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Breites Band durch die Alpenrepublik

ADSL in Österreich

ADSL-Evolution made in Austria

Mit der Einführung von ADSL Ende 1999 durch die Telekom Austria, die die ADSL-Hardware liefert und installiert, bot als Erster der Provider AON seinen Kunden diese Technologie an. Andere Provider folgten erst ein halbes Jahr später (siehe Kasten "Telekom, AON und der Rest"). Für ca. ATS 500,-- (etwa 70 DM) erhält man 512 kBit/64 kBit und ein GByte Übertragungsvolumen pro Monat, Die Installation des Splitters und des ANT schlägt nochmals einmalig mit ATS 1800,-- (etwa 250 DM) zu Buche. Der ANT ist übrigens eine Art "Leihgabe", der nach Ende der Nutzung wieder zurückgegeben werden muss.

Ein Providerwechsel ist für eine Bearbeitungsgebühr von ca. ATS 500,-- (etwa 70 DM) möglich, der ANT und der Splitter bleiben dabei erhalten, eine erneute Zahlung der Installationsgebühr ist nicht nötig. Die Ummeldung erledigt der neue Provider automatisch und meist recht problemlos.

Beim Vergleichen mit anderen Zugangstechnologien wie zum Beispiel Telekabel sollte man beachten, dass für ADSL ein Telefonanschluss nötig ist und dadurch noch eine Telefongrundgebühr anfällt, die in obigen Preisangaben nicht enthalten ist. Auch darf das eine GByte Transferlimit pro Monat nicht außer Acht gelassen werden; bei darüber hinaus gehenden Übertragungsvolumina ist mit deutlich höheren Kosten zu rechnen (bis zu ATS 2,-- pro MB, je nach Provider).

Anfänglich waren Preis, Leistung und Qualität der verschiedenen Provider durchaus unterschiedlich, mittlerweile haben sich die meisten Standardangebote bezüglich Preis und Leistung auf fast identische Werte eingestellt. Für den Endbenutzer ist diese neue Einheitlichkeit leider sehr nachteilig. Eventuell bringt die Einführung von SDSL ("Symmetric Digital Subscriber Line") ein bisschen frischen Wind in die erstarrte Lage, siehe dazu auch [7]. Eine sehr praktische ADSL-Providerübersicht finden Sie unter [4].

ADSL und der Pinguin

Auch wenn es etwa ein Jahr lang von AON bzw. der Telekom andere Auskünfte gegeben hat, war und ist ADSL unter Linux von Anfang an möglich und auch nicht wirklich schwierig einzurichten. Sollten Sie zu den Glücklichen zählen, die bei der Hotline tatsächlich Gehör finden, lassen Sie sich keinesfalls entmutigen! ADSL und Linux funktioniert, und das stabiler als mit den bekannten Betriebssystemen mit einem W am Anfang.

An Hardware benötigen Sie zumindest eine 10-MBit-Ethernetkarte. Jede 08/15-Karte funktioniert problemlos, solange man sie von Linux aus ansprechen kann. Neuerdings existiert aber auch eine Version des ANT mit USB-Schnittstelle, hier kann man sich die Netzwerkkarte grundsätzlich sparen, bezahlt diesen Vorteil allerdings damit, den Linux-Kernel patchen zu müssen. Leider wird es auch in absehbarer Zeit keinen 100-MBit-ANT geben.

Falls Sie mit mehreren Rechner über ADSL ins Internet gelangen wollen, lässt sich das bewerkstelligen, obwohl es bei den Standardangeboten der österreichischen Provider meist nicht erlaubt ist. Die sauberste Lösung dazu ist eine zweite Netzwerkkarte. An die erste Karte schließt man den ANT an, an die zweite das interne Hausnetzwerk. Besteht das interne Netz nur aus einem einzigen weiteren Rechner, kann man diese Verbindung mit einem gekreuzten Netzwerkkabel herstellen, ansonsten ist ein Hub oder noch besser ein Switch nötig.

Die softwareseitige Verbindung zwischen beiden Karten erfolgt über Masquerading. Über die möglichen Arten der Aufbaus Ihres Netzwerkes im Zusammenhang mit dem ADSL-ANT gibt das Handbuch zum ANT Auskunft. Falls Sie es nicht mitgeliefert bekommen, sollten Sie es unbedingt nachverlangen!

Die restliche Hardware (ANT, Splitter, ein Netzwerkkabel) bringt der freundliche Mann von der Telekom mit und installiert sie auch flugs. Sie benötigen nur eine Steckdose für die Stromversorgung und etwas Geduld. Falls der Techniker anschließend Zugang zu Ihrem Windows-Rechner verlangt, um die Software zu installieren, erklären Sie ihm, dass Sie die Installation selbst durchführen wollen. Dass Sie dies tun wollen, weil Sie Linux auf Ihrem Rechner haben, erwähnen Sie jedoch besser nur, wenn Sie sich der Gefahr einer Diskussion der Art "Was ist Linux?" oder, für Fortgeschrittene, "Mit Linux funktioniert ADSL ja gar nicht" aussetzen wollen.

