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Emulatoren unter Linux - Teil 4

Spiel es noch einmal, Sam

Der im C64 verbaute Soundchip SID (Sound Interface Device, formell 6581) war in der damaligen Zeit eine kleine Sensation. Seine Fähigkeiten ermöglichten die Erzeugung von Tönen und Musik in einer konkurrenzlosen Qualität. Im Laufe der Jahre hat sich sogar eine eigene Musikszene entwickelt, deren Anhänger entweder vollständig auf der kleinen Kiste komponieren oder die vom ihm generierten Töne in eigene Stücke einbauen. (Weitere Informationen finden sich z. B. unter [12, 13].)

Für den PC existiert mit sidplay ein Emulator, der ausschließlich den Musikchip nachbildet. Auf dem C64 werden die Musikstücke extrahiert ("gerippt") und im SID-Format abgespeichert. Sidplay liest diese Datei ein und spielt sie unter Linux ab. Der Emulator selbst besteht aus zwei Teilen: einer Bibliothek, die die Hauptarbeit übernimmt, und einer Benutzeroberfläche. Letztere gibt es in verschiedenen Varianten, angefangen bei einem Kommandozeilenprogramm bis hin zum XMMS-Plugin. Auf der Homepage von Sidplay finden Sie eine kleine Auswahl [6].

SuSE Linux bringt den Emulator (Serie snd, Pakete sidplay und xsidplay) bereits von Haus aus mit. Der Aufruf des Kommandozeilenprogramms sidplay ist denkbar einfach: Öffnen Sie ein Terminal-Fenster und geben Sie sidplay dateiname ein. Eine unerschöpfliche Quelle für SID-Dateien ist die High Voltage SID Collection [14]: Dort finden Sie nahezu sämtliche, jemals auf dem C64 komponierten Musikstücke. Übrigens: Wahre Kenner schwören ausschließlich auf den Klang eines echten C64.

Ausblick

Damit wären wir bereits am Ende der Emulatoren für 8-Bit-Computer angelangt. In der nächsten Folge wagen wir uns in neue Leistungsdimensionen vor: Dann wird der Atari ST das Duell der 16-Bit-Rechner eröffnen. Leider geht mit der Einfachheit der Rechner auch ihr transparenter Hardware-Aufbau verloren - nirgendswo sonst erhält man so faszinierende Einblicke in die Arbeitsweisen eines Computers, wie bei den hier vorgestellten 8-Bit-Modellen. Übrigens: Für den C64 existieren noch regelmäßig erscheinende Magazine - sowohl auf Diskette [18] als auch in gedruckter Form [17].

Rechtliches 

Sowohl ausgelesene ROMs als auch Disketten-Images werden im Internet wie Freibier angeboten. Vor dem Download sollte man allerdings beachten, dass jegliche Software - einschließlich der Betriebssysteme - nach wie vor urheberrechtlich geschützt sind. Wer also nicht über das Original verfügt, erstellt durch den Download eine Raubkopie. Verschärft wird das Problem dadurch, dass einige Firmen mittlerweile pleite sind oder der Verbleib der Rechte nach mehreren Auf- und Verkäufen im Dunklen liegt. Einige Hersteller erlauben aber mittlerweile diversen Seitenbetreibern, ihre alten Programme anzubieten [24]. Wir raten bei derartigen Angeboten dennoch zu ständigem Misstrauen. Als Alternative können Sie auf dem Gebrauchtmarkt ältere Computer und Original-Software erstehen: Gute Anlaufstellen sind hierfür z. B. eBay [15] und Sintech [16]. Darüber hinaus gibt es einige Hobbyprogrammierer, die Test- oder Freeware-Programme geschrieben haben (siehe Kasten Infos). Weitere Quellen sind diverse CDs, wie z. B. "15 C64 Spiele" aus der Green-Pepper-Reihe. Es werden aber auch noch neue, kommerzielle Spiele hergestellt [19].

Kompilieren 

Sofern Ihnen der jeweilige Emulator nur als Archiv mit dem Quellcode zur Verfügung steht, müssen Sie das entsprechende Programm in eine ausführbare Version übersetzen (kompilieren). Hierzu installieren Sie zunächst die GNU-Werkzeuge in Form von GNU make, dem C-Compiler gcc und der Bibliothek zlib. Anschließend entpacken Sie das herunter geladene Archiv mit einem geeigneten Packprogramm (z. B. Ark) in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Öffnen Sie nun ein Terminalfenster und geben Sie dort den Befehl cd <Verzeichnis> ein. <Verzeichnis> steht hierbei für den Pfad, in das Sie das Archiv entpackt haben, inklusive des ggf. dort neu erstellten Unterverzeichnisses für den Emulator.

