Schwarz auf weiß
Videos auf der Konsole - Framebuffer im Einsatz
Boot Manager lilo
Wenn der Kernel fertig übersetzt ist, nehmen Sie in der Datei /etc/lilo.conf noch eine Änderung vor, um den Framebuffer zu aktivieren - sonst bleibt's bei einer Konsole mit 80x25 Zeichen oder im schlimmsten Falle bei einem schwarzen Bildschirm. Um den Framebuffer zu konfigurieren, muss dem Kernel bereits beim Booten ein Argument mit dem richtigen Video Mode übergegeben werden. Bei diesen Argumenten gibt es jedoch große Unterschiede: Fast jeder Framebuffer-Treiber benötigt andere Argumente, und nicht bei jedem lassen sich alle Eigenschaften bestimmen. So lassen sich beispielsweise beim generischen VesaFB momentan nur der Videomodus selbst und die Größe des Grafikspeichers auf der Karte bestimmen, beim MatroxFB kann man zusätzlich die gewünschte Farbtiefe angeben. Zwar gibt es bereits die sogenannte ModeDB, die die verschiedenen Video Modes der einzelnen Framebuffer-Treiber vereinheitlichen soll - diese ModeDB konnte sich bis jetzt jedoch nicht durchsetzen und wird zur Zeit nur von vier Framebuffer-Treibern benutzt.
Beim VesaFB reicht es, dem Kernel vga=0x318 mit auf den Weg zu geben, um eine Framebuffer-Auflösung von 1024x768 Pixeln bei 16 MB Grafikkartenspeicher zu erreichen. Beim Framebuffer für Matrox-Karten (matroxfb) wird selbiges durch den Eintrag video=matrox:vesa:0x192 bewirkt - der Videospeicher wird in der Regel automatisch erkannt. Beim aty128-Framebuffer, einem der vier Framebuffer-Treiber, die die ModeDB bereits benutzen, heißt der Eintrag video=aty128fb:1024x768. Der VesaFB stellt bei der Angabe der Argumente eine Ausnahme dar; er benötigt als einziger Treiber ein Argument in der Form vga=xxx, alle anderenFB-Treiber verwenden die Syntax video=xxx:yyy. Das Argument für einen VesaFB wird in der Datei lilo.conf direkt über dem Schlüsselwort "vga" eingetragen, für Argumente in der Form video=xxx:yyy benötigen Sie eine append-Zeile.
Ein Eintrag in der Datei lilo.conf bei Verwendung des VesaFBs und einer gewünschten Auflösung von 1024x768 Pixeln bei 16 MB Videospeicher könnte so aussehen:
lba32 boot=/dev/hda delay=20 promptvga=0x318 […]
Für eine Grafikkarte mit ATI-Rage128-Chipsatz, in der der "aty128"-Framebuffer zum Einsatz kommt, sieht der Eintrag in lilo.conf wie folgt aus (die gewünschte Bildwiederholungs-Frequenz beträgt hier 60 Hz, die Farbtiefe 16 bpp):
lba32 boot=/dev/hda delay=20 promptappend="video=aty128fb:1024x768-16@60" […]
Tabelle 1 listet einige typische Konfigurationen auf; wir gehen jeweils von einer Farbtiefe von 16 bpp und einer Bildwiederholungrate von 60 Hz aus.
Kernel-Argumente für Framebuffer und Video Modes
| Framebuffer-Treiber | 800x600 | 1024x768 | 1280x1024 |
| VesaFB (generischer Framebuffer) | vga=0x315 | vga=0x318 | vga=0x31B |
| Riva und GeForce FB | video=rivafb:800x600-16@60 | video=rivafb:1024x768-16@60 | video=rivafb:1280x1024-16@60 |
| Matrox FB | video=matrox:vesa:0x114 | video=matrox:vesa:0x117 | video=matrox:vesa:0x11A |
| Ati Rage128 FB | video=aty128fb:800x600-16@60 | video=aty128fb:1024x768-16@60 | video=aty128fb:1280x1024-16@60 |
| Voodoo 3 FB | video=tdfx:800x600-16@60 | video=tdfx:1024x768-16@60 | video=tdfx:1280x1024-16@60 |
Ist der richtige Framebuffer-Modus in der Datei lilo.conf eingetragen, muss vom Benutzer root noch das Kommando lilo auf der Kommandozeile ausgeführt werden. Ob alles geklappt hat, lässt sich nach einem Reboot mit dem Kommando dmesg feststellen. Bei einer Matrox G450 liefert der Aufruf dmesg | grep fb0 beispielsweise fb0: MATROX VGA frame buffer device.
