Der Griff zum Schraubendreher

Ich gehe davon aus, dass ein Linuxnutzer sich nicht davor scheut, mal ins Innere seines Rechners zu schauen. Standard-PCs sind nur mit einer Sound-Karte ausgestattet. Nun können Sie Ihren Computer zum Fachhandel schaffen und für teures Geld Sound-Karten nachrüsten lassen. Da wir aber möglichst sparsam sein wollen, machen wir das ganze selbst. Dazu kaufen wir uns zuerst eine preiswerte PNP-Sound-Karte, die möglichst für den PCI-Bus ausgelegt ist. Prinzipiell sollten ältere ISA-Karten ebenfalls funktionieren, das konnte ich allerdings nicht ausprobieren.

Nach der Beschaffung geht es an den Einbau. Als Erstes fahren wir den ja immer laufenden Rechner runter, schalten ihn aus und ziehen wir alle Kabel ab. Damit es zu keinen Schäden an der empfindlichen Hardware kommt, sollten elektrostatische Ladung vermieden werden. Am Besten greift man vor dem Aufschrauben beherzt an eine hoffentlich nicht all zu heiße Heizung. Da diese in der Regel geerdet ist, sollte sich die überflüssige Energie dadurch abbauen. Der Rest ist schnell beschrieben:

  • Gehäuse öffnen
  • Slot-Abdeckung entfernen, um die Karte einbauen zu können (meist ist schon eine Grafikkarte eingebaut, so dass ich wohl nicht genauer erklären muss, was eine Slot-Abdeckung ist)
  • Sound-Karte einstecken (Wichtig: Eine PCI-Karte passt nur in einen PCI-Slot!)
  • Karte fest in den Steckplatz eindrücken (aber bitte nicht mit Gewalt das Mainboard durchbrechen)
  • Sound-Karte festschrauben (mit der Schraube der Slot-Abdeckung)
  • Gehäuse schließen und wieder anschließen
  • Linux neu startenBei der ganzen Aktion sollten Sie etwas auf Ihre Hände Acht geben: Viele Billig-Gehäuse sind äußerst scharfkantig und könnten Schnittwunden verursachen. Wer sich diesen Einbau nicht zutraut, fragt zur Vermeidung von Schäden vielleicht einfach einen Bekannten, der öfter am Computer herumgeschraubt hat. Wir haben jetzt einen PC mit zwei Sound-Karten, eine davon möglicherweise onbord.

Buntes Treibe(r)n

Wie bereits erwähnt, benutze ich SuSE Linux 7.0. Daher gehe ich bei der Konfiguration der Treiber auf diese Distribution ein. Nutzer andere Distributionen können den ersten Teil dieses Abschnittes getrost überfliegen und die entsprechenden Anpassungen manuell vornehmen (siehe Sound-Karten-Konfiguration in Listing 1). Um Konfusionen zwischen KDE 2.0 und 1.1.2 zu vermeiden, gehe ich nicht darauf ein, wo sich die einzelnen Programme in den Menüs befinden, sondern starte die Tools direkt über die Kommandozeile ([ALT-F2] unter KDE bzw. in einer beliebigen X-Terminal-Emulation)

Bei der Standard-SuSE-Installation wird das ALSA-Paket bereits mit installiert. Da man sich ja nie sicher ist, welche Hardware man eigentlich installiert hat, überlässt man deren Erkennung kluger Software. SuSE hat mit YaST2 ein Tool geschaffen, welches u.a. eben diesen Zweck erfüllt und zahlreiche Sound-Karten erkennt. Das Sound-Karten-Modul von YaST2 hat nur den Nachteil, dass es jeweils nur eine Sound-Karte einrichten kann.

Wir müssen also doch noch selbst Hand anlegen. Da die Dokumentation auf der ALSA-Homepage [1] veraltet ist, habe ich dennoch SuSEs YaST2 benutzt, um die Einstellungen für die einzelnen Sound-Karten herauszufinden. Ich bin dazu folgendermaßen vorgegangen:

