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Kleine Texter

Standalone-Textverarbeitungen im Vergleich

Ted

Wie Abiword versteht sich Ted als übersichtliche Textverarbeitung für die tägliche Arbeit. Vorrangiges Ziel war es, mit MS Word und MS Write geschriebene Texte im RTF-Format unter Linux lesbar zu machen.

Um Ted auf Ihrem System zu installieren benötigen Sie nur die Datei ted-2.11-1.i386.rpm von der Ted-Homepage oder unserer Heft-CD. Mit root-Rechten versehen, ist sie mit dem Befehl rpm -Uvh ted-2.11-1.i386.rpm schnell eingespielt.

Wenn Sie Wert auf eine deutschsprachige Programmoberfläche und eine deutsche Rechtschreibkontrolle legen, brauchen Sie zudem das Paket ted_de_DE-2.11-1.noarch.rpm. Während die Rechtschreibkontrolle auf Anhieb funktioniert, ist für eine deutsch beschriftete Programmoberfläche noch ein wenig Handarbeit nötig: Nach der Installation von ted_de_DE-2.11-1.noarch.rpm finden Sie im Verzeichnis /usr/local/Ted/ad die Datei Ted_de_DE.ad.tar. Diese entpacken Sie als root im Wurzel-Verzeichnis mit dem Befehl tar -xvf /usr/local/Ted/ad/Ted_de_DE.ad.tar. Anschließend geben Sie die root-Rechte wieder ab und kopieren die Datei /usr/lib/X11/de_DE/app-defaults/Ted in Ihr Home-Verzeichnis.

Von nun an startet Ted auf die Eingabe von Ted & in einer Konsole hin. Zunächst erscheint ein Fenster, in dem Sie eine Datei anlegen, öffnen oder die Programmhilfe aufrufen können. Nach Auswahl einer zu bearbeitenden Datei oder dem Anlegen eines neuen Textes öffnet sich das Ted-Arbeitsfenster (Abbildung 4).

Ted speichert Texte im RTF- oder HTML-Format, kann aber ausschließlich RTF lesen. Als HTML-Editor taugt Ted jedoch nicht, die Exportfunktion speichert den erstellten Text lediglich als mit Formatierungsanweisungen überladenes HTML ab, wobei allerdings Hyperlinks und Bookmarks erhalten bleiben.

Abbildung 4: Ted

Das Programm bildet vom Funktionsumfang her die Microsoft-Programme Write oder WordPad nach, bietet aber einige Ergänzungen: Kopf- und Fußzeilen, Tabellen sowie Fuß- und Endnoten. Die Erwartung an die Tabellenfunktionalität sollte man allerdings nicht zu hoch schrauben: unterschiedliche Rahmen oder Hintergrundfarben und -muster für die Zellen sind Teds Sache nicht. Ferner ist es nicht möglich, Zellen zu formatieren, die sich über mehrere Spalten oder Zeilen erstrecken. Flexibler zeigt sich die Software bei Kopf- und Fußzeilen: Sie dürfen auf rechten Seiten anders aussehen als auf linken und sich auf der ersten Seite des Textes noch einmal unterscheiden.

Das Einfügen von Fuß- und Endnoten funktioniert leider nicht ganz fehlerfrei: Fußnoten haben immer den gleichen Abstand zum linken Seitenrand, der Fußnotenbereich ist immer gleich breit, egal wie breit die Seite ist.

Für die Formatierung von Seiten, Absätzen und Tabellen gibt es einen Dialog, der neben dem Arbeitsfenster geöffnet bleibt und so stets im Blickfeld ist (Abbildung 5).

Eingefügte Grafiken lassen sich skalieren und beliebig auf der Seite und auch nebeneinander anordnen; Tabelle 1 listet die unterstützten Formate auf. Im Gegensatz zu Abiword kann Text neben einer Grafik stehen.

Abbildung 5: Der Ted'sche Format-Dialog

Inhaltsverzeichnisse mit Seitenzahlen lassen sich auch hier nur mit Hilfe von Bookmarks und Hyperlinks erstellen (Abbildung 6). Dazu versehen Sie jede Kapitelüberschrift mit einem Bookmark. Im Inhaltsverzeichnis fügt man einen Hyperlink mit der Seitenzahl des Lesezeichens ein. Die Seitenzahlen passt Ted an, wenn der Text verändert wird. Leider funktioniert das nicht immer fehlerfrei: Im Test stürzte das Programm bei dieser Arbeit einige Male ab.