Sonderfall Matrox
Besitzer einer Matrox-Grafikkarte haben Glück: Der Framebuffer-Treiber für Matrox-Grafikkarten (MatroxFB) funktioniert nicht nur ausgezeichnet und wird deswegen momentan als bester Framebuffer-Treiber betrachtet, er bietet bei Matrox-Karten mit einem zweitem VGA-Ausgang sogar Dual-Head-Unterstützung. Ist der MatroxFB richtig konfiguriert, verfügt jeder der beiden VGA-Ausgänge der Karte über einen eigenen - vom anderen unabhängigen - Framebuffer. Damit ist es möglich, auf dem zweiten Monitor zu arbeiten, während auf dem ersten Monitor eine TV-Anwendung läuft - und das alles ohne XFree86.
Wir beschreiben nun die Konfiguration des MatroxFBs anhand einer Matrox G450DH mit zwei VGA-Ausgängen. Bei der Kernel-Konfiguration müssen im Untermenü "Console drivers/Frame-buffer support" die folgenden Optionen aktiviert werden: "Matrox acceleration (EXPERIMENTAL)", "G100/G200/G400/G450/G550 support" und "G450/G550 second head support (mandatory for G550)".
Die Aktivierung von "Multihead support" ist nicht nötig. Nach Übersetzen und Installieren des neuen Kernels muss in der Datei lilo.conf die richtige append-Zeile für den ersten Monitor eingetragen werden. Die Konfiguration des zweiten Monitors wird weiter unten besprochen. Die passenden Video Modes entnehmen Sie bitte der Tabelle "Kernel-Argumente für Framebuffer und Video Modes".
Ist der neue Kernel installiert, der richtige Video Mode in der Datei lilo.conf eingetragen und der Bootsektor der Festplatte mittels lilo aktualisiert, kann der Rechner neu gestartet werden. Nach dem Reboot verfügt dann jeder der beiden VGA-Ausgänge über einen eigenen Framebuffer, der über die jeweilige Benutzerschnittstelle im /dev-Verzeichnis angesprochen werden kann. Der erste VGA-Ausgang benutzt dabei /dev/fb0, der zweite /dev/fb1.
Man sollte nicht in Panik geraten, wenn der Monitor am zweiten VGA-Anschluss beim Booten schwarz bleibt: Standardmäßig wird der zweite Framebuffer nicht benötigt und infolgedessen auch nicht geladen. Um den zweiten Monitor nutzen zu können, müssen Sie auch hier zuerst die erforderlichen Daten wie Auflösung, Farbtiefe und Bildwiederholrate einstellen. Dies geht mit dem fbset-Programm, welches jeder aktuellen Distribution entweder als RPM- oder Debian-Paket beiliegt.
fbset liest die Video Modes aus der Datei /etc/fb.modes, die im gleichen Paket wie fbset liegt. In ihr sind die wichtigsten Auflösungen bereits eingetragen, so dass es möglich ist, die Video Modes bei fbset ähnlich anzugeben wie die Kernel-Argumente bei Framebuffer-Treibern, die die ModeDB benutzen. Als Beispiel für den zweiten Monitor nehmen wir hier einen Modus, der sich besonders zum Fernsehen und zum Anzeigen von Bildern mit dem Framebuffer eignet: 768x576 Bildpunkte bei 75 Hz. Das Kommando, um den zweiten Monitor in diesen Modus zu versetzen, lautet:
fbset -fb /dev/fb1 768x576-75