An zusätzlicher Software benötigen Sie nun lediglich noch einen PPTP-Client, der auf diversen FTP-Servern oder auch unter [2] kostenlos zur Verfügung steht. Ins Stolpern kommt man nur, wenn man einen sehr alten ANT bekommen hat (hier ist ein spezieller PPTP-Client nötig, ebenfalls unter [2] zu finden) oder wenn PPP-Daemon und PPTP-Client von der Version her nicht zusammenarbeiten wollen.

Details zur Installation entnehmen Sie bitte [1]. Mit root-Rechten, Ihren Providerdaten, dem HOWTO und einer positiven Einstellung ausgestattet, sollte die Grundinstallation in zehn Minuten erledigt sein.

Verschiedene österreichische Provider haben in der stiefmütterlichen Behandlung von Linux bei AON und Telekom Austria eine Marktlücke erkannt und bieten teilweise sehr gute Linux-Unterstützung über Installationsanleitungen oder telefonischen Support an. Beispielhaft sei hier der Provider Inode [6] genannt. Weitere Information zum Thema ADSL bzw. ADSL in Österreich finden Sie bei [3].

Telekom, AON und der Rest

Als die Telekom Austria Ende 1999 die technische Verfügbarkeit von ADSL erklärte, konnte ein halbes Jahr lang interessanterweise nur der Provider AON einen Internetzugang mit dieser Technologie anbieten. Laut Aussagen der Telekom waren es angeblich rein technische Umstände, die den anderen Providern in Österreich, vertreten durch die ISPA ("Internet Service Providers Austria"), den Zugang zur ADSL-Technologie unmöglich machte. Unter [5] kann man sich selbst ein Bild von den Geschehnissen machen. In Österreich funktionieren die Dinge eben manchmal anders als anderswo.

Glossar

Transferraten

Downstream/upstream sind englische Bezeichnung für "aus dem Netz zum Enduser" bzw. den umgekehrten Weg.

RFC

("Request for Comment") Von der Internet Engineering Task Force (IETF) herausgegebene, das Internet betreffende Technologie-Vorschläge und -Standards. RFC-Vorschläge können von beliebigen Personen entworfen und eingereicht werden. Webseiten wie http://www.rfc.net/ bieten Einsicht in alle RFCs.

patchen

Den Source-Code einer Software "flicken", um ihre Funktionalität zu erweitern oder Fehler zu verbessern. Patches enthalten die Unterschiede zwischen dem alten und dem verbesserten Quellcode und werden in der Regel mit dem Programm patch eingepflegt.

Hub

Ein Hub ermöglicht die sternförmige Verbindung mehrerer Netzteilnehmer untereinander. Alle Netzteilnehmer werden mit einer eigenen Leitung mit dem Hub verbunden; die Kommunikation untereinander verläuft immer über den Hub, wobei sich alle Teilnehmer die Gesamtbandbreite (z. B. 10 MBit/s) teilen müssen. Alle Teilnehmer müssen mit der gleichen Geschwindigkeit arbeiten.

Switch

Die Verkabelung ist dieselbe wie beim Hub, aber der Switch stellt nicht nur eine elektrische Verbindung zwischen den Netzteilnehmern her, sondern enthält auch einen Datenspeicher. Dadurch können Teilnehmer mit verschiedenen Bandbreiten (z. B. 10 MBit/s und 100 MBit/s) gleichzeitig angeschlossen werden, der Speicher (Puffer) gleicht die verschiedenen Geschwindigkeiten aus. Zusätzlich kann der Datentransfer zwischen zwei Netzteilnehmern jeweils mit der vollen Geschwindigkeit erfolgen.

Masquerading

Eine Form der Network Address Translation (NAT), bei der sich hinter einer öffentlichen IP-Adresse mehrere Rechner mit mehreren privaten IP-Adressen verbergen und eine Adressübersetzung von einer auf mehrere Adressen nötig wird.

Infos

[1] AT-Highspeed-HOWTO: http://members.aon.at/heimo.schoen/AT-HIGHSPEED-HOWTO.html

[2] PPTP-Client: http://members.aon.at/heimo.schoen/pptp.tar.gz

[3] Österreichisches ADSL-Forum: http://home.pages.at/heaven/adsl/

[4] ADSL-Providerübersicht für Österreich: http://members.blackbox.net/Martin.Kutschker/adsl.html

[5] Zum Zwist zwischen Telekom und Providern: http://www.ispa.at/aktuelles/adsl_chronik.htm

[6] Linux-Page des Providers Inode: http://www5.inode.at/support/adsl.config.linux.html

[7] SDSL – The Next Generation: http://www5.inode.at/produkte/business.xdsl.php4

Der Autor

Bernhard Rößmann beschäftigt sich seit 10 Jahren mit allem, was man programmieren kann, momentan in den Bereichen Arbeitszeiterfassung und Zutrittskontrolle sowie Verbrennungsmotorenprüfstände. Neben der Arbeit betreibt er ein Studium der Technischen Informatik an der Fachhochschule Mittweida (nahe Dresden).

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LinuxUser 06/2012

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