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Web-Surfen ohne X

Anpassen und loslegen

Während w3 wohl am meisten begeistert, wenn man ohnehin Emacs nutzt und beim Schreiben eines Texts schnell etwas im Web nachschlagen kann, lässt sich links als Kommandozeilenprogramm erfrischend einfach nutzen. Ein Aufruf von links ohne weitere Optionen produziert ein leeres Fenster. Lassen Sie sich davon nicht verwirren; auf den Druck der [Esc]-Taste hin bekommen Sie ein Menü zu sehen. Dies erinnert zwar optisch stark an DOS-Zeiten, nicht jedoch beim Funktionsumfang (Abbildung 7). Alle Tastaturkürzel sind visuell gekennzeichnet. Sie lernen dadurch "auf einen Blick" alle Kürzel kennen; die wichtigsten sind

  • [g] ("gehe zu"); hier lässt sich eine neue URL eingeben und mit den Pfeiltasten nach oben oder unten die "History" nach bereits eingegebenen Adressen durchsuchen.
  • die Pfeiltaste nach links. Sie entspricht – genau wie bei lynx – dem Zurück-Button grafischer Browser. Interessanterweise haben beide Browser denselben Fehler in ihrem Benutzer-Interface: Die rechte Pfeiltaste verhält sich nämlich gerade nicht wie der Forward-Knopf der GUI-Browser.
  • [Bild hoch]/[Bild runter] und [Pfeil auf]/[Pfeil ab]. Damit bewegen Sie sich auf einer Seite. Die [Leer]-Taste scrollt nach unten.
  • [Tab], damit hüpfen Sie auf Frame-Seiten von Frame zu Frame.
  • [/], das nach dem anschließend eingegebenen Suchbegriff im aktuellen Dokument fahndet.

Das englischsprachige Handbuch erreichen Sie online im Menü-Punkt Hilfe / Handbuch. Sinnvoll ist es, den Menü-Punkt Setup / Language auf German zu stellen, woraufhin dieser Menüpunkt zu Einstellungen / Sprache wird. Unter Einstellungen / Zeichensatz bügelt man ein paar anfängliche Darstellungsfehler aus: Ist 7-bit ASCII voreingestellt, lassen sich keine Umlaute darstellen. Damit die Einstellungen dauerhaft bleiben, müssen sie unter Einstellungen / Optionen speichern gesichert werden. Ein Untermenü, in dem man sich dann doch nicht zu einer Änderung entschließt, schließt man übrigens mit [Esc].

Passende externe Anzeigeprogramme vorausgesetzt, wird links über den Menüpunkt Einstellungen / Verknüpfungen sogar Multimedia-fähig. Ehe Sie hier jedoch die Helper Applications von Netscape (Edit / Preferences / Navigator /Applications beim Netscape Navigator 4.78) übertragen, sollten Sie bedenken, dass grafische Applikationen nur dann sinnvoll sind, wenn Sie mit links in einem X-Terminal arbeiten. Auf der Konsole ist das Angebot etwa an Bildbetrachtern naturgemäß etwas eingeschränkt. Können Dateien eines Dateityps verschiedene Namensendungen tragen, geben Sie die Alternativen unter Einstellungen / Datei-Endungen an. Ein praktisches Beispiel finden Sie in Artikel [4], der auch zu lynx und w3m noch einige Zusatzinformationen bietet.

Abbildung 7: Menüauswahl von links

Tabelle 2: Text-Browser im Internet

Browser

URL

Bemerkung

lynx http://lynx.browser.org/ lynx-Homepage
emacs_w3 http://www.cs.indiana.edu/elisp/w3/docs.html Homepage mit weiterführenden Links zu Dokumentation, Downloads und FAQ
http://www.cs.indiana.edu/elisp/w3/docs/w3_1.html "Getting started": die Basics für emacs_w3-Anfänger und -Fortgeschrittene
links http://links.sourceforge.net/ links-Projektseite
http://artax.karlin.mff.cuni.cz/~mikulas/links/ Die neuesten Entwicklungen des links-Autors
w3m http://www.w3m.org/ Näheres zum Umgang und zur Installation bietet auch [1]

Glossar

ssh

"Secure Shell". Eine sichere Möglichkeit, sich auf einem entfernten Rechner einzuloggen und die Software darauf so zu bedienen, als säße man direkt davor. Sofern man auf dem eigenen Rechner unter X arbeitet, kann man auch grafische Programme auf der entfernten Maschine starten, die dann auf dem lokalen Bildschirm angezeigt werden ("X-Forwarding"), doch braucht man dazu eine hinreichend schnelle Netzwerkverbindung. Zudem ist das X-Forwarding vom Sicherheitsstandpunkt aus gesehen problematisch und auch so manche moderne (KDE-)Anwendung spielt nicht immer mit.

Frames

Frames (englisch: Rahmen) unterteilen das Ansichtsfenster eines Browsers in kleinere, oft verschieden große Anzeigebereiche, von denen jeder eigene Inhalte enthalten kann.

Umgebungsvariable

Viele Funktionen der Shell werden durch Variablen gesteuert. Variablen, die auf Anwendungsprogramme Einfluss nehmen, heißen Umgebungsvariablen und werden systemweit (und teils je nach Distribution) aus den Dateien /etc/profile, ggf. /etc/profile.local und/oder /etc/bashrc eingelesen. Anwender haben die Möglichkeit, diese Einstellungen dauerhaft zu individualisieren, indem sie in ihrem Home-Verzeichnis entsprechenden Dateien editieren. Die Bash arbeitet nach dem Login die Dateien .bash_profile, .bash_login, .profile und ggf. .bashrc ab. Ist eine davon nicht vorhanden, wird die nächste auf mögliche Einträge untersucht. Welche Umgebungsvariablen im System gesetzt sind, bringt Ihnen der Befehl env auf den Ausgabebildschirm.

~

Kurzschreibweise für das eigene Home-Verzeichnis.

versteckt

Dateien, deren Namen mit einem Punkt (".") beginnen, versteckt der Befehl ls, aber auch so mancher Datei-Manager vor Ihnen, wenn Sie ihn nicht anders konfigurieren bzw. dem ls-Befehl die Option -a ("alle") mitgeben. Der Grund für das Versteckspiel: Per definitionem speichern Anwendungen ihre Konfigurationsdateien als "Punktdateien" ab, zuviele davon verstellen der Anwenderin bei der normalen täglichen Arbeit allerdings den Blick auf ihre Datendateien.

SGML

Ein Standard zur Beschreibung von Dokumenten ("Standard Generalized Markup Language"). Mit ihm ist es möglich, Inhalte eines Dokumentes von einer äußeren Erscheinungsform (Layout) zu trennen, siehe auch [3].

Infos

[1] Christian Perle: "Surfen in ASCII", LinuxUser 06/2000, S. 39 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2000/06/039-ootb/ootb-w3m.html

[2] Stefan Münz: "SELFHMTL", http://selfaktuell.teamone.de/

[3] Thomas Hofmann, Ursula Raithelhuber: "Home of SGML", http://th-o.de/sgml/sgmlv.htm

[4] Heike Jurzik: "Surfin'on the Commandline", LinuxUser 02/2001, S. 92 ff. http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/02/092-zubefehl/befehl13.html

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LinuxUser 06/2012

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