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Zeitreise

Emulatoren unter Linux

01.05.2002 Neben Windows- und PC-Emulatoren existieren noch eine ganze Reihe weiterer Linux-Programme dieser Art. Grund genug, sie in einer kleinen Reihe etwas näher vorzustellen. Ganz nebenbei begeben wir uns so auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Computer, Videospiele und Automaten.

Bei der Weiterentwicklung der Computer-Technologien bilden Computerspiele eine treibende Kraft. Sie verlangen ständig nach immer leistungsfähigeren Grafikkarten und Prozessoren. Ganz nebenbei machen sie einen Heidenspaß. Welcher Computer-Besitzer hat noch nicht die Zeit über einem Computer-Spiel vergessen? Dies ist allerdings kein neues Phänomen: Bereits in der Vergangenheit brachten hauptsächlich Spiele den privaten Anwendern das "fremde Wesen" Computer näher. So standen die Elektronikkisten nicht mehr nur in großen Rechenzentren oder Universitäten, sondern eroberten die Wohn- und Kinderzimmer der Privathaushalte. Aus diesen Gründen beschäftigt sich der erste Serienteil mit genau den Geräten, die ausschließlich zum Spielen gedacht waren oder es heute sogar noch sind: Die Rede ist von Automaten und Videospielkonsolen.

Kurioses und Interessantes 

  • Das erste Computerspiel wird Willy Higinbotham und seinem Tennis for 2 (Tennis für zwei) aus dem Jahre 1958 zugeschrieben. Es handelte sich dabei um ein Pong-ähnliches Spiel, das auf einem umfunktionierten Oszilloskop betrieben wurde.
  • Die ersten Automaten verfügten über keinen Prozessor. Laut Nolan Bushnell (Atari) hätte selbst der damals schnellste Prozessor den Anforderungen an die Videospiele nicht stand gehalten.
  • Der Name Atari stammt aus dem Brettspiel GO und bedeutet so viel wie Schachmatt.
  • Das Atari-Symbol soll den Berg Fujiama repräsentieren.
  • Zu einigen Atari-Spielen (Q*Bert, PacMan) erschienen - wenn auch nur mäßig erfolgreiche - Brettspiele.
  • Thomas Gottschalks erste Fernsehsendung "Telespiele" basierte auf Ataris Pong.
  • Die allererste Videospielkonsole mit tauschbaren Spielen war die 1972 von Magnavox hergestellte Odyssey.
  • Coleco (COnneticut LEather COmpany) wurde 1932 gegründet und stellte ursprünglich Lederwaren und Schwimmbecken her.
  • Ein paar technische Daten: Atari 2600: Prozessor: 6507 (1,17 MHz), 128 Byte(!) Hauptspeicher, die Cartridge konnte Spiele mit einer Größe von bis zu 8 KB speichern, Grafikleistung: 320 mal 200 Punkte, bei 256 Farben. ColecoVision: Prozessor: Z80A (3,58 MHz), 8 KB Hauptspeicher, die Cartridge konnte Spiele mit einer Größe von bis zu 32 KB speichern, Grafikleistung: 256 mal 192 Punkte, bei 16 von 32 möglichen Farben. NES: Prozessor: 6502 (1,79 MHz), 2 KB Hauptspeicher, Grafikleistung: 256 mal 240 Punkte bei 16 von 52 Farben.

Unter den Arkaden

Begeben wir uns zurück in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der Computer, wie wir ihn heute kennen, war bereits erfunden, füllte aber in der Regel noch lagerhallenähnliche Räume aus. Zugang zu diesen Maschinen hatten nur wenige Eingeweihte oder Studenten an den Universitäten. Meist mit einem ernsten Hintergrund, entstanden dort auch die ersten Computer-Spiele. Von der Idee getrieben, Videospiele für den Heimbereich zu produzieren, gründete Nolan Bushnell 1972 die Firma Atari. Das erste Spiel, das Atari veröffentlichte, trug den Namen Pong. Es handelte sich um eine Art Tischtennis für zwei Personen. Im Vergleich zu heutigen Spielen wirkt es nicht gerade beeindruckend (vgl. Abbildung 1), hat aber seinen Charme immer noch nicht verloren.

Abbildung 1: Dieser Screenshot stammt aus den noch erhältlichen "Atari Arcade Hits 1" für Windows (einer Sammlung von Emulatoren alter Atari-Automaten) und zeigt das ursprüngliche Pong

Die etwa schrankgroße Konsole wurde testweise in einer kleinen Bar aufgestellt - und wurde prompt zu einem durchschlagenden Erfolg. Dies war der Anstoß für den Bau von weiteren elektronischen Münzautomaten. Neue Firmen wie Sega gesellten sich hinzu, und mit der Zeit entstanden die berühmten Spielhallen. Dies brachte den Spielen auch den Namen Arcade games (Arkadenspiele) ein. Schnell wurden die schwarzen Kisten immer komplexer: Wo Pong noch mit einem schwarz-weißen Bildschirm und zwei Drehreglern (vgl. Abbildung 5) für die Steuerung der Schläger auskam, wurde beim unvergesslichen OutRun gleich das Cockpit eines Rennwagens nachgebaut. Aber auch sich synchron zum Bild bewegende Eins-zu-eins-Nachbauten von Motorrädern oder abenteuerliche, hin- und herschwingende, badewannenähnliche Gebilde (PowerDrift) buhlten um die Gunst der münzeinwerfenden Jugendlichen. Erst der Erfolg der Heim-Computer und schließlich des PCs brachten diesen Markt trotz des Einsatzes von spezieller Hardware zum Einbruch.

