Seit der Release von StarOffice 5.2 ist mittlerweile über ein Jahr vergangen. Auch die wenigen kommerziellen Konkurrenten, die es unter Linux im Office-Bereich gibt, haben schon lange keine wirklichen Neuerungen mehr vorgelegt. Höchste Zeit also für neue Konkurrenz, denn die soll ja angeblich das Geschäft beleben. Zu den vielversprechendsten Ansätzen eigenständiger Office-Suites gehört derjenige der südkoreanische Firma HancomLinux: HancomOffice 2.0, der jüngste Sproß der Südkoreaner, ist eine schlanke, aber äußerst funktionsstarke Office-Suite, die dem (semi-) professionellen Desktop-Anwender in praktisch allen Alltagssituationen unter die Arme greift.
Kurz vor Redaktionsschluss stand bereits fest, dass HancomOffice 2.0 in zwei verschiedenen Versionen erhältlich sein wird. Die Standard-Edition umfasst eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Präsentations-Tool und ein Bildbearbeitungsprogramm. Bei der Professional-Variante erhält man darüber hinaus auch noch ein Datenbank-Tool, ein Flow-Chart-Programm, einen HTML-Editor sowie einen Personal Information Manager (PIM). Wieviel die beiden Varianten kosten werden, stand zum Redaktionsschluss leider noch nicht fest. Auch war noch unklar, inwieweit man in Version 2.0 bereits mit der Unterstützung deutscher (Sprach-) Besonderheiten rechnen kann. Dennoch, auf alle Fälle einen näheren Blick wert: http://www.hancom.com/en/
Wirklich gute Video- bzw. DVD-Player sind unter Linux bislang noch eher rar. Das liegt zwar auch, aber nicht einzig und allein an lizenzrechtlichen Problemen, die die überwiegend proprietären Codecs für Open-Source-Entwickler mitbringen. Ein Entwickler-Team, das sich aus überwiegend osteuropäischen Entwicklern zusammensetzt, hat sich daran gemacht, das Bestmögliche aus der prekären Situation zu machen. Das Resultat ist MPlayer,ein Programm, das in der Lage ist, fast alle AVI- (DivX), MPEG- und und ASF-Videodateien in einer ordentlichen Qualität abzuspielen. Die aktuelle Version 0.5 bringt erstmals ein grafisches Frontend mit, das sich mittels Skins sogar optisch an eigene Präferenzen anpassen lässt. Einziger Haken für Normal-Anwender: MPlayer gibt es bisher nur als Tarball und lässt sich auf Red-Hat-Systemen, die mit Version 2.96 des gcc-Compilers arbeiten, nicht kompilieren. Echte DVD-Kino-Freaks werden aber das Compiler-Up- bzw. Downgrade nicht scheuen.
Die US-amerikanische Software-Schmiede für Entwickler-Werkzeuge TheKompany.com verfolgt die Strategie, unter der GPL-Lizenz verbreitete Eigenprodukte mit kommerziellen, aber deswegen nicht notwendigerweise proprietären Add-Ons zu ergänzen. Die kommerzielle Entwicklungsumgebung KDE Studio Gold ist der kommerzielle, große Bruder der freien IDE KDE Studio. Zum Redaktionsschluss war bereits eine Demo-Version von Version 3 verfügbar. Die endgültige Version wird es in zwei Varianten geben: Standard (ab 24,95 US$) und Professional (ab 49,95 US$).Darüber hinaus bietet TheKompany aber auch unter dem Namen Kivio mp eine kommerzielle Erweiterung für das gleichnamige GPL-Flowchart-Programm Kivio an, welches seit Version 1.1 offizieller Bestandteil von KOffice ist. Kivio mp (ab 89,95 US$) enthält unter anderem 30 Schablonen-Typen, die man für die visuelle Darstellung elektronischer Baupläne, komplexer chemischer Formeln oder für das Mind Mapping einsetzen kann. Das ebenfalls integrierte Schablonen-Erzeugungs-Werkzeug Stencil Builder ist bei Bedarf auch separat für 49,95 US$ erhältlich.
