sind. Der Winkel, um den Sie die Kamera in jedem Schritt nach rechts drehen müssen, hängt von der Brennweite ab. Wer sich hier nicht auf sein Augenmaß verlassen möchte, findet im Internet verschiedene Umrechnungstabellen [2]. Außerdem gibt es verschiedene Panorama-Kameras, die dem Benutzer auf unterschiedliche Weise bei der Fotografie helfen [2].
Bodenständig
Zur Ausrüstung gehört neben der Kamera unbedingt auch ein Stativ. Ein sicherer Stand verhindert, dass die Bilder gegeneinander gekippt sind und/oder der aufgenommene Ausschnitt auf einer anderen Höhe liegt als der Vorgänger (Abbildungen 1, 2 und 5). Falls Sie eine Fotofolge ohne Stativ aufgenommen haben, ist dies jedoch kein Beinbruch. Sofern die Abweichungen nicht zu groß sind, lassen sich diese mit einem Bildbearbeitungs-Tool vor den Näharbeiten ausbügeln. Unter Linux bietet sich das Programm GIMP (GNU/Image Manipulation Program, [3]) an. Dort öffnen Sie zunächst so viele Bilder, wie auf den Bildschirm nebeneinander passen. So lässt sich bereits gut einschätzen, welche Fotos zueinander verdreht sind, bzw. welche nach oben oder unten ausreißen. Die Abbildungen 1 und 2 zeigen, was passiert, wenn Sie Bilder aneinanderkleben, die deutliche Helligkeitsunterschieden bzw. einen kleinen Versatz nach oben und unten haben.
GIMPs Transformations-Werkzeuge (rechter Mausklick aufs Bild, Werkzeuge/Transformationen) helfen dabei, eine Drehung, wie sie in Abbildung 2 zu sehen ist, zu korrigieren. Nach erfolgreicher Drehung schneiden Sie das Bild zurecht. Sie sollten das Foto auch zurechtstutzen, wenn ein Bild einen Ausschnitt etwas oberhalb der anderen zeigt. Schneiden Sie hier die Bildinformation weg, die über die anderen Fotos hinausragt. Zum Abschluss müssen in jedem Fall noch alle Bilder auf eine einheitliche Größe gebracht werden.
Ein Stativ hilft außerdem dabei, den sogenannten Parallaxfehler zu vermeiden. Dieser Effekt entsteht, wenn sich die Kamera nicht um ihre optische Achse, den so genannten Knotenpunkt ("nodal point"), dreht. Auf dem Foto verschiebt sich dann die Perspektive eines Objektes: Auf dem ersten Bild sieht man z. B. einen Blumenkübel von vorne, während er auf der zweiten Aufnahme schräg verzerrt abgebildet ist. Das Stitcher-Programm kann diese beiden gegeneinander verschobenen Gegenstände nur mit Mühe zusammenbringen. Das Ergebnis sind ziemlich verbogene Geisterbilder (Abbildung 3 und 4).
Ein Stativ alleine kann dieses Problem aber noch nicht vollständig aus der Welt räumen. Der Drehpunkt einer Kamera liegt meistens hinter ihrer optischen Achse. Abhilfe schaffen ziemlich teure Panorama-Stativköpfe, die Sie im Fachhandel finden. Als billigere Alternative verwenden Sie zwei einfache Makro-Einstellschlitten, die um 90 Grad versetzt aufeinander montiert werden [2]. Die richtige Positionierung dieser beiden Schlitten zueinander erfordert dann aber einige Trockenübungen bzw. Probeaufnahmen.
Wer keine Fotokamera hat, kann notfalls auch auf eine digitale Videokamera ausweichen – die Qualität der Bilder ist allerdings nicht sehr gut. Abstriche bei der Auflösung muss man auf jeden Fall in Kauf nehmen. Dafür bietet die Videokamera den Vorteil, dass man sich in Ruhe die besten Bilder heraussuchen und mit verschieden großen Überlappungsbereichen experimentieren kann. Bei der Aufnahme sollten Sie auf jeden Fall darauf achten, die Kamera nicht zu schnell zu schwenken. Damit reduzieren Sie das Auftauchen von Halbbildern (Abbildung 5). Diese entstehen aufgrund des Aufzeichnungsverfahrens und werden meist erst beim Überspielen auf den Rechner sichtbar. Mit GIMP lassen sich solche Bilder mit dem Filter unter Filter/Verbessern/Entflackern... korrigieren.