Abbildung 6: Bookmarks in Ted

Damit eignet sich die übersichtliche Textverarbeitung im Wesentlichen für das Erstellen kurzer Texte. Probleme beim Arbeiten mit Fußnoten und Inhaltsverzeichnissen trüben den guten Eindruck ein wenig. Wenn diese Fehler behoben sind, eignet sich Ted auch für kleinere Hausarbeiten.

Pathetic Writer

Lange bevor die Linux-Welt in den Genuss von Star- oder KOffice kam, gab es mit Siag Office bereits ein Projekt, das typische Büroaufgaben lösbar machen wollte. Es besteht aus siag, einer kleinen Tabellenkalkulation, egon, einem Animationsprogramm und dem Textprozessor Pathetic Writer, kurz pw. Mit den "großen" Office-Paketen kann es sich nicht messen, so dass wir Pathetic Writer an dieser Stelle besprechen.

Wer die aktuelle Version 3.5.2 benutzen möchte, muss das Programm aus dem Quelltext übersetzen. Dazu benötigen Sie das Siag-Office-Archiv siag-3.5.2.tar.gz sowie die Bibliotheken Mowitz-0.2.1.tar.gz und XawM-1.5u.tar.gz, die Sie auf der Siag-Homepage oder unserer Heft-CD finden. Die Installationsreihenfolge ist wichtig: Zuerst kommt Xawm an die Reihe, dann Mowitz, ehe Sie siag einrichten können.

Die Vorgehensweise ist für alle drei Paketen die gleiche; wir zeigen sie am Beispiel von XawM: Sie entpacken die Datei XawM-1.5u.tar.gz mit dem Befehl tar -xzvf XawM-1.5u.tar.gz, wechseln ins neu erstellte Verzeichnis (hier: Xawm-1.5u) und geben nacheinander die Befehle ./configure, make und (als root) make install ein.

Falls es auch eine ältere Programmversion sein darf, finden Sie auf unserer Heft-CD ein rpm-Paket der Version 3.4.9, das Sie als root mit dem Befehl rpm -Uvh siag-3.4.9-2.noarch.rpm einspielen.

Nach der Installation lässt sich das Programm durch Eingabe von pw & in einer Konsole starten.

Abbildung 7: Pathetic Writer

pw benutzt zum Speichern der Texte ein eigenes Dateiformat, liest aber auch RTF-Dateien ein, wobei nicht unterstützte Formatierungen wie Textfarben und vergrößerte Zeilenabstände sowie eingefügte Grafiken verloren gehen. Neben dem pw-eigenen Format lassen sich Dokumente als RTF-Text, HTML, Text ohne Formatierungsinformationen, PostScript und PDF speichern. Die erzeugten PostScript- und PDF-Dateien sind von guter Qualität.

Verglichen mit den beiden zuerst vorgestellten Programmen hat pw einen recht bescheidenen Funktionsumfang: Neben den üblichen Zeichen- und Absatzformaten lassen sich fünf eigene Absatzformatvorlagen definieren. Außerdem kann man Kopf- und Fußzeilen sowie Sonderzeichen einfügen.

Hoffnung weckt die Tatsache, dass Pathetic Writer durch Plugins erweiterbar ist; mitgeliefert wird unter anderem eines, das eine Tabelle in den Text einfügen soll. Leider funktioniert dieses ebensowenig wie die übrigen.

Zur Rechtschreibkontrolle greift pw auf das Programm ispell zurück, das, sofern nicht bereits auf dem System vorhanden, gesondert installiert werden muss (Sie finden es auf Ihrer Distributions-CD). Für ispell gibt es ein Wörterbuch für die neue Rechtschreibung, das Sie unter [4] aus dem WWW laden.

Als Online-Hilfe dient eine Reihe von HTML-Dateien, die allerdings für eine ältere Version des Programms geschrieben wurden und daher nicht immer brauchbar sind, da sich mittlerweile die Menüstruktur und die Programmoberfläche verändert haben.

Somit ist das Programm höchstens dafür geeignet, hin und wieder mal einen Brief oder ein Fax zu schreiben; für aufwändig formatierte oder längere Dokumente sollte man sich etwas anderes suchen.

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LinuxUser 06/2012

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