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Feuerdraht

Digitaler Videoschnitt unter Linux

01.02.2002 Ein heißer Draht verbindet den Linux-Rechner mit der Peripherie: FireWire heißt die Schnittstelle, die seit Kernel 2.4 zur Verfügung steht.

Neben USB, dem Universal Serial Bus, existiert noch eine weitere serielle Schnittstelle namens FireWire. Diese hat sich gerade in Bereichen mit hohen Geschwindigkeitsanforderungen wie der digitalen Videobearbeitung etabliert. Wir zeigen, welche FireWire-Geräte man unter Linux betreiben kann und welche Software es dafür gibt.

Als die neue Kernel-Version 2.4 veröffentlicht wurde, galt ein besonderes Augenmerk der lang herbeigesehnten Unterstützung für Geräte mit USB-Anschluss. Klammheimlich und fast unbemerkt schaffte aber noch eine zweite Schnittstelle ihren Weg in den Kernel: FireWire - der "heiße Draht". Wie bei USB handelt es sich dabei um einen seriellen Bus, mit dessen Hilfe man verschiedene Hardware-Komponenten mit dem Computer oder miteinander verbinden kann.

Heutzutage wird FireWire hauptsächlich dazu eingesetzt, externe Peripheriegeräte an den PC anzuschließen. Beispiele hierfür sind Festplatten oder digitale Videokameras (DV). Die dabei zum Einsatz kommenden Kabel haben sogar etwas Ähnlichkeit mit ihren entsprechenden USB-Pendants (Abbildung 1).

Abbildung 1: USB- und FireWire-Kabel im Vergleich: Links ein USB-Stecker, rechts sein FireWire-Pendant

Vorreiter Apple

FireWire existiert bereits seit 1987 und wurde ursprünglich von Apple entwickelt. Daher verwundert es kaum, dass diese Firma bereits seit längerer Zeit ihre Macintosh-Computer mit diesen Schnittstellen ausrüstet. 1995 wurde FireWire vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (kurz IEEE) standardisiert und firmiert seitdem unter dem formellen Namen IEEE 1394.

Apple verwendet weiterhin den Begriff FireWire, der sich umgangsprachlich für das System durchgesetzt hat. Sony bevorzugt hingegen den exotischen Namen iLink, und die amerikanische Presse bezeichnet ihn häufig als "High Performance Serial Bus" (HPSB). Gemeint ist jedoch stets dasselbe.

Warum lohnt sich überhaupt der Blick auf FireWire? Schließlich hat man mit USB eine etablierte Lösung, um dem Kabelsalat unter dem Schreibtisch Herr zu werden. Wie der Name bereits andeutet, ist FireWire für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt: So können über die Kabel bis zu 400 MBit pro Sekunde übertragen werden, was rund 50 MB pro Sekunde entspricht. Im Vergleich dazu bringt es USB nur auf maximal 12 MBit pro Sekunde, also nur rund 1,5 MB pro Sekunde. Ein externer CD-Brenner mit USB-Anschluss kann daher nur mit maximal vierfacher Geschwindigkeit seine Arbeit verrichten - mehr verkraftet USB nicht. CD-Brenner sind also ideale Kandidaten für eine schnelle Schnittstelle, genau wie Festplatten, Drucker, Scanner oder digitale Videokameras.

Letztere zeichnen Daten mit 3,5 MB/s auf und geben sie auch in dieser Geschwindigkeit wieder aus. Daher verwundert es kaum, dass FireWire sich im Video-Bereich als Standard etabliert hat: Man findet kaum moderne Videokameras, die nicht mit einem solchen Anschluss ausgestattet sind.

Wer seinen selbstgedrehten Urlaubsvideos am PC den letzten Schliff verpassen möchte, kommt um eine entsprechende Anschlussmöglichkeit nicht mehr herum. Dank der fleißigen Arbeit des Linux1394-Projektes [1] können Sie FireWire-Geräte auch unter Linux ansprechen. Eine Warnung gleich vorweg: Die Treiber befinden sich in der Entwicklung. Wer unter Linux in die FireWire-Welt vorstoßen möchte, sollte sich daher auf einige frustrierende Momente einstellen.

Wie beim USB-Standard können alle FireWire-Geräte im laufenden Betrieb an- und abgestöpselt werden. Leider haben einige Linux-Programme hiermit Probleme und können im schlimmsten Fall das gesamte System lahm legen. Mit der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung räumen wir ein paar Steine aus dem Weg.

Hardware-Voraussetzungen

Um ein FireWire-Gerät unter Linux zu betreiben, benötigt Ihr Computer als erstes eine FireWire-Schnittstelle. Diese kann in Form einer Zusatzkarte leicht nachgerüstet werden. Erhältlich sind diese Karten ab rund 50 Euro in jeder gut sortierten Computer-Abteilung.

Linux unterstützt Karten, auf denen Computer-Chips von Texas Instruments mit dem Namen PCILynx oder PCILynx2 werkeln, sowie Chips, die OHCI-konform sind. Insbesondere das letzte Kriterium sollten die meisten auf dem Markt erhältlichen Karten erfüllen.

Von Linux (noch) nicht unterstützt werden spezielle Sony Chips, wie sie in einigen Vaio-Systemen zum Einsatz kommen, und Karten mit Adaptecs AIC-5800. Ausnahmen bilden einige Sony-VAIO-Systeme, die den OHCI-kompatiblen CXD3222-Chipsatz verwenden. Analog hierzu existieren Texas-Instruments-Karten, die OHCI-kompatibel sind.

Stehen Sie vor dem Kauf einer solchen Zusatzkarte, sollten Sie darauf achten, dass auf der Verpackung OHCI-kompatible Karte oder OHCI compliant aufgedruckt ist: Mit einer solchen Karte kommt Linux am Besten zurecht.

Linux-seitig benötigen Sie Kernel 2.4, den alle halbwegs aktuellen Distributionen verwenden. Welche Kernel-Version bei Ihnen zum Einsatz kommt, können Sie in der Regel der Anleitung entnehmen oder unter KDE im Startbildschirm des Kontrollzentrums in Erfahrung bringen (Version des Systems). Außerdem lässt sich die Kernel-Version durch Eingabe von uname -r auf der Kommandozeile ermitteln.

Falls Sie einen Kernel in den Versionen 2.4.0-2.4.2, 2.4.7-2.4.11 oder 2.4.15 einsetzen und FireWire-Geräte unter Linux betreiben wollen, sollten Sie auf einen aktuelleren Kernel umsteigen - in den genannten Versionen arbeiten die FireWire-Treiber nicht korrekt. Dies gilt insbesondere für das verbreitete SuSE Linux 7.3, das die Kernel-Version 2.4.10 nutzt. Aktuelle Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auch unter [1].

Wenn Sie nicht selbst einen Kernel übersetzen möchten, können Sie sich beim Hersteller Ihrer Distribution um einen aktuellen Kernel bemühen oder auf eine neuere Version Ihrer Distribution umsteigen. Gleiches gilt, wenn Ihre Hardware nicht auf Anhieb funktionieren sollte oder die in diesem Artikel genannten Schritte bei Ihnen nicht nachvollzogen werden können.

Der FireWire-Support befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium - in den meisten Fällen genügt ein Treiber-Update oder der Umstieg auf eine aktuellere Version des eingesetzten Programms oder einer Bibliothek, um Probleme zu beheben.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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