Checkpoint Charlie
Teil 5: Kontrollstrukturen die Zweite
until
until tut übrigens das gleiche wie while, nur dass der Rumpf ausgeführt wird, solange die Bedingung falsch ist – sonst besteht kein Unterschied. Das folgende Beispiel kennen Sie von der Vorstellung der while-Schleife, die Bedingung wurde mittels Ausrufezeichen invertiert – aus wahr wird falsch und umgekehrt.
#!/bin/bash
i=1
until
! read -e -p "[$i]> ";
do
Feld[$i]="$REPLY"
: $[i+=1]
done
echo ${Feld[*]}
In Listing 1 finden Sie den Rohentwurf eines Skripts, das neben -h und --help noch die Parameter -q respektive --quiet sowie -v gleichbedeutend mit --verbose versteht. -q und -v werden häufig verwendet, um entweder alle Ausgaben bis auf schwerwiegende Fehlermeldungen zu unterdrücken beziehungsweise alle Aktionen zu kommentieren. Standardmäßig wird der ausführliche Modus über die Variable QuietMode eingestellt, indem diese in der zweiten Zeile auf 1 gesetzt wird. Auch wenn es im ersten Moment widersinnig erscheint: Da 0 wahr ist, setzen wir QuietMode mit 1 auf falsch.
Listing 1
#!/bin/bash
QuietMode=1
for P in $@; do
case $P in
-h|-H|--[hH][eE][lL][pP])
echo "Aufruf:"
echo " $0 [-h|--help]|[-q|--quiet]|[-v|--verbose]"
echo "Parameter:"
echo " -h, --help: Diese Kurzerläuterung"
echo " -q, --quiet: Nur schwerwiegende Fehler melden"
echo " -v, --verbose: Ausführliche Meldungen"
exit
;;
-v|-V|--[vV][eE][rR][bB][oO][sS][eE])
QuietMode=1
;;
-q|-Q|--[qQ][uU][iI][eE][tT])
QuietMode=0
;;
*)
echo "Fehler: Unbekannter Parameter $i"
exit
;;
esac
done
echo $QuietMode
Auswahlmenüs
Eine häufig unterschätzte Möglichkeit bietet die select-Konstruktion. Mit ihr wird es möglich, komplexe Auswahlmenüs aufzubauen. Hier ein einfaches Beispiel für eine Auswahl zwischen Äpfeln, Birnen und Pflaumen:
#!/bin/bash
Feld=("Äpfel" "Birnen" "Pflaumen" "Ende")
select Fruechte in ${Feld[*]}; do
case $REPLY in
${#Feld[*]})
return
;;
*)
echo "$Fruechte"
;;
esac
done
Hinter ${Feld[*]} verbirgt sich der Inhalt unseres Arrays, in diesem Fall vier Elemente, die select durchnumeriert und unter einander ausgibt:
1) Äpfel 2) Birnen 3) Pflaumen 4) Ende #?
Jetzt fragt select die Nummer der gewünschten Aktion ab, wozu implizit read verwendet wird. Das Ergebnis der Auswahl steht wie üblich später in der Variablen REPLY zur Verfügung. Zusätzlich kopiert select das entsprechende Element unseres Arrays in die Variable P und führt den Rumpf aus. Ist dieser abgearbeitet, zeigt select die Auswahl von neuem.
Im Rumpf wird mittels case das weitere Vorgehen bestimmt. Das erste Muster sieht zunächst etwas ungewöhnlich aus, hinter ${#Feld[*]} verbirgt sich aber nur die Anzahl der enthaltenen Elemente – was gleichbedeutend ist mit der Nummer des letzten Eintrags. Damit können wir zuverlässig erkennen, wenn der Anwender den letzten Eintrag ausgewählt hat, ohne dessen tatsächliche Nummer oder Namen kennen zu müssen – die Auswahl ist also beliebig erweiterbar, solange der letzte Eintrag für "Verlassen des Menüs" steht.
Um select zu verlassen, müssen Sie entweder [Strg-D] drücken oder wie im Beispiel gezeigt return oder break aufrufen. Insofern unterscheidet sich select auch von allen anderen Schleifen – es hat weder eine Bedingung noch eine Liste, nach deren Abarbeitung die Schleife endet.
Anders als bei read können Sie für select nicht den auszugebenden Prompt als Parameter mitliefern – es kommt der Standard-Rückfrage-Prompt aus der Variablen PS3 zum Einsatz, den Sie von Hand anpassen können:
#!/bin/bash
Feld=("Äpfel" "Birnen" "Pflaumen" "Ende")
PS3="Welche Früchte? > "
select Fruechte in ${Feld[*]}; do
case $REPLY in
${#Feld[*]})
return
;;
*)
echo "$Fruechte"
;;
esac
doneDamit endet der fünfte Teil des Programming Corners. In Teil 6 wird es um die Strukturierung und Modularisierung von Skripten mittels Funktionen und Modulen gehen. Anhand eines kleinen Verwaltungsprogramms werden wir dann in Teil 7 noch einmal alles Bisherige aufrollen und die Anwendungsmöglicheiten der einzelnen Befehle und Konstrukte zeigen.



