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Zeitreise

Emulatoren unter Linux - Teil 4

01.12.2002
Diesen Teil unserer Zeitreise widmen wir einer Firma, die mit dem C64 den Rekord des meistverkauften Heim-Computers aller Zeiten hält. Werfen wir also einen Blick auf die Emulatoren für die kleinen Kisten aus dem Hause Commodore.

Jack Tramiel wird in Polen geboren und kommt als Jude während des zweiten Weltkriegs in ein Konzentrationslager. Er überlebt die Zeit und wandert nach dem Ende des Krieges nach Amerika aus. Dort tritt er zunächst der US-Armee bei, fünf Jahre später zieht es ihn aber schon weiter nach Kanada. Er gründet die Firma Commodore, die Schreibmaschinen und Büromöbel herstellt. Beim Börsengang 1962 wird das Unternehmen in Commodore Business Machines, kurz CBM, umgetauft. Mittlerweile hat man sich dort auf die Produktion von Rechenmaschinen spezialisiert. Die ersten elektronischen Taschenrechner laufen 1969 vom Band. Durch die wachsende Konkurrenz in Form von Texas Instruments unter Druck gesetzt, entschließt sich Commodore 1976, in den Computermarkt einzusteigen. Das erste Produkt trägt den Namen Commodore PET (für Personal Electric Transactor) und erscheint 1977 etwa zeitgleich mit dem Apple II. Zwar werden vom PET verschiedene Varianten und Modelle hergestellt, aufgrund einiger Mängel und dem überlegenen Apple II kommen die Verkaufszahlen aber nicht richtig in Fahrt. Auch die nachfolgende CBM-Serie ist nur mäßig erfolgreich. Den Durchbruch auf dem Heim-Computer-Markt schafft Commodore 1981 schließlich mit dem VIC20, in Deutschland besser bekannt als VC20. Wie fast alle Heim-Computer, bestand auch der VC20 aus einer Alles-in-einem-Platine, die zusammen mit einer Tastatur in ein Brotkasten-ähnliches Gehäuse geschraubt wurde. Als Betriebssystem wird zeittypisch auf die fest eingebaute Programmiersprache BASIC gesetzt. Ein herkömmliches Fernsehgerät dient dem Benutzer als Monitorersatz. Aufgrund seines niedrigen Preises, geht der kleine Computer bis 1985 ca. 500.000 Mal über die Ladentheke.

Kurioses und Interessantes 

  • Das Gehäuse des PET2001 wird zum Öffnen wie eine Motorhaube nach oben geklappt und anschließend mit einer Stange arretiert.
  • Nur kurze Zeit baute Commodore einen tragbaren C64 unter dem Namen C64SX. In seinem mit ca. 17 kg nicht gerade leichten Gehäuse ist neben einem kleinen Bildschirm auch das Diskettenlaufwerk integriert.
  • Während der C64 aufgrund seiner Form schnell den Spitznamen "Brotkasten" verpasst bekommt, wird der C128DB von Fans gerne als "Blech-Diesel" tituliert.
  • 1986 wird in Deutschland der einmillionste C64 ausgeliefert. Zur Feier des Tages bringt Commodore eine auf 200 Stück limitierte Auflage in goldenem Gehäuse heraus.
  • Das Gerücht um einen Nachfolger des C64 ist fast schon legendär. Immer wieder wurden Meldungen um ein Modell namens C65 und dessen sagenhafte Fähigkeiten laut. Commodore hat tatsächlich einen Prototypen entwickelt. Das Testmodell wurde sogar in einer kleinen Auflage vervielfältigt. Der C65 kam jedoch nie in den Handel. Kurz bevor Commodore die Pforten schließen musste, wurden die vorhandenen Bestände verkauft und sind heute eine entsprechende Rarität.
  • 1975 kaufte Commodore den Chiphersteller MOS Technologies. Ihre Prozessoren kamen auch in vielen Konkurrenzprodukten, wie dem Apple II oder den Atari 8-Bit Computern zum Einsatz.
  • Unter dem Namen "CommodoreOne" entwickelt Jeri Ellsworth einen Nachfolger für den C64 [7].
  • Heute findet man den C64 immer noch in einigen Möbelhäusern. Dort ist er eine nach wie vor eine sehr beliebte Plastikattrappe in der Büromöbelabteilung.
  • Ein paar technische Daten:

PET2001: 6502 Prozessor (1 MHz), 8 KB Hauptspeicher, Grafik: nur 40 mal 25 Zeichen in s/w.

VC20: 6502 Prozessor (0,973 MHz), 5 KB Hauptspeicher, 176 mal 184 Punkten in 16 Farben.

C64: 6510 Prozessor (0,985 MHz), 64 KB Hauptspeicher, 160 mal 200 Punkte in 16 Farben oder 320 mal 200 Punkte bei 2 Farben pro 8 mal 8 Punkteblock.

C116, C16, Plus/4: 7501/8501 Prozessor (1 MHz), 16 KB (bzw. 64 KB beim Plus/4) Hauptspeicher, Grafik: 320 mal 200 Punkte in s/w, 160 mal 200 Punkte bei 4 Farben aus 15 in je 8 Abstufungen

C128: 8502 Prozessor (0,985 MHz, zum 6510 Prozessor kompatibel), sowie Z80 Prozessor, 128KB Hauptspeicher

Rekordverdächtig

1982 stellt Commodore auf der Consumer Electronics Show (CES) einen Nachfolger des VC20 unter dem Namen Commodore 64 vor. Im bis auf die Farbe nicht veränderten Gehäuse arbeitet jetzt ein 6510 Prozessor, unterstützt durch 64 KB Hauptspeicher, bessere Grafik und eine für damalige Verhältnisse konkurrenzlose Soundausgabe. Der kleine Rechner schlägt ein wie eine Bombe. Bereits zwei Jahre nach Markteinführung kann der Hersteller 4 Millionen verkaufte Stück melden. Bis zu seinem Ende werden mehr als 30 Millionen Geräte über die Ladentische gehen. Mit dieser Zahl steht der C64 als meistverkaufter Heim-Computer der Welt im Guinness-Buch der Rekorde.