Viele der alten Automaten sind mittlerweile zu echten Raritäten geworden. Die meisten fielen dem Zahn der Zeit und - dank der vielen Benutzer - auch dem Verschleiß zum Opfer. Einige kluge Köpfe wollten dies aber nicht hinnehmen und versuchten, die alte Hardware per Software unter Linux nachzubilden. Die so entstandenen Programme verhalten sich genauso, als wären sie der zugrundeliegende Automat: Sie emulieren die jeweilige Hardware (engl. emulate, nachahmen). Aus den vielen kleinen Programmen wuchs schließlich das MAME-Projekt. MAME ist ein Akronym und steht für Multi Arcade Machine Emulator. Wie der Name des Projektes bereits andeutet, haben die Autoren versucht, möglichst viele Automaten unter einem Dach zu vereinen.

Die Spiele, die in den ursprünglichen Automaten in ROM-Bausteinen (Nur-Lese-Speicher) fest eingebaut sind, können mit entsprechendem selbst gebautem Elektronik-Equipment ausgelesen und als Dateien zum Computer übertragen werden. Diese Abbilder der Bausteine werden als ROM Images (ROM-Abbilder) bezeichnet. Durch möglichst perfekte Nachahmung der Automaten-Hardware ist das Emulationsprogramm (kurz: der Emulator) in der Lage, die ROM-Dateien auszuführen. So erlauben die Emulatoren auf einem Linux-PC eine Reanimierung der alten Automaten.

MAME selbst ist kostenlos und unter [1] zu finden. Die Version für Linux trägt den Namen Xmame und steht unter [2] zum Download bereit. Einige Distributoren wie z. B. SuSE (Serie Emu) bringen bereits einige der hier aufgeführten Emulatoren mit; ein Blick auf die verfügbaren Software-Pakete kann also nicht schaden.

Romsch

Bevor Sie Xmame starten können, benötigen Sie noch die ROMs des von Ihnen gewünschten Automatenspiels. Entweder versuchen Sie selbst, mit entsprechenden Lesegeräten die Inhalte der einzelnen Bausteine auf den PC zu übertragen, oder Sie suchen im Internet nach bereits ausgelesenen Spielen. Wie bei allen hier vorgestellten Systemen ist als erste Anlaufstelle die Rubrik The Vault unter [3] zu empfehlen. Bitte beachten Sie, dass alle Spiele immer noch unter dem Copyright der jeweiligen Hersteller stehen. Es ist somit illegal, ein Spiel herunter zu laden, das Sie nicht als Original besitzen (vgl. Kasten "Die Sache mit den ROMs"). Eine Liste mit allen Automaten, die Xmame emulieren kann, finden Sie in der Textdatei gamelist.mame im Unterverzeichnis doc (letzteres liegt unter SuSE Linux im Verzeichnis /usr/share/doc/packages/xmame). Sofern Sie das Spiel aus dem Internet bezogen haben, befinden sich die ausgelesenen ROMs meist als Dateien in einem gepackten Archiv. Handelt es sich dabei um ein Archiv im ZIP-Format, können Sie es direkt in diesem Zustand weiter verwenden. Falls ein anderes Komprimierungsverfahren gewählt wurde, müssen Sie die ROM-Dateien zunächst in ein Verzeichnis entpacken. Xmame bevorzugt als Verzeichnisnamen die in der Datei gamelist.mame in der Spalte Internal Name aufgeführte Bezeichnung. Genauso muss übrigens auch der Dateiname des ZIP-Archivs lauten. Um ein Spiel zu starten, öffnen Sie zunächst ein Terminalfenster. Geben Sie den Befehl

mame -rompath <Verzeichnis zu den ROMs> <Spielname>

ein. Das erste Argument ist das Verzeichnis, in das Sie die ROM-Dateien des Spiels entpackt haben. Der "Spielname" ist der interne Name des Spiels, wie in gamelist.mame definiert (siehe oben). Um etwa das Spiel Donkey Kong zu starten, das in Ihrem Home-Verzeichnis abgelegt ist, geben Sie

xmame -rompath ~ dkong

ein. Nach Betätigen der Eingabetaste öffnet sich ein Fenster, in dem das Spiel startet. Mit der Tabulator-Taste gelangen Sie in ein englischsprachiges Menü: Hier lassen sich zahlreiche Einstellungen (darunter auch die Tastaturbelegung) an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Navigation des Menüs erfolgt mit den Pfeiltasten und [Return]. Um ein neues Spiel zu beginnen, muss zunächst "virtuelles" Geld eingeworfen werden; standardmäßig geschieht dies mit den Tasten 5 bis 8. Anschließend wählen Sie die Anzahl der Spieler mit den Tasten 1 bis 4. Gesteuert wird mit den Pfeiltasten, wobei die linke [Strg]-Taste als Feuerknopf dient.

Eine deutsche Anleitung zu Xmame finden Sie in der Datei liesmich.unix im Unterverzeichnis doc. Neben Xmame existiert mit Replay noch ein weiterer Automaten-Emulator für Linux [4], dessen Auswahl an emulierten Automaten aber deutlich kleiner als bei Xmame ist.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 03/2012

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