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Pro-C-Dur

Volkers Editorial

System-Nachrichten

Der Vollständigkeit halber finden Sie in Tabelle 3 noch die System-Nachrichten aufgelistet, bei denen sich auch wieder ein ganz wichtiger Befehl befindet. Die Namen der Befehle SONG POSITION POINTER, SONG SELECT, START, CONTINUE und STOP sind selbstsprechend. Der MIDI-Standard hat hier die Arbeit mit einem Sequencer direkt mit berücksichtigt. Der Befehl TUNE REQUEST war für das gemeinsame Stimmen mit Analog-Synthesizern gedacht und ist nicht mehr ganz auf der Schwelle der Zeit; er ist nur noch selten zu finden. Interessant ist die System-Nachricht ACTIVE SENSING, welche in einem Abstand von 300 ms immer dann automatisch gesendet wird, wenn sonst keine MIDI-Daten übertragen werden; so weiß jedes angeschlossene Gerät stets, ob die MIDI-Leitung noch steht - wie schnell ist bei aufwendigerem Equipment mal ein Stecker in irgendeiner schlecht zugänglichen Ecke locker. SYSTEM RESET befiehlt allen angeschlossenen Geräten, einen Kaltstart zu simulieren. Außerdem gibt es noch die SYSTEM-EXCLUSIVE-Daten. Sie werden mit dem Status-Byte 11111111 eingeleitet, worauf die gesamten Sound-Daten aus dem Synthesizer ausgelesen oder eingefügt werden können. Hier können auch die Editor-Programmefür Synthesizer aufsetzen. Der wichtigste Befehl ist aber der TIMING-CLOCK-Befehl, der alle sendenden MIDI-Einheiten synchronisert. So werden normalerweise pro definiertem Grundschlag (meist eine Viertelnote) 24 TIMING-CLOCK-Signale gesendet. In einem 4/4-Takt bedeutet dies also, dass der Takt nach 96 TIMING CLOCKs vollendet wird. Das Senden der TIMING-CLOCK-Signale ist - im Gegensatz zum ACTIVE SENDING - zeitabhängig: Wird das Metronom auf 60 Schläge pro Sekunde eingestellt, also eine Viertelnote pro Sekunde, so werden auch 24 TIMING CLOCKs pro Sekunde gesendet. Eine Reihe von Achtelnoten wird entsprechend nach je 12 TIMING CLOCKs gesendet, Sechzehntelnoten nach sechs usw. Für die genaue MIDI-Referenz aller Befehle und ihrer Daten-Bytes sei auf den Standard verwiesen, der sich auch auf der CD befindet (midi.ps.gz).

Tabelle 3: System-Nachrichten

Status-Byte Daten-Byte(s) Bedeutung

Common-Nachrichten

11110001 - nicht defniert
11110010 0lllllll 0hhhhhhh SONG POSITION POINTER
11110011 0sssssss SONG SELECT
11110100 - nicht definiert
11110101 - nicht definiert
11110110 keins TUNE REQUEST

Real-Time-Nachrichten

11111000 keins TIMING CLOCK
11111001 - nicht definiert
11111010 keins START
11111011 keins CONTINUE
11111100 keins STOP
11111101 - nicht definiert
11111110 keins ACTIVE SENSING
11111111 keins SYSTEM RESET

System-Exclusive-Nachrichten

11110000 jede Menge SYSTEM EXCLUSIVE
11110111 keins EOX = END OF SYSTEM EXCLUSIVE

Linux goes MIDI

Der zukunftsweisende MIDI-Standard wurde bereits in zahlreichen Sequencer-Programmen implementiert, aber das vielversprechendste Projekt ist sicherlich die C++-Bibliothek tse3, auf der auch der Linux-Sequencer anthem basiert [4]. Sie weist nicht nur eine sehr saubere Dokumentation für den Programmierer auf, die Bibliothek vereint auch gerade die beiden unterschiedlichen Funktionalitätsebenen, die bei der Arbeit mit Sequencern so wichtig sind, in einer ganzen Reihe von Klassen und APIs. So wird natürlich die Sequencer-Ebene mit entsprechender Funktionalität, aber auch die MIDI-Ebene mit vielen Zugriffsmöglichkeiten unterstützt. Der interessierte Programmierer findet entweder das Paket tse3 schon auf seiner Distribution, sonst sei auf [3] verwiesen - die aktuellen Quellen der Bibliothek (Version 0.1.2) finden sich auf der Heft-CD. Als besonderes Schmankerl bietet tse3 noch ein eigenes MIDI-Dateiformat an: TSE3MDL (für TSE3 Music Description Language). tse3 unterstützt dabei aber auch den normalen MIDI-Datei-Standard voll. Nun hat sich zwar der MIDI durchgesetzt, aber während MIDI-Dateien nur eine gigantische Byte-Wüste darstellen, ist das TSE3MDL-Format klar lesbar und daher auch leicht editierbar. Diesen Vorteil kann man mit dem im tse3-Paket befindlichen Programm tse3play nutzen: Das Programm beherrscht die Umwandlung von MIDI-Dateien in das TSE3MDL-Format, und auf diese Weise kann man wunderbar durch die Information browsen, die in einer Standard-MIDI-Datei steckt, ohne sich jedes Bit und Byte ansehen zu müssen.

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LinuxUser 06/2012

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