Gimpressionen

Bildbearbeitung mit Gimp, Teil 5

01.08.2001
Wenden wir uns heute den etwas bunteren Seiten von Gimp zu. Vidar Madsen hat mit Gimpressionist ein Plugin geschaffen, das es verdient, von vielen Seiten beleuchtet zu werden. Nach dem Bumpmap-Exzess von letztem Mal, werde ich diesmal etwas weniger intensiv auf das Plugin eingehen. Dafür kommen heute bewegende Antworten auf Leseranfragen.

Eine der "klassischen" Anwendungen von Bildbearbeitungen ist es, Fotos nachträglich einen handgemalten Touch zu verpassen. Jedes Programm hat mindestens eine Funktion, um aus Fotos Ölgemälde oder ähnliches zu machen. Gimp bildet da keine Ausnahme - das entsprechende Plugin finden Sie unter <Bild>/Filter/Künstlerisch/Ölgemälde.

Nun wundern Sie sich vielleicht, warum ich mich nicht so sonderlich begeistert anhöre. Das hat einen einfachen Grund: Das ist schlicht langweilig. Super, ich kann aus meinem Bild ein Ölgemälde machen - aber das kann ja nun auch jeder andere mit jedem anderen Programm. Dazu kommt noch, dass die Ergebnisse von Gimps Filter nicht sonderlich toll sind und ich nur wenig Einfluss auf das Ergebnis habe. Der wahre Grund für meine Langeweile ist aber, dass es etwas wesentlich aufregenderes gibt.

Vorhang auf für Gimpressionist

Vidar Madsen hat mit Gimpressionist ein Plugin geschrieben, das sehr flexibel eingesetzt werden kann, um Bilder in Kunstwerke umzuwandeln. Die zugrundeliegende Idee ist einfach: Das Bild wird neu aus kleinen Pinselbildern zusammengesetzt, die sich an das Bild anpassen können.

Gimpressionist ist eines der Plugins, die so viele Parameter haben, dass es nötig ist, besonders wirkungsvolle Kombinationen abspeichern und später wieder laden zu können. Starten Sie <Bild>/Filter/Künstlerisch/GIMPressionist; diese Voreinstellungen begrüßen Sie als erstes (Abbildung 1). Um sie zu nutzen, klicken Sie auf den Namen der Kombination - zum Beispiel Dotify und dann auf Anwenden. Nun werden die Voreinstellungen auf die einzelnen Karteikarten verteilt.

Abbildung 1: Gimpressionist - der erste Start

Da Gimpressionist nicht sonderlich schnell arbeitet, muss man eine Vorschau explizit anfordern, indem man auf Neu Zeichnen klickt. In dem kleinen Feld kann man den Effekt grob beurteilen. Mit einem Klick auf OK wird das Bild dann bearbeitet.

Die Voreinstellung Dotify bewirkt, dass das Bild wie ein Konfettimosaik aussieht (Abbildung 2). Um zu zeigen, welche Ideen hinter Gimpressionist stecken, werden wir den Effekt nun Schritt für Schritt in eine Art Kreidezeichnung auf einer Wand umwandeln.

Abbildung 2: Der Tiger aus Konfetti

Die Wand ist eine Art Struktur, die dem ganzen Bild aufgeprägt werden soll. Die entsprechende Einstellung finden Sie auf der Karteikarte Papier. Wählen Sie hier das "Papier" bricks2.pgm aus. Um den Effekt sehen zu können (bei dem Konfetti war er unerwünscht), ziehen Sie den Schieberegler Relief auf etwa 70 hoch. Die Mauerstruktur wird nach einem Klick auf Neu zeichnen sichtbar.

Auf dem Karteireiter Pinsel sehen Sie nun, wo das runde Grundmuster für das Konfetti herkam. Wir wollen lieber Kreidestriche haben, also wählen Sie den Pinsel chalk01.pgm. Wenn Sie nun die Vorschau neu zeichnen lassen, ist das Vorschaubild bis auf die Mauerstruktur schwarz. Der Pinsel wird etwas zu klein gezeichnet. Wechseln sie daher auf die Karteikarte Größe und stellen Sie die minimale und maximale Größe auf z. B. 30. In der Vorschau wird das Bild wieder sichtbar. Unschön ist natürlich, dass sich die Striche alle in dieselbe Richtung bewegen.