  • Starten des Sound-Kartenmoduls von YaST2 über susewmif ROOT_X11 /sbin/yast2 sound, anschließend mit Root-Passwort einloggen
  • Im darauf erscheineneden Dialog wählt man die erste Sound-Karte aus, die angeboten wird, und konfiguriert diese durch einen Klick auf den "Weiter"-Knopf. Der restliche Dialog von YaST2 ist selbsterklärend.Damit ist auch schon die Installation der ersten Sound-Karte abgeschlossen. Kommen wir nun zum Einrichten der weiteren Sound-Karte(n).
  • Wir kopieren uns die aktuellen Einstellungen an einen "sicheren" Ort, an dem sie nicht von der nächsten Installation überschrieben werden. (copy /etc/modules.conf ~/karte1.conf)
  • Nun kann die nächste Karte, wie oben beschrieben, eingerichtet werden. Dabei muss zuerst der "Zurücksetzen"-Knopf gedrückt werden, wodurch die Konfiguration der ersten Sound-Karte gelöscht wird.Um beide Sound-Karten verwenden zu können, müssen nun die Konfigurationseinträge beider in die Datei /etc/modules.conf geschrieben und angepasst werden. Dazu sind erneut Root-Rechte nötig, dazu loggen Sie sich am einfachsten als root ein. Wie immer als Root gilt: Vorsicht mit Veränderungen, Sie könnten unter Umständen Ihr ganzes System lahmlegen.

Wir öffnen nun also die Datei /etc/modules.conf und gehen ganz an das Dateiende. Dort sollten die ALSA-Einträge stehen, sie stammen von der letzten Sound-Karten-Konfiguration. In einem weiteren Texteditor öffnen wir nun unsere Sicherungskopie ~/karte1.conf, an deren Ende wir die ALSA-Einträge unserer ersten Einrichtung finden. Nun müssen wir diese Einträge an das Ende der /etc/modules.conf anfügen.

Diese müssen nun nur noch auf die beiden Sound-Karten verteilt werden. Dazu erhöhen wir zuerst die Anzahl der maximal zulässigen Sound-Karten auf die notwendige Anzahl, wie in Zeile 6 von Listing 1 zu sehen. Nun wird die Reihenfolge der Sound-Karten festgelegt. Dies geschieht durch die Parameter snd_index und snd_id der entsprechenden Karte, im Listing in der Zeile 6 und 8 gezeigt. Selbstverständlich müssen auch die entsprechenden Alias-Einträge angepasst (Zeile 7 und 9) und die OSS-Emulation auf beide Karten ausgeweitet (Zeilen 14 bis 25) werden.

Da wir ja noch Root-Rechte haben, aktivieren wir die Sound-Karten gleich. Noch aktive Sound-Karten werden dafür zunächst mit rcalsasound stop angehalten, und die neue Konfiguration mit rcalsasound start geladen.

Bei dem zweiten Befehl wird Linux bemängeln, dass die Konfiguration jünger ist als die geprüften Moduleabhängigkeiten. Diese Warnungen verschwinden nach einem Neustart von Linux, der hier aber nicht unbedingt notwendig ist, oder nach einem Aufruf von depmod -a.

Leider ist – wie gesagt – die Dokumentation von ALSA nicht auf dem neuesten Stand. Die darin verwendeten Parameter für die einzelnen Optionen funktionieren scheinbar nicht mehr mit den aktuellen Treibern. Die hier vorgestellte Lösung wurde durch stundenlanges Probieren gefunden und funktioniert bei mir ausgezeichnet. Ich kann aber nicht ausschließen, dass es bei der einen oder anderen Hardware-Konstellation zu Problemen kommt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Multitracker im Eigenbau mit Linux
    Zahlreiche Nachwuchs-Bands geben täglich Unmengen an Geld aus, um an halbwegs brauchbare Demo-Aufnahmen zu kommen. In diesem Artikel möchten wir zeigen, wie Sie unter Linux preiswerter produzieren können.
  • Herr der Wellen
    Beim Stichwort Mehrspuraufnahme denken die meisten wohl an hübsche GUIs mit Dutzenden von Reglern. Dass es auch anders geht, beweist das schlanke und handliche Tool Ecasound.
  • Soundkartentreiber für Linux
  • Dem Rechner die Töne entlockt
    Mit dem Einzug von Linux auf den heimischen Desktop wächst das Bedürfnis nach der Multimediafähigkeit des Betriebssystems. Linux steht nicht mehr hinter Windows zurück, wenngleich die Konfiguration etwas anders verläuft.
  • Drei USB-Soundkarten im Test
    Immer mehr Notebooks bringen einen Breitbildschirm im Format 16:9 mit, der zum Anschauen von DVD-Filmen geradezu verlockt. Was fehlt, ist hingegen der Support für satten 5.1 Surround-Sound. Den bieten USB-Soundkarten.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

zweites Bildschirm auf gleichem PC einrichten
H A, 30.09.2016 19:16, 0 Antworten
Hallo, ich habe Probleme mein zweites Bildschirm einzurichten.(Auf Debian Jessie mit Gnome) Ich...
Probleme mit MPC/MPD
Matthias Göhlen, 27.09.2016 13:39, 2 Antworten
Habe gerade mein erstes Raspi Projekt angefangen, typisches Einsteigerding: Vom Raspi 3B zum Radi...
Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 6 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 4 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...