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24 Mal werden wir noch wach

The Answer Girl

Draußen vom Walde

Ein bisschen Heimlichtuerei kann in der Adventszeit nie schaden, und daher mag die Eine oder der Andere gern als Absender/in unerkannt, jedoch durchaus für Reply-Mails erreichbar sein. Zwar können wir einen neuen Benutzer wichtel auf unserem System anlegen, in dessen Namen die Mails verschickt werden, doch nützt das nichts, wenn dieser Benutzer nicht per Mail erreichbar ist. Daher ist das Versteckspiel nur interessant für Menschen, deren Rechner selbst Mail aus dem Internet annimmt oder die zumindest eine gültige Mailadresse (z.B. bei einem Freemailer) für wichtel aufzuweisen haben.

Wie der die richtige Umschlags-(Envelope-)adresse bekommt, wurde für Postfix im Oktober-Answer-Girl beschrieben – lesen Sie dort einfach den Abschnitt "Adressmanipulation" nach, in dem sich alles um die sender_canonical-Map drehte. Damit bekommen wir die From-Zeile (ohne Doppelpunkt) im Mailheader richtig hin.

Um den From:-Header hingegen kümmert sich mutt. In der diesem Programm normalerweise beiliegenden Dokumentation (die ASCII-Datei heißt – wie bei den meisten Distributionen ein Blick in /usr/doc/mutt-version zeigen dürfte – manual.txt, auch eine HTML-Version ist erhältlich) kann man so lange stöbern, bis man auf den "Konfigurationsbefehl" my_hdr stößt.

Schreibt man den in seine (oder wichtels) ~/.muttrc (Anlegen, wenn nicht vorhanden!), kann man eigene Header definieren, z.B.

my_hdr From: Wichtel <wichtel@linux-user.de>

Dann wird als Absenderadresse wichtel@linux-user.de angegeben, und Sie müssen Sorge tragen, dass diese Adresse a) auch Mails empfangen kann und diese b) in Ihrer Mailbox landen.

Benutzer/innen, deren Rechner selbst Mails annehmen, haben es hier einfach: Eine Zeile

wichtel: pjung@linux-user.de

in der Alias-Datei des eigenen Mailservers (meist /etc/aliases) und ein newaliases oder (bei Postfix) postalias Aliasdatei zum Aktivieren reichen aus, um sämtliche Mails an den lokalen User wichtel weiter an pjung@linux-user.de zu leiten.

Damit wichtel überhaupt etwas tun kann, muss er natürlich das adventskal-Skript und das adventskalender-Verzeichnis in seinen Homebereich kopieren.

Bald nun ist Weihnachtszeit

Doch egal, ob Sie Ihre Adventskalendermails nun unter Ihrem eigenen Namen oder einer heimlichen Wichteladresse verschicken: Das adventskal-Skript wollen Sie ganz sicher nicht Tag für Tag von Hand aufrufen. Das lassen wir Cron für uns tun und starten daher entweder als wir selbst oder als wichtel den Befehl crontab -e zum Editieren unserer Crontabelle.

Wer nicht zuvor die Umgebungsvariable EDITOR oder VISUAL auf seinen Lieblingseditor gesetzt hat, macht spätestens jetzt Bekanntschaft mit vi. Mit einem i wie "insert" kommt man in den Schreibmodus und kann die eine nötige Zeile in einem Rutsch herunter schreiben: 6.30 Uhr hört sich nach einer guten Versendezeit an – da sind die Spätzubettgeher inzwischen auch in den Federn und der Rest hoffentlich noch im Bett, in der Dusche oder auf dem Weg zur Arbeit. Das Skript soll nur im Dezember (dem 12. Monat) laufen, und auch da nur vom 1. bis 24. Der Wochentag spielt keine Rolle (*) in unseren Überlegungen. In Crontab-Schreibweise sieht das so aus:

30 6 1-24 12 * $HOME/bin/adventskal

Da wir die gesamte komplexe Funktionalität unseres Adventskalenders im in ~/bin abgelegten adventskal-Skript haben, müssen wir in der letzten Auftragsspalte nicht mehr als das eintragen, können uns mit ESC in den Kommandomodus des vi begeben und mit :wq – "write" ("schreiben") und quit ("schließen") – hinaus katapultieren.

Weniger "toughe" Geister werden noch eine Zeile einfügen, bei denen Crontab in etwa fünf Minuten etwas zu tun bekommt – doch sollte man sich hier kein Bein stellen: Tragen Sie die echten Adressat(inn)en erst dann in adventskal ein, wenn dieser Testlauf tatsächlich glückte. Wer will schon, dass am …

5 19 20 11 * $HOME/bin/adventskal

… 20. November um 19.05 Uhr die ganze Überaschung geplatzt ist?

Glossar

CGI

"Common Gateway Interface", eine Schnittstelle zwischen einem Webserver und Programmen, die jener aufruft, um zusätzliche, in der Regel dynamisch generierte Funktionalität in Webseiten zur Verfügung zu stellen. Die weitaus meisten dieser Programme werden in einer Skriptsprache wie Perl geschrieben und daher CGI-Skripte genannt.

