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Lokis letztes Werk im Test: Postal Plus

Unrühmlicher Abgang

Zum 31.01.2002 schloss Loki Software seine Pforten. Der letzte Titel, der vor der Pleite in den Verkauf kam, heißt Postal Plus, und man könnte boshaft deuteln, dass dieses Spiel den Abstieg der von finanziellen Problemen geplagten Firma unterstreicht.

Diesmal lädt der Loki Installer in seiner bekannt unproblematischen Art "nur" knapp 500 MB auf unserer Testfestplatte ab. Die Anforderungen an die Hardware sind gering: Ab 266 MHz und 32 MB Speicher ist man dabei.

Warum das so ist, zeigt sich denn auch gleich nach dem Start: Das Spiel positionert sich mit fest eingestellten 640x480 Bildpunkten auflösungstechnisch in der Konsolenliga - nur leider ohne Kantenglättung. Ein Bildschirm warnt in roter Schrift: "Achtung, dieses Spiel ist nur für Erwachsene. Es enthält Szenen graphischer, sinnloser Gewalt." Diese Ankündigung nimmt man besser ernst, denn was nun kommt, ist eine krude Mischung aus Retro-Klötzchen-Grafik in bester C64-Manier, Doom und …

Ja, was eigentlich? Um dieser Frage näher zu kommen, hier ein kurzer linguistischer Exkurs zur Herkunft des Titels dieses Spiels. "Going postal" ist eine umgangssprachliche Beschreibung aus dem Amerikanischen. Sie meint das bei den Medien stets beliebte Phänomen ganz normaler Menschen, die plötzlich eine Schrotflinte in die Hand nehmen und auf alles schießen, was sich bewegt. Da mit schöner Regelmäßigkeit Mitarbeiter des US Postal Service (Postbeamte) zu solchen Aktionen neigen, kam dieser Ausdruck zustande.

Damit ist das Spiel im Prinzip auch schon beschrieben: Der Spieler findet sich in diversen isometischen Perspektiven oder aus der Draufsicht auf dem Weg durch eine Unzahl von Leveln, die sozusagen aus der psychisch-"postalen" Sichtweise voll mit Leuten sind, die Waffen haben und einem ans Leder wollen. Also nichts wie draufhalten und alles niedermähen, was sich bewegt. Wenn dabei unbewaffnete Zivilisten getroffen werden, hat das selbstredend keinerlei Einfluss auf das Erreichen des "Spielziels".

Abgesehen von einer kurzen Erwähnung des wirklich guten Level-Editors und des Netzwerkmodus (nur P2P, keine Metaserver möglich) ist damit auch schon alles gesagt. Unwillkürlich kam mir beim Testen dieses Spiels die Frage in den Sinn, was man mit der dabei verschwendeten Kreativität so alles Sinnvolles hätte machen können.

Fazit

Grafik und Sound auf C64-Niveau, das vollkommen sinnbefreite Gameplay durchstößt die Geschmacksgrenzen im steilen Sinkflug. Wer soll das kaufen?

Bewertung:

Langzeitspielspaß 30% (bei 3 Promille)
Grafik  20%
Sound 15%
Steuerung 75%
Multiplayer 55%
Originalität 0%
Komplexität 1%
Gesamtwertung 20%

Der Autor

Fionn Behrens ist Student der technischen Informatik. Aber man kann ja nicht immer nur studieren… Im Netz erreichbar ist er als Fionn im IRCnet.

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