Die Programmiersprache Delphi eignet sich nicht nur für die Entwicklung von Standalone-Programmen, sondern durchaus auch für Web-basierte E-Business-Anwendungen auf XML-Basis. Entsprechend hat Borland in Kylix 2 alles Notwendige integriert, um die Entwicklung und den Betrieb solcher Apache-Web-Anwendungen unter Linux zu vereinfachen. Im einzelnen handelt es sich dabei um BizSnap (XML/SOAP Web-Services), WebSnap (Application-Server-Aufsatz für Apache) und DataSnap (Datenbankanbindung). Mittels Borlands Visibroker für Kylix lassen sich dann GUI-Clients bzw. Web-Server-Applikationen auf der Basis von CORBA und EJB erstellen. Kylix 2 ist wie die Vorgängerversion in den drei Versionen Kylix 2 Enterprise (1999 US Dollar), Kylix Professional (249 US Dollar) und Kylix 2 Open-Edition (kostenlos herunterladbar) erhältlich. Für Besitzer von Kylix 1 gibt es eine verbilligte Upgrade-Möglichkeit.
Für hartgesottene First-Person-Shooter-Liebhaber hält der Spiele-Portierer Loki ein Schmankerl bereit: Die Windows-Version des aktuellsten Loki-Ports Postal Plus wurde - vermutlich nicht völlig unbegründet - in zahlreichen Ländern auf den Spiele-Index gesetzt und öffentlich verurteilt. Als eine Art Geisteskranker läuft man - meist in isometrischer Perspektive - durch insgesamt 20 Levels. Ziel des Spiels - wer hätte es anders gedacht, ist es, möglichst viele menschenähnliche Figuren um die Ecke zu bringen. Wie gesagt: eine blutige Angelegenheit, und vermutlich nicht für jedermann ein Vergnügen. Übrigens: Wer sich in den letzten Monaten die Vollversion des Strategiespiels "Kohan: Immortal Sovereigns" gekauft hat, kann seit Ende Oktober bei Lokisoft ein Update-Patch (Version 1.2.0) herunterladen.
Der Oktober scheint ein strategisch wichtiger Monat für die Veröffentlichung von (intel-basierten) Betriebssystemen zu sein. Nicht nur, dass heuer die Konkurrenz aus Redmond ihr neues Windows XP (ob "eXPerience" oder "eXtra Proprietary" (Tiemann, Red Hat) wird sich noch herausstellen) mit aufwendigen Werbemaßnahmen auf den Betriebssystem-Markt wirft - auch die wichtigsten Linux-Distributoren scheinen sich vom bald einsetzenden Weihnachtsgeschäft einen erhöhten Absatz zu erhoffen.
Vorreiter - wie so oft - ist der deutsche Marktführer SuSE, dessen aktuelle Distribution SuSE 7.3 sich neuerdings "für die ganze Familie" empfiehlt. Neben aktualisierten Basiskomponenten (Kernel 2.4.10, XFree86 4.1.0, KDE 2.2.1) lockt die neue Version vor allem mit Detail-Verbesserungen bei der Konfiguration spezieller Hardware-Komponenten (Scanner, TV-Karten, IDE-Brenner und 3D-beschleunigte Grafik). Wie üblich gibt es SuSE 7.3 in einer Personal- (3 CDs) und einer Professional-Variante (7 CDs + 1 DVD). Das Unternehmen hat anscheinend die anstehende Euro-Umstellung dazu genutzt, bei beiden Varianten die Preise anzuheben (Personal: 49,90 EUR, Professional: 78,90 EUR ). Für alle Fragen, die außerhalb des Installations-Supports liegen, bietet SuSE übrigens seit kurzem einen Telefon-Support (3,63 DM pro Gesprächsminute) an.
