Der Trend geht zum Zweit-PC: Die Entwicklungszeiten für schnellere Hardware werden immer kürzer, so dass man schnell geneigt ist, sich ein neues Modell zu gönnen. Steht der neue Rechner einmal unter dem Tisch, taucht die Frage nach der Entsorgung des alten Rechenknechts auf. Bevor man ihn endgültig dem örtlichen Recyclinghof zuführt, sollte man überlegen, ob man ihn nicht als Server wiederbelebt.
Auch in einem bestehenden Heim- oder kleineren Firmennetzwerk entsteht schnell der Wunsch nach einem zentralen Server. Ein ausgemusteter, älterer PC eignet sich ideal dazu, einen Drucker oder ausgewählte Dateien allen anderen Benutzern eines Netzwerkes zur Verfügung zu stellen.
Für diese Zwecke kann man natürlich auf eine der zahlreichen Linux-Distributionen zurück greifen. Jedoch verliert man sich in der dortigen Software-Auswahl sehr leicht - ganz zu schweigen von der zeitaufwendigen Konfiguration. Hinzu kommt, dass für jedes Paket unterschiedliche Konfigurationskonzepte erdacht wurden, die zudem teilweise nicht besonders intuitiv sind.
Was ist eisfair?
Mit diesen Problemen will das eisfair-Projekt aufräumen, bei dem es sich um einen Server auf Linux-Basis handelt, dessen Installation nur zwei Disketten und einen Internet-Zugang voraussetzt. Einfache Konfiguration und Administration waren weitere Ziele der Entwickler. Für die Bedienung von eisfair sind noch nicht einmal Linux-Kenntnisse erforderlich – nur wer eigene Erweiterungen einbringen möchte, ist auf ein etwas tiefer gehendes Linux-Wissen angewiesen.
Um die genannten Ziele zu erreichen, stellt eisfair eine einheitliche Schnittstelle zu den angebotenen Diensten bereit. In der Praxis wurde dazu das Konzept des fli4l-Projektes [2] übernommen, welches übrigens auch als Vorbild diente: Jedes Programm bzw. jeder Dienst, der eisfair beiliegt, wird über Textdateien konfiguriert. Diese verwenden ein einheitliches Format, dessen Struktur eisfair vorgibt. Der Administrator wird durch dieses Konzept entlastet, da er sich nur noch mit einem einzigen Konfigurationssystem auseinander setzen muss – dem von eisfair. Dieser Komfort hat allerdings den Nachteil, dass man in der Regel nur allgemeinere Anforderungen abdecken kann. Spezielle Funktionen oder Merkmale eines Software-Pakets, die differenzierte Einstellungen voraussetzen, fallen unter den Tisch. Für den Hausgebrauch oder kleinere Netzwerke eignet sich dieses Vorgehen aber allemal.
Die Anwendungsmöglichkeiten von eisfair bestehen momentan hauptsächlich aus den folgenden Einsatzgebieten:
- Datei- und Drucker-Server für Windows-Rechner (mittels Samba)
- Drucker-Server (Unix)
- Inter- und Intranet-Server (Web-Server)
- FTP-Server
- Mail-Server
- News-Server
- Datenbank-Server (mit MySQL)
Weitere Programmpakete sind bereits in Vorbereitung. Diese können dann einfach über den integrierten automatischen Update-Mechanismus vom eisfair-Web-Server oder aus einem Netzwerk eingespielt werden. Über die genannten Dienste hinaus eignet sich eisfair auch als Firewall. Wenn möglich, sollte man diese aber aus Sicherheitsgründen auf einem eigenen Rechner betreiben.
Hürden
In der Praxis ist die Einrichtung von eisfair (noch) mit ein paar Hürden gespickt. Nur wer bereits über Grundlagenkenntnisse im Bereich von Netzwerken verfügt, gelangt schnell zu einem brauchbaren Ergebnis. Begriffe wie TCP/IP oder Routing sollten keine Fremdwörter darstellen. Ebenfalls fehlt zur Zeit noch ein komfortables grafisches Administrationswerkzeug: Konfigurationsänderungen sind momentan nur über ein rudimentäres Setup-Programm oder direkt durch das mühsamere Bearbeiten der entsprechenden Textdateien möglich.