Abbildung 1: Das erste C64 Modell

Dank seiner zahlreichen Schnittstellen auf der Rückseite ist der C64 schnell ein beliebtes Bastlerobjekt: Für kaum einen anderen Computer erscheinen derart viele Zusatzplatinen, Einsteckmodule und andere abenteuerliche Konstruktionen.

Bis 1988 wird der C64 mehrfach überarbeitet. Primär aus Kostengründen wird dabei die Platine im Inneren immer weiter verkleinert und die Anzahl der elektronischen Bauteile verringert. Kurzzeitig erhält der C64 von 1986 bis 1987 ein flaches Gehäuse (Typ C64C, auch als C64-II bekannt). Vermutlich wegen der Proteste vieler Bastler bekommt er aber sein altes Brotkastengehäuse zurück (C64G). Ab dem C64C liegt der Packung standardmäßig ein Programm namens GEOS auf Diskette bei. Das "Graphical Environment Operating System" stellt erstmals eine bis dato nicht bekannte grafische Benutzeroberfläche bereit. Das "alternative Betriebssystem" wird schnell beliebt. Es existieren sogar heute noch mehrere GEOS-User-Clubs [8].

Abbildung 2: GEOS, eine der ersten grafischen Benutzeroberflächen

Auf der Erfolgswelle plant Commodore 1984 weitere Heim-Computer, die zwar weniger leistungsfähig, dafür aber billiger sind. Heraus kommen der Plus 4, der C116 und der C16. Aufgrund der mangelnden Kompatibilität zum C64 floppen aber alle drei Modelle. Ebenfalls nicht besonders erfolgreich ist der 1985 erscheinende C128.

Abbildung 3: Der C128 in der Desktop-Version

Mit diesem Gerät will Commodore die Büros erobern und dort den Apple II und die Ur-PCs von IBM verdrängen. Dazu wird der C128 so gebaut, dass er gleich drei verschiedene Computer in sich vereint: Liegt nach dem Einschalten keine Diskette mit dem Betriebssystem CP/M im Laufwerk, so wechselt er in einen eigenen C128-Modus, bei dem eine wesentlich verbesserte Variante des C64-BASIC zum Einsatz kommt. Böse Zungen behaupten, dass der hier am häufigsten verwendete Befehl GO64 lautet. Mit ihm gelangt man in den C64-Modus, der zum Original (fast) vollständig kompatibel ist. Der C128 erscheint im Laufe der Zeit in drei Varianten: einem C64-II ähnlichen, flachen Gehäuse, einem Desktop-Gehäuse (C128D) aus Plastik, sowie einem aus Blech (C128DB).

Lies mich

Um einen der im Folgenden beschriebenen Emulatoren in Betrieb zu nehmen, benötigen Sie eine Kopie des Betriebssystems. Beim C64 befindet es sich aufgeteilt in drei ROM-Bausteinen auf der Hauptplatine: das BASIC selbst, der Betriebsystemkern (der "Kernal") und der Zeichensatz. Alle drei Computerchips können mit einem (BASIC-) Programm ausgelesen und in einer Datei, einem so genannten ROM-Image gespeichert werden. Bei den anderen Rechnern sind analoge Maßnahmen notwendig (beim C128 ist z. B. alles doppelt vorhanden). Wer sich die Arbeit ersparen möchte, sollte auf den Emulator VICE zurück greifen - er bringt alle benötigten Dateien gleich mit.

Bei den Commodore-Computern gibt es aber noch eine weitere Besonderheit, die im Zusammenhang mit den Emulatoren zu einem Problem wird. Die Rede ist von den Speichermedien, insbesondere von den Diskettenlaufwerken.

Abbildung 4: Rechts unten eine Datenkassette, links oben eine 5 1/4 Zoll-Diskette, wie sie am C64 verwendet wurden

Nachdem der C64 veröffentlicht wurde, bot Commodore zur Datenspeicherung zunächst ein Kassettenlaufwerk an. Auf handelsüblichen Audiokassetten konnten mit der Datasette die eigenen Daten und Programme archiviert werden. Das Laufwerk wird über eine proprietäre Buchse mit dem C64 verbunden. Aber auch die auf 5,25-Zoll-Disketten ausgelegte Diskettenstation 1541 macht alles irgendwie anders: Sie speichert die Daten in einem eigenen Format, arbeitet langsamer als so manches Kassettenlaufwerk, und die Steuerungseinheit enthält einen fast vollständigen Computer nebst Prozessor und eigenem Betriebssystem. Im Laufe der Zeit wurde das Diskettenlaufwerk überarbeitet und dabei hauptsächlich verkleinert (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Diskettenlaufwerke des C64 im Wandel der Zeit: unten das Urmodell 1541 noch mit Schnappverschluss, darüber die schlankere 1541 II und oben das nur kurzzeitig hergestellte 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk 1581

Die genannten Mängel blieben aber auch weiterhin bestehen. Für den C128 entwarf Commodore ein spezielles Laufwerk namens 1571, das auch doppelseitige CP/M-Disketten lesen und beschreiben konnte.

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