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Zeitreise

Emulatoren unter Linux - Teil 3

Coleco Adam

Bereits im ersten Teil haben wir die Firma "Connecticut Leather Company", kurz Coleco kennen gelernt. Der ursprüngliche Lederwarenhersteller trat 1975 in den Videospielemarkt ein und stellte 1982 die recht erfolgreiche Videospielkonsole ColecoVision vor. Coleco wollte sich aber auch ein Stück vom lukrativen Homecomputermarkt abschneiden und entwickelte 1983 den Coleco Adam. Er war sowohl als eigenständiger Computer als auch in Form einer Erweiterung für das ColecoVision erhältlich. Ebenfalls einzigartig war das Betriebssystem: Im Gegensatz zum sonst verwendeten BASIC verfügte der Adam über eine eingebaute Textverarbeitung. Wer programmieren wollte, musste das BASIC von einer Diskette oder Kassette nachladen. Der Adam verfügte über zwei eingebaute Kassettenrecorder, die vom Computer gesteuert wurden. Optional ließ sich ein externes Diskettenlaufwerk anschließen. Leider ging schon bei der Einführung des Computers 1983 einiges schief. So war der Rechner nicht ganz fehlerfrei, wodurch die Verkaufszahlen zwangsläufig weit hinter den Erwartungen zurück blieben. Letztendlich wurde der Adam 1985 wieder vom Markt genommen. Coleco wandte sich noch kurzzeitig dem Spielzeugmarkt zu, bevor 1989 die Tore des Unternehmens endgültig geschlossen wurden.

Für den Coleco Adam existiert nur ein Emulator mit dem Namen Adamem (ADAM Emulator) [15]. Nach dem Übersetzen (vgl. Kasten Kompilieren), kann das Programm adamem bequem über einen Dateimanager gestartet werden.

Abbildung 4: Die integrierte Textverarbeitung des Coleco Adamam in Aktion

Schneider/Amstrad CPC

Reisen wir weiter ins Jahr 1984. Alle bis jetzt vorgestellten Computer waren zu diesem Zeitpunkt zumindest in ihrer ersten Ausgabe erhältlich. Alan Michael Sugar Trading, kurz Amstrad, war bislang nur durch billige HiFi- und Fernsehgeräte aufgefallen. 1983 beschloss die Geschäftsleitung, einen Computer auf den Markt zu bringen (Codename Arnold). Nach einigem Chaos während der Entwicklungszeit - niemand in der Firma hatte Ahnung auf diesem Gebiet - wurde 1984 der Colour Personal Computer 464, kurz CPC 464 vorgestellt. Technisch gesehen überbot er in einigen Punkten sogar den C64 von Commodore. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten verwendete der CPC keinen Fernseher, sondern einen eigenen Bildschirm als Ausgabegerät. Die Käufer hatten sogar die Wahl zwischen einem Grün- und einem Farbmonitor, der jeweils auch als Stromquelle für den CPC diente. Bereits 1985 erscheint der CPC 664, der anstelle des Kassettenrecorders beim 464 nun über ein eingebautes 3-Zoll-Diskettenlaufwerk (nicht 3,5 Zoll!) verfügte. Mit ihm zusammen wurde auch das Betriebssystem CP/M (Control Program for Microcomputers) auf Diskette ausgeliefert. Im gleichen Jahr erschien mit dem CPC 6128 noch ein Nachfolger, jetzt mit 128 KB Hauptspeicher. In Deutschland übernahm von Anfang an Schneider den Vertrieb der CPC-Computer und druckte auf die Gehäuse seinen eigenen Namen. Als Amstrad 1988 eine deutsche Niederlassung gründete, kam es beim Wechsel zu Lieferengpässen, was schließlich das Aus für den CPC in Deutschland bedeutete. 1990 versuchte Amstrad noch einmal, mit den CPCs 464+ und 6128+ auf dem Markt Fuß zu fassen. Beide Rechner waren aber technisch veraltet und verschwanden so schnell, wie sie aufgetaucht waren. 1997 wurde Amstrad von Betacom aufgekauft, kurze Zeit später benannte sich Betacom in Amstrad um, so dass die Marke noch heute existiert.

