Software im Hafen
The Answer Girl: FreeBSD-Zusatzsoftware installieren und entfernen
The Answer Girl
Dass der Computeralltag auch auf Unix-Systemen des Öfteren Überraschungen bereit hält, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.
Die ersten Schritte [1,2] in der Welt des FreeBSD-Teufelchens, Verzeihung! -Dämons, waren vielleicht noch etwas wacklig. Doch gibt es – Unix ist Unix – die meisten von Linux gewohnten Kommandozeilenbefehle auch hier, und KDE sieht nicht anders aus, sondern startet einfach nur viel schneller. Wer sich davon einmal vergewissert hat, will allerdings irgendwann mehr: neue Programme oder unter Linux liebgewordene Software nachinstallieren.
Das einzige Problem dabei: Kein aus der Linux-Welt bekannter Paketmanager – weder rpm noch apt-get, weder yast noch kpackage – lässt sich finden. Die Linuxerin steht ein wenig ratlos da. Zum Glück bietet das altbekannte, als root aufgerufene Werkzeug /stand/sysinstall wie bei so vielen die Installation und Konfiguration betreffenden Problemen den Schlüssel zur Lösung. Vielversprechend sieht der letzte Punkt des Main Menu namens Index aus, der ein Funktionsglossar verheißt (Abbildung 1). Tatsächlich bietet sysinstall auf dessen Anwahl hin eine alphabetische Liste kurz erklärter Stichpunkte an, die sich wiederum mit der [Enter]-Taste auswählen lassen (Abbildung 2).
Ein Index zahlt sich aus
Dabei sieht der Punkt Packages nach einem Lösungsansatz aus. Tatsächlich fragt sysinstall nach dessen Anwahl nach einem Installationsmedium. Wer seinen Rechner ans Internet angebunden hat, wird hier meist den Punkt FTP sowie einen Server in heimatlichen Gefilden auswählen. Auch die Abfrage, ob das Netzwerk bereits konfiguriert ist, dürfte dann leicht mit dem Yes-Pseudobutton zu beantworten sein.
sysinstall lädt einen Paket-Index herunter (je nach eigener Netzanbindung und der des gewählten Servers kann das eine Weile dauern) und bietet das Package Selection-Menü an, in dem es sich nun tatsächlich nach Software-Paketen stöbern lässt: Aus-, an- und abwählen mit [Enter], navigieren in den Listen mit den Pfeiltasten und [Tab] zum Wechsel auf die Pseudoknöpfe – diese Bedienung gilt auch hier. Nach der Paketauswahl, etwa von converters / tnef2txt-1.4 (Abbildung 3), führt ein Druck auf OK zurück ins Package Selection-Menü.
Hat man alles zusammengesucht, gibt die Anwahl des dortigen Install-Knopfes den Startschuss zur Installation (im Beispiel des Konverters für Outlooks ominöse Microsoft-tnef-Mail-Attachments). Mit einem Druck auf den Cancel-Button aus Abbildung 4 bleibt noch die Möglichkeit eines schnellen Rückziehers. Ansonsten ist der Weg frei zur Installation des passenden Pakets – am Ende lässt sich das tnef2txt-Programm einfach auf der Kommandozeile aufrufen.
Und wenn die Binärinstallation scheitert?
Wenn das so einfach ist mit dem Installieren … Mutig geworden soll auch afterstep / afterstep-i18n-1.0_1 als neuer Windowmanager auf's System. Doch statt zu installieren, streikt sysinstall beim Einspielen des freetype2-Pakets, von dem aftersteps Funktionalität offensichtlich abhängt:
Add of package freetype2-2.1.2 aborted, error code 1
lautet die ebenso unfrohe wie wenig Hilfe bietende Mitteilung. Doch so gut es zu wissen ist, dass sich sysinstall der Paketabhängigkeiten einer einzuspielenden Software annimmt, nützt dies wenig, wenn die Anwenderin nun auf die gewünschte Software verzichten muss.
Da muss es andere Wege geben … Moment, warum steht in den Dialogen aus Abbildung 3 wie 4 eigentlich jedes Mal so ein komischer Pfad in eckigen Klammern hinter dem Paketnamen? Das Stichwort ports darin lässt Erinnerungen an die Installation des Systems wach werden [1]. Offensichtlich enthält das Verzeichnis /usr/ports die nötigen Informationen zu der riesigen Menge für FreeBSD angepasster Software, der "Ports Collection".
Ein Blick mit ls in dieses Verzeichnis offenbart eine Menge Verzeichnisse, in denen – nach Kategorien sortiert – Unterverzeichnisse für diverse Software-Pakete liegen. Nicht immer stimmt diese Kategorisierung mit der in sysinstall überein: So befindet sich das tnef2txt-Verzeichnis laut Abbildung 3 im textproc-Unterverzeichnis der Ports-Kollektion, während sysinstall es in die Kategorie converters einordnet. Aber, und das ist das Entscheidende, sysinstall listet immer das passende Ports-Verzeichnis auf.
Für die internationalisierte Version von afterstep wechselt die installierwillige Systemadministratorin also nach /usr/ports/x11-wm/afterstep-i18n. Dort liegen, wie ls zeigt, bereits eine Menge Dateien herum, etwa pkg-descr, die den Inhalt des Pakets beschreibt, oder pkg-plist, aus der man erfährt, welche Dateien das Paket bei seiner Installation im System verstreuen wird.
Die Datei distinfo enthält MD5-Prüfsummen, doch das darin erwähnte Paket AfterStep-1.0.tar.gz ist nirgends zu finden, nicht einmal im files-Unterverzeichnis, in dem offensichtlich einige Patches für die Software herumliegen. Doch gibt es eine Datei namens Makefile im Paketverzeichnis, und das heißt, dass der Befehl make ganz sicher etwas tun wird, wenn man ihn im aktuellen Verzeichnis aufruft.