Die Release von Mandrake 8.1 haben wir Ihnen ja bereits in der letzten Ausgabe angekündigt. Neben der PowerPack Edition (7 CDs für 66 EUR) und der ProSuite Edition (9 CDs + 1 DVD für ca. 166 EUR) ist diesmal auch eine Bundle-Variante (4 CDs für ca. 66 EUR) erhältlich, in der das Windows-Spiel The Sims beiliegt, das mit Hilfe einer neuartigen Portability-Technologie der Firma Transgaming als Windows-Binary direkt unter Linux ausführbar sein soll. Wer im Firmenumfeld die ProSuite-Edition einsetzt und dafür eine verlängerte Support-Leistung benötigt,sollte sich mal die ProSuite Gold Edition (wie ProSuite + 1 Jahr erweiterter Server-Support) näher ansehen.
Auch die Firma Red Hat, die als internationaler Marktführer im Bereich Linux-Distributionen gehandelt wird, hat im vergangenen Monat einen erneuten Versionssprung vollzogen. Red Hat 7.2 gibt es in einer normalen Workstation- (7 CDs für 67 EUR) und einer erweiterten Professional-Server-Variante (10 CDs + 1 DVD für 264 EUR). Neben zahlreichen Aktualisierungen an der System-Basis (Kernel 2.4.7, XFree86 4.1.0, GNOME 1.4 mit Nautilus) wird in Red Hat 7.2 unter anderem das Red-Hat-eigene Journaling-Dateisystem ext3 eingeführt.Zu guter Letzt auch noch zwei Neuigkeiten aus dem Debian-Umfeld: Die Weiterentwicklung der kommerziellen Debian-Aufsetzer-Distribution Progeny wurde vor kurzem mangels ausreichender Nachfrage eingestellt. Für alle diejenigen, die das offizielle Erscheinen der neuen "stabilen" Debian 3.0 (Woody) nicht mehr länger abwarten möchten, dürfte zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser LinuxUser-Ausgabe ein CD-ROM-Paket der bereits ziemlich stabilen Pre-Version von Woody erhältlich sein.
Mehr zu SuSE, Mandrake und Red Hat können Sie auch unseren Kurztests ab Seite 50 entnehmen; einen ausführlichen Distributions-Vergleichstest bringt LinuxUser 01/2002.
Die in der BeOS-Welt bekannt gewordene Software-Schmiede Gobe Software will ihre Office-Suite gobeProductive voraussichtlich im Frühjahr 2002 auch in einer Linux-Version anbieten. GobeProductive richtet sich bewusst an Heimanwender, die ohne längere Einarbeitungszeit Texte schreiben, Tabellen, HTML-Seiten und Präsentationen erstellen und Bilder bearbeiten wollen. Nähere Infos unter http://www.gobe.com.
Die 1999 vom AOL/Timewarner-Konzern aufgekaufte Firma Nullsoft hat überraschenderweise eine erste Linux-Alpha für den bald erscheinenden MP3-Player Winamp 3.0 veröffentlicht. Obwohl die Preview bislang noch äußerst instabil ist, könnte dem freien XMMS-Projekt dadurch auf längere Sicht ein kommerzielles Konkurrenzprodukt erwachsen.
Die "verbesserte" Version des textbasierten VI-Editors VIM hat Version 6.0 erreicht.Zu den wichtigsten Neuerungen gegenüber der Vorgängerversion zählen erweiterte Fensterfunktionen (z. B. vertical split, vimdiff), ein Plugin-Mechanismus für die Einbindung von benutzerdefinierten Skripten sowie die Unterstützung des Unicode-Zeichensatzes.
Zum Schluss noch einige Kurzmeldungen für (potentielle) Entwickler. Die norwegische Firma Trolltech hat Version 3.0 ihres KDE-Toolkits Qt freigegeben. Außerdem ist Mesa 4.0 erschienen, in der erstmals die OpenGL-1.3-Spezifikation implementiert wurde. Ambitionierte Entwickler von 3D-Spielen sollten sich darüber hinaus die komplett überarbeitete Version 0.9.0 der 3D-Engine Crystal Space etwas näher anschauen.