PC-Emulatoren unter Linux

Zeitreise

Im letzten Teil unserer Zeitreise geht es um Emulatoren rund um den PC. Anschließend soll die Serie so ausklingen, wie sie begonnen hat: mit Spielen.

Heutzutage ist ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche Standard – sei es Linux, MacOS oder Windows. Aber erinnern Sie sich noch an die Zeit vor Windows? Sie denken jetzt vielleicht an MS-DOS, doch auch dieses System hatte mit CP/M einen Vorläufer, der sich unter Linux emulieren lässt.

Kurioses und Interessantes 

  • Unter CP/M war die Länge der Dateinamen auf acht Buchstaben plus drei für eine Erweiterung beschränkt. Die Nachwirkungen dieser Maßnahme sind noch heute spürbar.
  • Die erste CP/M-Version benötigte lediglich 3 KB Hauptspeicher.

CP/M

Gary Kildall entwickelte 1974 ein Betriebssystem für Computer mit dem Intel-Prozessor 8080. Er nannte es Control Program for Microcomputers, kurz CP/M. Für den zunächst schleppenden Vertrieb gründete er eigens die Firma Digital Research. Erst als Diskettenlaufwerke zu einem Massenprodukt wurden und Zilog seinen wesentlich günstigeren 8080-Klon Z80 auf den Markt warf, gingen die Absätze steil nach oben. CP/M wurde so beliebt, dass einige Firmen sogar Z80-Erweiterungen für bestehende Computer vertrieben oder den Prozessor zusätzlich in ihre Heimcomputer einbauten (wie z. B. beim Commodore C128).

Der Schlüssel zum Erfolg von CP/M lag in seinem modularen Aufbau: Nur die als BIOS bezeichnete Schicht musste an die jeweilige Hardware angepasst werden. Der Betriebssystemkern BDOS und die textbasierte Benutzerschnittstelle (CCP, Console Command Processor) konnten unverändert übernommen werden.

Im Laufe der Zeit erschienen nicht nur zahlreiche Programme – darunter Klassiker wie WordStar und die Datenbank dBase –, auch die Vielfalt der CP/M-Versionen wirkt eher verwirrend. Am erfolgreichsten war CP/M 2.2; die letzten 8-Bit-Versionen hörten auf den Namen CP/M 3.0 bzw. CP/M Plus. Später wurde das System als CP/M 86 auch auf Intels ersten 16-Bit-Prozessor 8086 portiert. Letzterer ist übrigens der Großvater aller heutigen Pentium- und Athlon-Prozessoren.

Vorlauf

Für den Betrieb eines Emulators benötigen Sie neben einer Kopie der CP/M-Betriebssystemdiskette nur noch passende Anwendungsprogramme. Sofern Sie im Besitz der Originaldisketten sind, gibt es zwei Möglichkeiten, ihren Inhalt den Emulatoren bekannt zu machen:

  • Zum einen können Sie sämtliche Dateien in ein Verzeichnis unter Linux kopieren. Die Emulatoren verhalten sich dann so, als wäre dieses Verzeichnis ein Laufwerk.
  • Die andere Möglichkeit besteht darin, eine vorhandene CP/M-Diskette Bit für Bit auszulesen und in ein Disketten-Image zu speichern. Die Emulatoren laden diese Datei ein und simulieren auf diese Weise eine reale Diskette. Leider kann Linux das CP/M-Format nicht von Haus aus lesen. Dankenswerterweise gibt es aber die cpmtools [2], eine Sammlung von kleinen Programmen, die den Zugriff auf CP/M-Datenträger ermöglichen. Bei einigen Formaten, wie z. B. den 3-Zoll-Disketten für den Schneider/Amstrad CPC, müssen aber auch die cpmtools passen.

Leider bringen die Tools keine grafische Oberfläche mit und müssen daher in einem Terminalfenster gestartet werden. Mit cpmls können Sie z. B. das Inhaltsverzeichnis anzeigen, per cpmcp Dateien von und auf einen CP/M-Datenträger kopieren. Die verschiedenen Parameter, die beim Aufruf übergeben werden müssen, sind in den Manpages aufgeführt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Emulatoren unter Linux
    Emulatoren erwecken altertümliche Computer, Spiele, längst vergessen geglaubte Daten und Erinnerungen zum Leben.
  • DOSBox 0.73 startet alte MS-DOS-Programme
    Wer noch Spiele aus den 80er und frühen 90er Jahren besitzt oder dringend ein altes MS-DOS Programm ausführen muss, darf sich freuen: Nach über einem Jahr Entwicklungsarbeit wurde jetzt eine neue Version der beliebten DOSBox freigegeben.
  • Gelungenes Comeback
    Schwelgen Sie mit uns in Erinnerungen – mit den vorgestellten Software-Emulatoren spielen Sie alte Klassiker unter modernen Linux-Distributionen. Wir stellen ein paar Programme vor, die Computer von anno dazumal nachahmen.
  • Technik-Dinosaurier
    Alte Anwendungen und Spiele erleben ein Revival in der Dosbox. Die Software emuliert einen kompletten PC samt Uralt-Betriebssystem.
  • Klassiker aus den 80ern wiederbeleben
    Die Vorgänger der PCs waren die Homecomputer: Mit 8-Bit-Prozessoren und um die 64 KByte Arbeitsspeicher waren sie nicht besonders leistungsfähig – sie hatten aber einen BASIC-Interpreter eingebaut, was viele frühe Computerbesitzer zum Programmieren brachte.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2016_06

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Aktuelle Fragen

Ideenwettbewerb
G.-P. Möller, 28.05.2016 10:57, 0 Antworten
Liebe User, im Rahmen eines großen Forschungsprojekts am Lehrstuhl für Technologie- und Innova...
Welche Drucker sind Linux-mint kompatibel?
Johannes Nacke, 20.05.2016 07:32, 4 Antworten
Hallo Ihr Lieben, ich bitte um mitteilung welche Drucker Kompatibel sind mit Linux-Mint. LG Joh...
MS LifeCam HD-5000 an Debian
Kay Michael, 13.04.2016 22:55, 0 Antworten
Hallo, ich versuche die oben erwähnte Cam an einem Thin Client mit Debian zu betreiben. Linux...
Import von Evolution nach KMail erzeugt nur leere Ordner
Klaus-Christian Falkner, 06.04.2016 12:57, 3 Antworten
Hallo, da ich vor einiger Zeit von Ubuntu auf Kubuntu umgestiegen bin, würde ich gerne meine E...
Sophos lässt sich nicht unter Lubuntu installieren
Chrstina Turm, 30.03.2016 20:56, 3 Antworten
Hi Leute, habe mir vor paar Tagen auf ein Notebook, das ohne Linux ausgedient hätte, Linux dr...