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Arbeitstier für Mail und News

E-Mail und News-Gruppen mit (X)Emacs und Gnus

01.12.2002 Die Hauptarbeit bei der Kommunikation per E-Mail ist das Schreiben. Warum also ein extra Mail-Programm starten, wenn der (X)Emacs als Texteditor ohnehin schon läuft?

Ob Texte verfasst, Programme oder Web-Seiten geschrieben werden wollen – der Texteditor dürfte bei vielen die Statistik der meistbenutzten Anwendungen anführen. Nur zum E-Mailen sollen sie zu einem externen Mail-Client greifen, der dann doch wieder einen Texteditor lädt? "Mit mir nicht!", sagen Emacs-Benutzer, denn sowohl XEmacs als auch Emacs bringen bereits eine Erweiterung mit, die den Editor zum Rundumsorglospaket in Sachen Mail und News macht: Gnus [1].

Auf den Emacs-Befehl gnus oder ein xemacs -f gnus & auf der Kommandozeile hin steht dieser Mail- und News-Client zu Diensten. Doch warten Sie mit dem ersten Aufruf noch etwas, denn zunächst weiß Gnus nicht, woher er Mail und News-Gruppen überhaupt nehmen soll.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Netnews kann Gnus aus einem speziellen Verzeichnis (dem sogenannten Spool), von einem lokalen News-Server (z. B. leafnode [3], sn oder INN) oder auch von einem externen holen. Soll er die Artikel aus dem Spool beziehen, tragen Sie in die Datei .gnus in Ihrem Home-Verzeichnis (in der Gnus alle Konfigurationsanweisungen erwartet) folgende Zeile ein:

(setq gnus-select-method '(nnspool ""))

Die Variable gnus-select-method legt fest, auf welche Art und Weise Gnus zu News kommen soll. Ihr übergeben Sie eine Liste, die im ersten Feld die News-Beschaffungsmethode festlegt (in diesem Fall nnspool – "netnews spool"). Das zweite (leere) Feld spielt hierbei keine Rolle. nnspool hat den Vorteil, sehr schnell zu sein. Der nützt Ihnen allerdings nichts, wenn das Spool-Verzeichnis keine News-Gruppen lagert, und um dieses zu füllen, braucht es ein Programm, das sie hereinholt (im News-Jargon gesprochen: fetcht), zum Beispiel das Tool fetchnews, das mit dem leafnode-News-Server installiert wird.

Mit letzterem kann Gnus auch unter Zuhilfenahme des NNTP-Protokolls verhandeln. Diese zweite Beschaffungsmethode heißt nntp und hat den Vorzug, dass Sie nicht auf einen einzigen News-Spool angewiesen sind, sondern einen Server ansprechen, der News von mehreren externen News-Servern holen und verwalten kann. Mit dem Eintrag

(setq gnus-select-method '(nntp "localhost"))

in ~/.gnus sagen Sie Gnus, dass Sie Ihren lokal installierten News-Server (localhost) nutzen wollen. Einen externen Server bemühen Sie, indem Sie statt localhost einfach dessen Internet-Adresse angeben.

Verlangt dieser Server eine Authentifizierung (also User-Namen und Passwort) beim Abholen oder Versenden von News, so legen Sie die Zugangsinformationen in der Datei ~/.authinfo ab, die Sie ggf. neu anlegen:

machine news.server.de
 login username
 password passwort

news.server.de ersetzen Sie durch den Namen des Server, username durch Ihren Benutzernamen und passwort durch Ihr Passwort auf dem News-Server. Indem Sie die Zeile

(setq nntp-authinfo-file "~/.authinfo")

in Ihre ~/.gnus packen, lernt Gnus, wo er die Zugangsinformationen herholen muss.

Sie haben Post (oder auch nicht)

In einem Punkt unterscheidet sich Gnus grundsätzlich von anderen Mail- und News-Programmen: Aus Benutzersicht behandelt er Mail genauso wie News, d. h., er kann sie zum Beispiel in bestimmte Gruppen einordnen oder bei Bedarf nach einer gewissen Zeit löschen. Auch in der Bedienung unterscheidet sich der Zugriff auf Mail und News nur wenig.

Zunächst müssen Sie Gnus jedoch erst beibringen, woher er die Mails bekommt. Zu diesem Zweck stehen verschiedene Backends zur Verfügung, die sich darin unterscheiden, wie sie die einzelnen Mails speichern: Soll jede Mail in einer eigenen Datei oder die gesamte elektronische Post in einer einzigen lagern?

Im ersten Fall kommt das "Mail Spool"-Backend zum Einsatz, das jede eingehende Mail als einzelne Datei im Verzeichnis ~/Mail abspeichert. Es verlangt folgenden ~/.gnus-Eintrag

(setq gnus-secondary-select-methods '((nnml "")))

und benötigt eine Menge Inodes, was insbesondere für Rechner mit geringen Ressourcen sehr ungünstig ist. Diesen Nachteil gilt es gegen den Vorteil abzuwägen, dass Mail Spool das schnellste Backend zum Mail-Lesen mit Gnus ist.

Es setzt voraus, dass sich Ihre elektronische Post in Ihrer lokalen Inbox befindet. Um sie vom POP3-Server Ihres Providers dort hinein zu bugsieren, bietet sich z. B. fetchmail an. Gnus kann sie allerdings auch selbst holen. Dazu dient die Einstellung

(setq mail-sources
 '((file :path "/var/spool/mail/username
")
   (pop :server "pop3.mail.de
"
        :user "username
"
        :port "pop3
"
        :password "geheim
")))

Die Variable mail-sources nimmt alle Quellen auf, von denen Sie Mails beziehen wollen. Im Beispiel holt Gnus die Mails für den User username zum einen aus der Datei (file) /var/spool/mail/username im lokalen Mail-Spool und zum anderen vom externen Mail-Server pop3.mail.de. Dort hat der User den User-Namen username und verwendet als Passwort geheim. Die Kommunikation mit dem Server soll über das Protokoll pop3 erfolgen. Damit Gnus die Mails von dort holen kann, muss allerdings eine Online-Verbindung bestehen.

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LinuxUser 03/2012

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