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Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.06.2001 GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.

GUADEC 2001

GUADEC [1], die GNOME User And Developer European Conference, fand dieses Jahr in Kopenhagen statt und gab GNOME-Entwicklern die Möglichkeit, die Zukunft von GNOME zu besprechen bzw. sich gegenseitig Poster und Hintern zu signieren. Da GNOME 1.4 kurz vor der GUADEC fertiggestellt wurde, war einer der Diskussionsschwerpunkte GNOME 2.0. Dabei kamen nicht nur GNOME-Anhänger zu Wort, es waren auch mehrere KDE-Entwickler anwesend, mit denen an besserer Interoperabilität zwischen GNOME und KDE gearbeitet wurde. Es gab sogar Bestrebungen dahin, GNOMEs angestaubten Sound-Daemon ESD durch KDEs aRts zu ersetzen. Ob diese Lösung tatsächlich Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten, da aRts einigen GNOME-Entwicklern zu viele Aufgaben übernimmt, die ein Multimedia-Framework wie Gstreamer verarbeiten sollte.

Erstmals präsentiert wurde auf der GUADEC DirectFB, das es ermöglicht, GTK-Applikationen direkt auf den Framebuffer, also eine Abstraktion der Grafik-Hardware, zugreifen zu lassen. DirectFB bietet außerdem Features wie Window Management und einen Alpha-Channel für durchsichtige Fenster. Um neuen Entwicklern den Einstieg in GNOME leichter zu machen, wurde beschlossen, die bestehende technische Dokumentation wesentlich zu erweitern.

Natürlich soll auch den Benutzern, speziell solchen mit Behinderungen, die Arbeit mit GNOME erleichtert werden. Obwohl in dieser Richtung noch sehr viel getan werden muss, konnten auf der GUADEC schon Features wie Sprachausgabe präsentiert werden. Auch die Entwicklung einer GNOME Office Suite, für die schon länger Pläne existieren, wurde endlich beschlossen. Unter dem Namen GNOME-Office sollen bis zum Erscheinen von GNOME 2.0 mehrere bestehende Programme zusammengeschlossen und aufeinander abgestimmt werden.

Bilder von der GUADEC und den dazugehörigen Parties liegen unter [2]; außerdem sollten mit Erscheinen dieser Ausgabe alle Vorträge unter [3] als MPEG-2 verfügbar sein.

Abbildung 1

Abbildung 1: GUADEC 2001 (Foto: http://canvas.gnome.org/~gman/guadec/)

Eazel Reef

Da die momentan von Eazel eingesetzte Technologie der Services über das Internet sehr begrenzt ist, wird unter dem Namen Reef [4] eine Basis geschaffen, die zumindest auf dem Papier wesentlich mächtiger ist. Der Benutzer empfängt über Reef sogenannte Service View Bundles, die Script Code und andere Daten wie Bilder enthalten. Als Scriptsprache soll vorerst Python eingesetzt werden, langfristig sollen aber auch andere Sprachen unterstützt werden. Für die Kommunikation zwischen dem lokalen Script und dem Server sind sowohl SOAP, das auch die Grundlage für Microsofts .NET bildet, als auch XML-RPC im Gespräch.

Progeny 1.0

Progeny [5] ist eine kommerzielle Distribution, die auf der Basis von Debian Woody entwickelt wurde und an der Debian-Mitbegründer Ian Murdock maßgeblich beteiligt war. Langfristiges Ziel bei der Entwicklung ist neben der Bereitstellung von Services die einfache Verwaltung von Linux-Netzwerken. Progeny bietet aber auch jetzt schon einige Verbesserungen für GNOME-Benutzer. Anstelle des normalen Debian-Frontends für Debconf setzt Progeny sogenannte Configlets ein, die in Python geschrieben werden können. Diese Configlets sind teilweise im GNOME-Kontrollzentrum integriert und bieten ähnliche Features wie Ximians Setup-Tools. Wer bereits Debian installiert hat, kann einfach via apt-get auf Progeny 1.0 aufrüsten – ansonsten findet man ISO-Images der Distribution unter [6].

