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Linux à la carte

Kurztest: Mandrake Linux 8.1

01.12.2001 Auf der Höhe der Zeit ist MandrakeSofts aktuelle Distribution. Mit Kernel 2.4.8, XFree 4.1.0, KDE 2.2.1, KOffice 1.1 und etlichen aktualisierten Paketen tritt Mandrake Linux in den Ring.

Installation

Für unseren Test haben wir die ersten beiden der drei frei verfügbaren ISO-Images von einem Mirror des Mandrake-FTP-Servers gezogen. Beim Einlegen der CDs fragt das Installationsprogramm vor der Paketauswahl, ob die zweite und dritte CD auch zur Verfügung stehen. Wer hier CDs auswählt, die er gar nicht hat, verursacht keinen Schaden, denn bei späteren Aufforderungen zum Einlegen weiterer CDs kann dieser Schritt auch übergangen werden.

Basierend auf den als vorhanden angegebenen CDs erlaubt Mandrake die Auswahl der Pakete; zunächst grob nach Aufgaben vorsortiert, auf Wunsch auch im Detail. Die Gruppen sind übersichtlich, so dass sich sehr fein die ganze Palette zwischen Grafik-/Office-Workstation und Server konfigurieren lässt.

Die Netzwerkkonfiguration erfolgt während der Installation. Hier kann eine Internetverbindung über Modem, ISDN und DSL bzw. die Anbindung an ein lokales Netzwerk eingestellt werden.

Auch ein Drucker wird bei der Erstinstallation eingerichtet. Mandrake 8.1 bietet verschiedene Drucker-Daemonen an, unter anderem CUPS und ein simples, nicht netzwerkfähiges System. Stellt die Netzwerkumgebung SMB- oder Unix-Drucker zur Verfügung, so werden diese angezeigt und können automatisch ausgewählt werden.

Wird der PC nur von einem einzigen Anwender verwendet und steht zudem an einem sicheren Ort, ist die Option des automatischen Einloggens eines Standard-Benutzers hilfreich: Nach jedem Boot-Vorgang erscheint dann kein Login-Screen mehr, sondern es erscheint sofort der KDE- oder GNOME-Desktop mit den Rechten des ausgewählten Benutzers. Hier kommt Mandrake Linux Windows-Umsteigern entgegen, die eine Anmeldeprozedur nicht gewohnt sind.

Gut gelungen ist die Aktivierung der verschiedenen Daemons: Zu jedem installierten Daemon gibt es eine kurze Erklärung, welche Aufgaben von diesem Dienst übernommen werden.

First Time Assistent

Beim ersten Einloggen unter KDE erscheint der "First Time Assistent", der die Oberfläche einrichtet: Sehr schön ist die Auswahl zwischen KDE und GNOME gelöst, ein abgeblendetes Hintergrundbild zeigt die typischen Elemente der Oberflächen. Dazu lässt sich noch bei beiden Desktop-Umgebungen aus je vier verschiedenen Themes wählen. Wir haben uns für KDE/Standard entschieden.

Danach werden einige persönliche Daten gesammelt; die Felder können aber auch leer bleiben. Aus der Beschreibung wird nicht deutlich, ob die Software versuchen wird, eine Online-Registrierung durchzuführen, obwohl Informationen über Grundlagen zur Datenspeicherung (nach französischem Recht) gegeben werden. Im folgenden Dialog kann wahlweise KMail oder Netscape als Mail Client eingerichtet werden. Unverständlicherweise wird danach erneut die Netzwerkkonfiguration aufgerufen. Wenigstens sind dabei die während der Installation eingebenen Werte noch erhalten. Da zum Testzeitpunkt keine Verbindung ins Internet aufgebaut werden konnte, wurde dieser Schritt immer wieder durchlaufen. So versucht die Software offensichtlich, einen Server im Internet anzusprechen. Nach einem Abbruch der Routine startete aber erfolgreich die ausgewählte Oberfläche.

Mandrake-Tools

Mandrake bietet mit HardDrake (Abbildung 1) ein eigenes Tool für die Konfiguration von Hardware: Es lässt sich über den Menüpunkt Einstellungen/Hardware/HardDrake starten und sucht dann nach bekannten Geräten. Die dann angezeigte Übersicht erinnert an die Windows-Systemsteuerung. Für einige Geräteklassen erlaubt HardDrake den Start eines Konfigurations-Tools; im wesentlichen kann hier komfortabel das zu ladende Kernel-Modul ausgewählt werden.

Abbildung 1

Abbildung 1: HardDrake

Über HardDrakes Menüpunkt Werkzeuge gibt es schnellen Zugriff auf weitere Konfigurations-Programme; darunter DiskDrake für die Partitionierung von Platten und den Zugriff auf NFS- und SAMBE-Volumes; PrinterDrake für die Druckereinrichtung, MouseDrake und DrakNet, mit dem (wie bereits bei der Installation) die Internet-Verbindung über Modem, ISDN, DSL, Kabel oder Netzwerk eingestellt wird.

HardDrake ist auch über das zentrale Mandrake-Kontrollzentrum (Einstellungen/Sonstiges/Mandrake Kontrollzentrum) erreichbar, das alle Mandrake-Tools vereint.

Updates leicht gemacht?

Wer immer auf dem neuesten Stand bleiben möchte, wird sich über das Tool rpmdrake freuen: Dieses kann nicht nur Archive von CD installieren oder bereits vorhandene entfernen, es berechnet auch Abhängigkeiten und kann von einem Mandrake-Mirror eine aktuelle Liste verfügbarer Updates ziehen.

Die Updates sind dabei in die Gruppen eingeteilt: "Fehlerkorrekturen", "Normale Aktualisierungen" und "Sicherheitsaktualisierungen". Speziell die letzte Kategorie ist nützlich. Im Test scheiterte die Installation allerdings beim Download der Pakete. Obwohl der Proxy korrekt eingestellt war (und das Tool die Dateiliste auch problemlos vom Server holen konnte), funktionierte der Zugriff auf das Paket-Archiv nicht. Auch ein direkter Internetzugang sowie die Auswahl eines anderen FTP-Servers konnten das Problem nicht beheben.

Abbildung 2: RPMdrake informiert nicht nur über installierte und auf den CDs verfügbare Pakete, sondern bietet auch einen Web-gestützten Update-Service

Immerhin wird hier, sofern rpmdrake aus einer Konsole heraus aufgerufen wird, die korrekte URL des Pakets angezeigt, so dass es sich leicht mit zwei Befehlen der Form

wget …./paket.rpm
 rpm -U paket.rpm

installieren lässt. Neben rpmdrake steht auch das KDE-Tool kpackage zur Verfügung: Auch hier waren erste Versuche enttäuschend, da jeder Versuch, neue Pakete zu installieren, mit einem Segmentation Fault quittiert wurde.

Abbildung 3

Abbildung 3: KDE-2.2.1-Desktop bei Mandrake 8.1

Nur ein erster Blick

Dieser Artikel hat nur einen ersten Einblick in die neue Mandrake Release gegeben. Sieht man von einigen Fehlfunktionen ab, die auf unserem Testrechner auftraten, macht die Distrubution einen runden Eindruck. Einen ausführlichen Testbericht werden Sie in unserem Distributions-Vergleich im LinuxUser 01/2002 finden; im Gegensatz zu diesem Kurztest betrachten wir dann die kommerziell erhältliche "boxed version".

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