Abbildung 5: Die Tastatur des Schneider CPC 6128 war für damalige Homecomputer äußerst komfortabel

Abbildung 6: Heute nicht mehr erhältlich: 3-Zoll-Disketten (formatierte Kapazität 178 KB/Seite)

Aufgrund seiner Beliebtheit verwundert es kaum, dass der Linux-Anwender gleich unter mehreren CPC-Emulatoren wählen kann. Da Amstrad und der Betriebssystemhersteller Locomotive den Emulatorenprogrammierern ihre ROMs kostenlos zur Verfügung stellen, bringen alle CPC-Emulatoren gleich eine passende Variante mit. Sofern man nicht nur programmieren möchte, benötigt man nur noch die passende Software. Wie man die eigene CPC-Software-Sammlung ausliest und auf den PC überspielt, ist z. B. im Amstrad-FAQ [27] oder auf der Homepage von Ulrich Cordes [21] dokumentiert. Typische Dateiendungen sind .dsk (Disketten), .tap (Kassetten) und .cpr (Einsteckmodule). Hilfreich sind auch die dsktools für Linux [25]. Analog zu spectemu existieren zusätzlich noch Snapshot-Dateien, die jeweils einen gespeicherten Zustand des Emulators beinhalten.

Einer der bekanntesten Emulatoren ist XCPC [20]. Um ihn zu starten, öffnen Sie ein Terminalfenster und wechseln in das Verzeichnis, in dem sich das Programm befindet. Aufgerufen wird er mit xawcpc -cpc464 für die Emulation eines CPC 464 (dort ist kein Diskettenlaufwerk vorhanden), xawcpc -cpc664 für den CPC 664 oder xawcpc -cpc6128 für den CPC6128. Es erscheint nun ein Fenster mit dem emulierten Computer.

Abbildung 7: Der CPC-Emulator XCPC nach dem Start

Unter File kann ein Diskettenabbild eingebunden oder ein Snapshot geladen werden. Das Inhaltsverzeichnis einer Diskette lässt sich mit dem BASIC-Befehl CAT anzeigen. Per RUN"Prgname" wird das Programm Prgname von der Diskette geladen und ausgeführt. Prgname muss dabei die Endung .BAS oder .BIN tragen. Geben Sie im Zweifelsfall der .BAS-Variante den Vorzug. Disketten mit CP/M können per |CPM gestartet werden. Der Strich "|" wird in jedem Emulator unterschiedlich erzeugt, hier hilft ein Blick in die beiliegende Dokumentation. In älteren Versionen von XCPC, wie sie z. B. SuSE Linux beiliegen, muss das Disketten-Image bereits beim Programmaufruf mit angegeben werden. Das Kommando lautet dann xcpc -cpc6128 -disc imagedatei. Leider ist XCPC nicht ganz fehlerfrei. So zeigte sich das Programm in unseren Tests vom Aufruf des Menüpunktes File/Insert Floppy... recht unbeeindruckt.

Ein CPC-Emulator, der sogar den KC Compact emulieren kann, ist Arnold [18]. Wir raten dazu, die spezielle Variante des Entwicklers der Linux-Version zu verwenden [19]. Sie trägt zur Unterscheidung die Bezeichnung nurgle im Archivnamen. Um Arnold zu starten, öffnen Sie ein Terminalfenster, wechseln in das Verzeichnis, indem sich Arnold befinde,t und geben den Befehl arnold ein. Sofern Sie Arnold mit GTK-Unterstützung kompiliert haben (vgl. Kasten Kompilieren), öffnet sich nun neben dem Emulator- auch ein Menüfenster.

Abbildung 8: Durch das Menü ist der CPC-Emulator Arnold wesentlich einfacher zu bedienen

Dort können Sie z. B. über den Button Drive A ein Disketten-Image einbinden. Öffnet sich kein Menüfenster, müssen Sie die dortigen Einstellungen beim Aufruf des Programms mit angeben. Um etwa das Diskettenimage meinimage.dsk einzubinden, lautet der Aufruf

arnold -drivea meinimage.dsk

cpc4x ist ein weiterer Emulator, der sich allerdings noch in der Entwicklungsphase befindet [21]. Netterweise liegen ihm nicht nur eine sehr gute und ausführliche deutsche Anleitung (Unterverzeichnis html, Datei cpc4x_ger.html), sondern im Unterverzeichnis disc auch gleich ein paar Disketten-Images für die ersten Gehversuche bei. Nach dem Übersetzen finden Sie das Programm in einem eigenen Unterverzeichnis cpc innerhalb ihres Heimatverzeichnisses wieder. Zum Starten genügen das Öffnen eines Terminalfensters und die Eingabe von cpc. Wir raten dazu, vor der Inbetriebnahme Tcl/Tk zu installieren, was cpc4x zu mehr Bedienkomfort verhilft. Eine (virtuelle) Diskette wird übrigens per Druck auf die Taste [F3] eingebunden.

Den Abschluss der CPC-Emulatorenriege bildet die Shareware CPC++ [22]. Der Emulator kann direkt aus einem Terminalfenster per cpcpp gestartet werden. Die unregistrierte Version pausiert nach dem Start für zehn Sekunden und ist in der Laufzeit einer Sitzung beschränkt.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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