MIME

"Multipart Internet Mail Extensions", der Standard, der definiert, wie man Nicht-7-Bit-ASCII- und mehrere Dateien gleichzeitig via Mail transportiert. Ursprünglich war der Internetdienst E-Mail lediglich darauf zugeschnitten, Textnachrichten zu übermitteln, die aus den Zeichen bestanden, die man auf einer amerikanischen Tastatur erzeugen kann. Das ist auch heute noch der Fall (wenn auch die meisten Mailserver mit 8-Bit-ASCII umgehen und daher z.B. Textnachrichten mit "echten" deutschen Umlauten richtig übertragen können). Daher muss man Dateien, die in einem binären Format vorliegen (kompilierte Programme oder gepackter Quellcode, diverse Grafik- und Audioformate, häufig auch von Officepaketen generierte Dateien etc.), vor dem Abschicken in ein 7-Bit-ASCII-Transportformat wandeln. Das übernimmt das Mailprogramm, der "Mail User Agent" (MUA). Er sorgt auch dafür, dass verschiedene Attachments, die in einer E-Mail transportiert werden, durch sogenannte MIME-Header voneinander abgetrennt werden. Der Empfänger-MUA liest aus diesen MIME-Headern, welche Transportkodierung verwendet wurde und um welchen Dateityp (daher der Begriff MIME-Typ(e)) es sich handelt, und wandelt das Attachment in das Originalformat, wenn die Empfängerin es sich anzeigen lässt oder es extern abspeichern will.

ASCII-Art

Vollständig aus ASCII-Textzeichen (Buchstaben, Ziffern und den übrigen Zeichen auf einer (amerikanischen) Tastatur) aufgebaute Grafik; siehe z.B. http://www.stud.uni-hannover.de/~freise/ascii/faq.html.

URL

"Uniform Resource Locator", die eindeutige Adresse einer Ressource im Netz. So bezeichnet z.B. ftp://www.linux-mandrake.com/pub/ das Verzeichnis pub im Daten-Bereich des FTP-Servers, der auf dem Rechner www.linux-mandrake.com läuft, während http://www.linux-mandrake.com/bugs/Reporting.html die Datei Reporting.html im Webdatenverzeichnis bugs meint, die vom ebenfalls auf www.linux-mandrake.com laufenden Web-(HTTP-)Server bereit gestellt wird.

Tabulatortaste

Die TAB-Taste ist nahezu der wichtigste Key für tippfaule Bash-Nutzer/innen. Einmal auf der Kommandozeile betätigt, versucht die Bash, die bisher eingegebenen Nicht-Leerzeichen sinnvoll zu einem Kommando oder einem Dateinamen zu erweitern ("expandieren"). Gibt es zu viele Möglichkeiten, passiert nichts, und man kann mit einem zweiten TAB alle zur Auswahl stehenden Ergänzungsmöglichkeiten betrachten. Hat man sich für eine entschieden, gibt man ein oder mehrere Zeichen ein, die die Auswahl eindeutiger erscheinen lassen. Kann durch einen weiteren Druck auf TAB immer noch keine eindeutige Expansion vorgenommen werden, geht das Spiel von vorn los.

Bash

Die "Bourne again shell" wird von fast allen Linux-Distributoren als Standardkommandozeilenschnittstelle zwischen Benutzer/in und Betriebssystemkern eingesetzt und zeichnet sich durch eine Menge arbeitserleichternder Funktionen und eine eingebaute Programmiersprache aus – allerdings will deren Bedienung auch erst erlernt sein…

Mailbody

Eine E-Mail besteht immer aus zwei Teilen: dem Mailheader mit Verwaltungsinformationen wie Absender-(From-) und Empfänger-(To-)Adresse, Betreff (Subject) etc. und dem eigentlichen Mailinhalt, dem Body. Besteht dieser aus verschiedenen Attachments, so hat jedes wiederum seine eigenen MIME-Header zur Inhalts- und Kodierungsbeschreibung.

echo

Dieser Befehl tut nichts anderes als sein Name besagt: das ausgeben, was ihm an Argumenten mitgegeben wird. Verlangt ein $, dass der Inhalt der nachfolgenden Variable gewünscht wird, so hält sich echo an diese Vorgabe, sofern man dem Dollarzeichen keine Escapezeichen wie \ voran stellt (echo $HOME vs. z.B. echo \$HOME).

cd

("change directory") wechselt in das als Argument angegebene Verzeichnis, ohne Argument ins Homeverzeichnis.

ls

("list") listet ohne weitere Argumente den Inhalt des aktuellen Arbeitsverzeichnisses auf. Wenn man dahinter ein Argument schreibt, passt sich ls dem Dateityp dieses Arguments an: Handelt es sich um ein Verzeichnis, wird dessen Inhalt angezeigt, ist es dagegen eine einfache Datei, gibt ls ihren Namen aus.

*

Jokerzeichen, das in der Shell für eine beliebige Anzahl (auch null) beliebiger Zeichen steht.

\

Möchte man einen leicht länglichen Befehl übersichtlicher aufschreiben, so kann man ihn über mehrere Zeilen verteilen, wenn man der Shell sagt, dass die Zeilenumbrüche ausnahmsweise mal nicht das Befehlsende bedeuten. Dazu schreibt man als allerletztes Zeichen vor dem Betätigen der Return-Taste ein \ und setzt die Kommandozeile auf der nächsten Zeile fort.

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LinuxUser 06/2012

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