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Crontabellen per Mausklick

tct

Abbildung 8: Mächtig, aber äußerst umständlich – tct

Der zweite Vertreter der Tcl/Tk-Fraktion ziert sich zunächst, eine vorhandene Crontabelle überhaupt einzulesen: Erst wenn man sich die installierte Crontabelle z. B. mit crontab -l > ~/.tct in die persönliche tct-Konfigurationsdatei eingelesen hat, kann man sie mit dem Get Crontab-Button ins Editorfenster laden und dort auch gleich bearbeiten. Install tut dann wirklich, was es soll und installiert die veränderte Crontabelle.

Wer sich einen neuen Job zusammen klicken will, darf sich auf eine ermüdende Prozedur gefasst machen: Jeder der fünf zeitbestimmenden Knöpfe muss auf einen bestimmten Wert gesetzt sowie ein Kommando gewählt werden, ehe man den Auftrag über den Add-Button ins Editorfenster aufnehmen darf. Dort kann er dann nur noch per Hand geändert werden.

Zwar sind die jeweiligen Auswahldialoge recht mächtig, doch da nicht angezeigt wird, für welchen Knopf man bereits einen Wert festgelegt hat, ist das Ganze wenig hilfreich, zumal die typischen Tcl/Tk-Fehlermeldungen meist eher kryptische denn sinnvolle Auskunft geben. Erstaunlich hingegen, dass unsere zu komplizierte 0-23/6-Angabe beim Umsetzen mit tct in der identischen, aber kompakteren Form */6 in der Crontabelle zu stehen kam.

Hat man einmal alle Zeiten gesetzt, so bleiben sie als Defaultwerte für die aktuelle Session gespeichert, bis man daran wieder etwas ändert. So muss man für weitere Jobs nur die vom vorherigen abweichenden Zeitangaben neu setzen. Der Find-Button zum Auswählen eines Kommandos produzierte in der getesteten Version hingegen nur Fehlermeldungen, sodass es keine Alternative zum Eintragen des Kommandos von Hand gibt.

Mit dem Environment-Knopf kann man die drei gebräuchlichsten Cron-Umgebungsvariablen am Anfang der Crontabelle eintragen – wer sie speziell für einen Job setzen will, muss das im Editor ändern.

Vermutlich liegt hier der Hauptnutzen von tct verborgen: Man wird des umständlichen User-Interfaces schnell überdrüssig, doch da man in ihm dank des stets präsenten Editors ein anschauliches Lehrmittel hat, lernt man recht schnell, Crontabellen von Hand zu schreiben.

Was bleibt

Das Fazit dieses Tests ist ernüchternd: Bis auf gat versuchen alle vorgestellten Programme, das crontab-Original auf grafische Weise recht bis schlecht nachzuahmen. Doch nicht zuletzt dank dieser Ideenlosigkeit schafft es keines, ein adäquater, geschweige denn besserer Ersatz zu sein: Außer der Zusammenklickbarkeit der Zeitangaben (die oft selbst verbesserungswürdig ist) sind Zusatznutzen rar gesät.

Am sinnvollsten einsetzbar sind möglicherweise die Programme, die sich selbst alsbald überflüssig machen, indem sie sich als Lernhilfe für die Crontab-Syntax erweisen. Der eine oder andere Kandidat mag Einsteiger(inne)n bei einfachen Cronjobs über die Syntax-Hürden helfen, doch für anspruchsvollere Zeitgenossen stecken alle getesteten Tools in Sackgassen oder noch zu sehr in den Kinderschuhen. Da bleibt als Trost lediglich, dass man sowieso nur für persönliche Crontabellen auf die Hilfe von Crontabmanagern zurück greifen kann. Bei der Verwaltung der systemweiten /etc/crontab ist man so oder so auf den persönlichen Lieblingseditor angewiesen.

Glossar

Standardausgabe und Standardfehlerausgabe

Kommandozeilentools geben ihre Ergebnisse auf dem vordefinierten Standardausgabe-Kanal stdout, ihre Fehlermeldungen auf der Standardfehlerausgabe stderr aus. Beide sind normalerweise mit dem Bildschirm "verknüpft", während der Standardeingabe-Kanal stdin von der Tastatur bedient wird. Als Benutzerin hat man die Möglichkeit, einem Befehl z. B. zu sagen, dass er statt des Bildschirms eine Datei als stdout benutzen soll: Befehl > Datei. Dito lassen sich Fehlermeldungen in eine Datei ausgeben: Befehl 2> Datei.

At-Job

Mit dem Programm at lassen sich Jobs festlegen, die zu einer bestimmten Zeit (im Gegensatz zu Cron jedoch nur einmal statt wiederholt) ausgeführt werden sollen.

GUI-Toolkit

Eine Programmierbibliothek ("Library"), die Programmierer(inne)n wie ein Werkzeugkasten Bausteine zum Aufbau grafischer Benutzerschnittstellen ("Graphical User Interfaces") – Fenster, Menüs, Buttons, Auswahlknöpfe usw. – zur Verfügung stellt.

Infos

[1] Der LinuxUser 12/2000 gibt mit dem Artikel "Diener auf die Minute" einen Einblick in die Arbeitsweise von Cron.

[2] Ein ausführlicher, im Linux-Magazin 08/1998 erschienener Artikel zu diesem Thema kann im Web unter http://www.linux-magazin.de/ausgabe/1998/08/Cron/cron.html nachgelesen werden.

[3] Crondämonen & Co. versammelt zum Download: ftp://sunsite.unc.edu/pub/Linux/system/daemons/cron/

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