Workshop: Videoschnitt mit Broadcast 2000c

Reife Schnittkunst

Wie man unter Linux digitales Videomaterial auf die Festplatte bannt, haben wir im letzten LinuxUser beschrieben. Darauf aufbauend wollen wir nun zeigen, wie die eingelesenen Videos nachbearbeitet werden können. Zum Einsatz kommt dabei das kostenlose Videoschnittprogramm Broadcast 2000c.

Der Urlaubsfilm ist im Kasten und die Verwandtschaft zur Vorführung eingeladen. Um nicht die gefürchtete Langeweile aufkommen zu lassen, sollte das Video zuvor von unliebsamen und monotonen Szenen befreit werden. Da auf heutigen Kameras die Filme in der Regel in digitaler Form gespeichert werden, liegt es nahe, diese auf den Computer zu überspielen und dort nachzubearbeiten. Mit den entsprechenden Videoschnittprogrammen lassen sich die Videos gleichzeitig durch einige gekonnt plazierte Effekte professionell aufwerten.

Unter Linux buhlen gleich zwei Videoschnittsysteme um die Gunst des Anwenders. Eines ist das relativ einfach zu bedienende, kommerzielle MainActor der Firma MainConcept (http://www.mainconcept.de): Es lässt sich im Versandhandel für ca. 100 Euro erwerben. Der Gegenkandidat trägt den Namen Broadcast 2000c und liegt mittlerweile in der dritten Überarbeitung vor (erkennbar am nachgestellten c). Im Gegensatz zu MainActor ist es zwar im Internet frei erhältlich, dafür aber nicht ganz so einfach zu bedienen. Grund genug für einen kleinen Workshop, der Ihnen die ersten Gehversuche in Broadcast 2000 erleichtern soll.

Voraussetzungen

Um Broadcast 2000 einsetzen zu können, benötigen Sie zunächst eine Videoquelle. Diese kann z. B. eine Videokamera oder ein Videorecorder sein. Des Weiteren muss Ihr Computer eine passende Hardware-Schnittstelle aufweisen. Broadcast 2000 kommt sowohl mit TV-Karten für analoge Quellen als auch mit FireWire-Karten für digitale Quellen zurecht. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die entsprechende Hardware von Linux unterstützt wird.

Falls Sie eine analoge Kamera oder einen Videorecorder verwenden möchten, führt der Weg über eine TV-Karte. Wie Sie diese unter Linux in Betrieb nehmen, sollte im Handbuch Ihrer Distribution unter dem Punkt Einrichtung der TV-Karte beschrieben sein. Wer bereits eine digitale Videokamera besitzt, sollte hingegen den Artikel über FireWire im LinuxUser 02/2002 lesen. Im Gegensatz zu MainActor ist Broadcast 2000 übrigens nicht in der Lage, die von dvgrab eingelesenen Videomaterialien zu verarbeiten. Wenn Sie sich für den Einsatz von Broadcast 2000 entscheiden, müssen Sie Ihre Filme zwangsweise über dieses Programm einlesen.

Auf der Software-Seite benötigen Sie XFree86, das nicht in der Version 4.0.0 installiert sein darf. Benutzer von SuSE Linux 7.0 sind z. B. von diesem Problem betroffen; dort hilft nur der Wechsel auf eine andere Version (z. B. auf die ältere Version 3.x). Ansonsten verweigert Broadcast 2000 den Start. Konsultieren Sie hierzu ggf. die Dokumentation Ihrer Distribution. Darüber hinaus muss der Enlightenment Sound-Deamon (bei SuSE im Paket esound) auf Ihrem System eingerichtet sein. Diese Software sollte bei allen gängigen Distributionen nicht nur mitgeliefert, sondern auch standardmäßig installiert werden.

Installation

Sofern Broadcast 2000 Ihrer Distribution beiliegt, können Sie das entsprechende Paketverwaltungs-Tool verwenden. Andernfalls finden Sie auf der Internetseite http://heroinewarrior.com ein fertiges RPM-Archiv. Sie können es über einen beliebigen Paket-Manager wie z. B. KPackage oder GnoRPM einspielen.

Stellen Sie vor dem Programmstart noch sicher, dass sowohl Ihre gewählte Interface-Karte (TV- bzw. FireWire-Karte) als auch Ihre Soundkarte unter Linux funktionieren.

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