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Es werde Schrift

TrueType-Schriften unter Linux installieren

01.06.2002

Nach der Installation einer Linux-Distribution sieht die vorhandene Schriftenlandschaft in der Regel recht trostlos aus. Dieser Mangel beruht auf der Tatsache, dass auch Schriften dem Urheberrecht unterliegen. Bei ihrer Produktion betreiben die verschiedenen Hersteller einen nicht unerheblichen Aufwand, den der Kunde entsprechend gut bezahlen soll.

Als Faustregel gilt: je höher die Qualität, desto teurer die Schrift. Diese kommerzielle Politik verträgt sich leider nicht mit dem Open-Source-Gedanken von Linux. Und so kommt es, dass man die Palette der vorhandenen Schriften selbst erweitern muss.

Ein weiteres Problem verursachte bislang das Dateiformat: In der Windows- und Macintosh-Welt werden Schriften meistens im TrueType-Format ausgeliefert (erkennbar an der Endung ttf). Bis vor kurzem konnte die grafische Oberfläche von Linux noch nicht mit diesem Format umgehen.

Wer seine Schriften bis dato von Windows auf den Linux-PC holen wollte, musste sie recht umständlich konvertieren. Seitdem aber in den Distributionen Version 4 von XFree86 werkelt, ist auch diese Hürde endgültig genommen.

Um die Liste der verfügbaren Schriftarten unter Linux zu erweitern, benötigen Sie zunächst die Schriften selbst. Unter Windows finden Sie diese im Unterverzeichnis c:\windows\fonts. Bitte beachten Sie, dass einige Schriftarten aus mehreren Dateien bestehen. So existieren z. B. für die berühmte Times New Roman gleich vier Dateien: je eine für normalen, kursiven, fetten und kursiv-fetten Schnitt. Fehlt später eine dieser Dateien, ist der entsprechende Schnitt nicht verfügbar.

Wohin unter X?

Zur besseren Übersicht sammelt XFree86 alle Schriften im Verzeichnis /usr/X11R6/lib/X11/fonts. Dort befinden sich weitere Unterverzeichnisse, die noch einmal die verschiedenen Schriften in Gruppen unterteilen. Obwohl die Schriften auch in jedem anderen Verzeichnis abgelegt werden können, sollten Sie auch Ihrer eigenen Sammlung dort ein Zuhause geben. SuSE Linux hält für diese Zwecke sogar extra ein leeres Verzeichnis mit dem Namen truetype bereit.

Um die eigenen Schriftarten zu installieren, melden Sie sich zunächst als Benutzer root an. Erstellen Sie im genannten Schriftartenverzeichnis von XFree86 ein neues Unterverzeichnis. (SuSE-Linux Benutzer können das truetype-Verzeichnis verwenden.) Kopieren Sie anschließend die gewünschten Schriften dort hinein. Öffnen Sie als nächstes ein Terminal-Fenster und wechseln Sie in das neue Verzeichnis mit den TrueType-Schriften.

Geben Sie nun den Befehl ttmkfdir -o fonts.dir ein. Hierdurch wird ein Index erstellt, mit dessen Hilfe XFree86 die Schriften korrekt einbinden kann. Jedes Mal, wenn Sie später eine weitere Schriftartendatei hinzufügen, müssen Sie diesen Befehl erneut ausführen. ttmkfdir selbst liegt jeder guten Linux-Distribution bei. Sollte dies wider Erwarten nicht der Fall sein, finden Sie das Programm im Internet unter http://www.joerg-pommnitz.de/TrueType/xfsft.html.

Zum Abschluss müssen Sie XFree86 noch das neue Verzeichnis mitteilen. Hierzu können Sie in der Regel das Konfigurationsprogramm Ihrer Distribution heranziehen. Unter SuSE ist dies z. B. SaX2. Dort fügen Sie neue Schriftenverzeichnisse im Abschnitt über die Tastatureinrichtung (unter Schriften, bzw. Fonts) hinzu. Alternativ öffnen Sie mit einem Texteditor die Konfigurationsdatei XF86Config-4 im Verzeichnis /etc/X11. Ist diese Datei nicht vorhanden, verwenden Sie stattdessen die XF86Config. Direkt am Anfang befinden sich Einträge der Form FontPath "<Pfad>". Fügen Sie diesen Zeilen eine weitere, gleichlautende hinzu. <Pfad> ersetzen Sie dabei durch das Verzeichnis mit den TrueType-Schriften. Speichern Sie die Konfigurationsdatei ab.

Ist die Einrichtung abgeschlossen, müssen Sie nur noch die grafische Oberfläche neu starten. Dies geschieht in der Regel durch simples Ab- und Anmelden. Anschließend sollten die Schriften zur Verfügung stehen. Bitte beachten Sie, dass einige Programme (z. B. StarOffice) ihre eigene Schriftenverwaltung mitbringen. Die in diesem Artikel eingebundenen Schriften tauchen dann dort nicht auf.

Wem die obige Prozedur zu aufwendig erscheint, der kann auch auf eines der vielen Hilfsprogramme, wie z. B. KFontInstaller (http://www.cpdrummond.uklinux.net/kfontinst), ausweichen.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 03/2012

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