Um das auszugleichen, wechseln Sie auf die Karteikarte Orientierung und wählen bei Winkelgröße 360 Grad und bei Richtungen etwa 10. Jetzt darf Gimpressionist den Pinsel von dem Startwinkel in 10 Schritten um 360 Grad drehen und dem Bild anpassen. Dieses Anpassen kann nach verschiedenen Kriterien funktionieren, eine schöne Möglichkeit ist, es den groben Konturen im Bild anzupassen (Anpassend). Natürlich kann Gimpressionist die Pinselstriche umso genauer anpassen, je mehr Richtungen zur Verfügung stehen.

Nun sind Ihnen vielleicht größere schwarze Flecken aufgefallen, das liegt an der Plazierungsstrategie "Zufällig". Bei "Gleichmäßig verteilt" sind die schwarzen Flecken deutlich seltener.

Auch die Größe kann dem Bild angepasst werden. Wenn Sie auf der Größe-Karteikarte die Minimale Größe auf 15 und die Maximale Größe auf 30 stellen und (analog zu den Richtungen) die Anzahl der Größen auf 10 stellen, hat Gimpressionist verschiedene Pinselgrößen zur Verfügung. Auch hier kann wieder eine Auswahlstrategie festgelegt werden. Anpassend orientiert sich an den Strukturen im Bild.

Beachten Sie, dass bei vielen Richtungen und vielen Größen der Rechenaufwand ziemlich steigt und das Ergebnis ziemlich lange auf sich warten lassen kann. Sie sollten es vermeiden, bei den Größen die Maximaleinstellung 30 mit der Anpassend-Strategie zu kombinieren.

Jetzt haben wir einen Tiger, der mit Kreide auf die Wand gemalt wurde (Abbildung 3). Um ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen, sollten Sie die verschiedenen Voreinstellungen ausprobieren und dann nachsehen, welche Einstellungen gemacht wurden, um diesen Effekt zu erreichen. Mit etwas Kreativität kann man ein Bild nicht nur in Ölgemälde, sondern auch in andere - lustigere - Dinge verwandeln.

Abbildung 3: Ich sehe Tiger an de-heer Wand.

Animation

Ich hatte in Teil 3 meines Workshops dazu aufgerufen, mir Themenvorschläge für eine Fortführung der Serie zuzusenden (ich bin immer noch für Ideen offen: mailto:sbudig@linux-user.de). Am häufigsten wurde danach gefragt, wie man denn GIF-Animationen mit Gimp erstellen könne - oder etwas genereller - wie Gimp mit Filmen umgehen kann.

Um letzteres zuerst zu beantworten: Gimp ist nicht das richtige Werkzeug, um Filme von mehreren Minuten Länge zu bearbeiten. Man kann zwar über die Plugins unter <Bild>/Video/Video in Frames aufteilen Filme einlesen, sie werden dann aber als Einzelbilder unkomprimiert auf der Festplatte abgelegt - wer den Platz nicht gerade Terabyteweise frei hat, ist recht schnell am Ende.

Spätestens, wenn man etwas kompliziertere Animationen machen möchte, merkt man, dass Gimp nicht das optimale Werkzeug ist. Die Methode, Einzelbilder als Ebenen darzustellen, ist ein schneller Hack, um GIF-Animationen zu ermöglichen, ohne die internen Datenstrukturen zu vergewaltigen. Insbesondere steht einem für Animationen jetzt nicht mehr die Möglichkeit der Arbeit mit Ebenen zur Verfügung. Gerade bei Animationen, wo Objekte hin- und herbewegt werden und sich dabei eventuell überlappen, wäre das aber sehr nützlich. Hier greifen die Plugins aus dem Bereich <Bild>/Video/..., ich muss aber eine genauere Beschreibung leider schuldig bleiben, da ich mich selber noch nicht intensiv genug mit diesen Plugins auseinandergesetzt habe. Doch auch mit den klassischen Methoden kann man schon effektvolle GIF-Animationen machen.

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