Vice

Stellen Sie sicher, dass die Entwicklungswerkzeuge flex (oder lex), gpp und die Bibliotheken Xaw oder eine kompatible (unter SuSE Linux z. B. xaw3d aus der Serie x), sowie readline (bei SuSE Linux nicht das Paket readline-devel in der Serie d vergessen) installiert sind. Alle genannten Pakete sollten Bestandteil jeder guten Distribution sein. Geben Sie nun ./configure ein. Bricht das Programm mit einer Meldung ab, so fehlt in der Regel ein benötigtes Paket. Hat alles geklappt, starten Sie per make den eigentlichen Übersetzungsvorgang. Besitzer einer SuSE-Distribution, die vom Programm make eine Fehlermeldung erhalten, müssen statt des Befehls ./configure den folgenden Befehl verwenden: CFLAGS="-O2 -DNO_REGPARM" ./configure. Zum Schluss muss VICE noch mit su root, der Eingabe des Passworts des Benutzers root, gefolgt von make install im System installiert werden.

Frodo

Nach der Eingabe der Befehle ./configure - -enable-kbd-lang-de gefolgt von make all werden die drei Programme erstellt.

CB64

Die Eingabe von make genügt, um das Programm cb64 zu erstellen.

CCS64

Entpacken Sie das Archiv ccs64-1_09_1-ui-src.tar.gz mit der Benutzeroberfläche. Die Versionsnummern innerhalb des Dateinamens können bei Ihrem Paket abweichen. Die ebenfalls entpackte Bibliothek im Archiv ccs64-1_09-i486linux-li_.tar.gz kopieren Sie in das neu erstellte Unterverzeichnis ccs64-1.09.1. Geben Sie nun make ein. Das fertige Programm trägt den Namen ccs64.

Sidplay

Die Bibliothek übersetzten und installieren Sie mit ./configure, make und make install. Das Vorgehen bei der Benutzeroberfläche hängt vom gewählten Paket ab. Die Kommandozeilenversion übersetzten und installieren Sie mit den selben Befehlen wie bei der Bibliothek.

Infos

[1] http://viceteam.bei.t-online.de: Vice

[2] http://www.funet.fi/pub/cbm/crossplatform/emulators/alec/: Alec64

[3] http://www.ccs64.com/: CCS64

[4] ftp://www.funet.fi/pub/cbm/crossplatform/emulators/cb64/: Comeback64

[5] http://www.uni-mainz.de/~bauec002/FRMain.html: Frodo

[6] http://www.geocities.com/SiliconValley/Lakes/5147/sidplay/: Sidplay

[7] http://www.commodoreone.com: CommodoreOne

[8] http://home.t-online.de/home/khguenter/: GEOS User Clubs

[9] http://sta.c64.org/xcables.html: Spezialkabel

[10] http://sta.c64.org/sc.html: StarCommander

[11] http://www.lb.shuttle.de/puffin/cbm4linux: Linux-Diskettenlaufwerkstreiber (cbm4linux)

[12] http://www.c64audio.com: Ein Beispiel (und erste Anlaufstelle) für die Verwendung von C64-Musik

[13] http://www.synsoniq.de: Deutscher Versand von Computersoundtracks

[14] http://www.hvsc.c64.org: High Voltage Sid Collection

[15] http://www.ebay.de

[16] http://www.sintech-shop.de

[17] http://www.go64.de: Die gedruckte C64-Zeitschrift Go64!

[18] http://www.c64-mags.de: Umfassende Übersicht über Diskettenmagazine

[19] http://www.protovision-online.de: Hersteller und Vertrieb von Kabeln und kommerziellen C64-Programmen

[20] http://members.aol.com/chrzahn/index.html: Geschichte der Firma Commodore

[21] http://www.c64.org: C64-Portal

[22] http://www.c64.sk: Englischsprachiges News-Portal

[23] ftp://ftp.funet.fi/pub/cbm/c64/: Software-Archiv

[24] http://www.lemon64.com/: Lemon - ein Archiv mit freier C64-Software

[25] http://www.zock.com

[26] http://www.8bit-museum.de: 8-Bit-Museum

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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