Etherape

Das an Etherman angelehnte Etherape [7] veranschaulicht Netzwerkverkehr zwischen dem eigenen Computer und dem lokalen Netzwerk bzw. dem Internet. Dabei stellt Etherape jeden Computer mit einem Knotenpunkt dar und zeichnet eine in der Größe dem Datenvolumen entsprechende Verbindung zwischen den einzelnen Knoten. Die Farbe dieser Verbindung zeigt das verwendete Protokoll an, wobei eingestellt werden kann, auf welche Protokollebene Etherape sich konzentrieren soll.

Als Datenquellen kann neben Ethernet-, PPP- und FDDI-Interfaces auch die Ausgabe von Tcpdump eingesetzt werden. Damit ist es möglich, einmal aufgezeichneten Netzwerkverkehr immer wieder anzuzeigen. Da über ein PPP- oder SLIP-Interface nur die Verbindungen analysiert werden können, die zum eigenen Computer führen, bietet Etherape mit der Option "-m ip" bzw. dem Kommando interape eine Möglichkeit, die Darstellung entsprechend anzupassen und den eigenen Computer in den Mittelpunkt der Darstellung zu positionieren. Außerdem gibt es noch Modi für Ethernet, FDDI oder TCP, wobei in der letzten Darstellungsart der Netzwerkverkehr von Port zu Port dargestellt wird.

Abbildung 2

Abbildung 2: Etherape zeigt, wo Daten wirklich herkommen

Gnoetry

Wie der Name schon vermuten lässt, erzeugt Gnoetry [8] weitestgehend selbständig Gedichte. Dazu analysiert das Programm bestehende Texte statistisch und generiert dann einen Text mit ähnlichen Eigenschaften. Gnoetry beherrscht eine Vielzahl an Gedichtformen und ist auch in der Lage, die jeweiligen Reimschemata westlicher Gedichter bzw. Silbenvorgaben bei japanischen Gedichten umzusetzen. Leider sind die Reime nicht selten unrein, und es kommt vor, dass eine Silbe übersehen wird. Da das Ziel des Projekts eine Gemeinschaftsproduktion von Mensch und Maschine ist, können die Zeilen des Gedichts beliebig oft neu generiert werden, bis das Gedicht perfekt ist.

Gnoetry bringt nur englische Texte als Quellen mit, da sich verschiedene Sprachen zu sehr unterscheiden, als dass man sie ohne weiteres austauschen könnte. Aus Gründen des Urheberrechts sind auch keine zeitgenössischen Texte enthalten – dank eines 5 MB großen Bonus Packs lassen sich aber zumindest eine Menge Klassiker nachrüsten.

Abbildung 3

Abbildung 3: Gnoetry beim Erstellen eines Sonetts

Sawfish anpassen

Einer der großen Vorteile von Sawfish ist, dass dieser Window Manager durch Scripts im Lisp-Dialekt Rep erweitert werden kann. Dabei kann man auf Module aus dem Verzeichnis /usr/share/sawfish/VERSION/lisp/ zurückgreifen, indem man sie aus der Datei ~/.sawfishrc mit dem Befehl

(require 'Modul)

lädt. In dieser Datei sollte sich auch die Zeile

(require 'sawmill-defaults)

befinden, die unter anderem GNOME-Anpassungen hinzufügt. Neue Module, die auf Seiten wie [9] und [10] gefunden werden können, müssen erst mit dem Befehl

sawfish --batch compiler -f compile-batch Modul.jl

kompiliert werden, bevor man sie einbindet. Teilweise finden sich auch sogenannte Code-Schnipsel, die direkt in ~/.sawfishrc kopiert werden müssen. Wer Sawfish selbst erweitern will, sollte einen Blick auf [11] werfen, wo alle relevanten Funktionen und Variablen erklärt werden.

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist neue Programme auszuprobieren liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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