24 Mal werden wir noch wach
The Answer Girl
Morgen, Kinder
Ein Austausch in unserem Introtext fehlt noch: <x> muss durch die verbleibenden Nächte bis zum 24. ersetzt werden. Einfache Rechenaufgabe: 24 minus dem aktuellen Tag. Im Gegensatz zu "richtigen" Programmiersprachen kann die Shell leider nicht ordentlich rechnen. Wir können uns lediglich mit expr behelfen, das einen dahinter stehenden Ausdruck auswertet. Dabei gibt's nur ganzzahlige Rechenoperationen, aber das reicht ja in diesem Fall:
[trish@lillegroenn inhalt]$ expr 24-6 24-6
Hmm, das war dann wohl falsch… Wir wollten doch, dass expr für uns rechnet! Die Manpage führt auf die richtige Fährte: "Each token of the expression must be a separate argument" – jeder Bestandteil unseres zu berechnenden Ausdrucks muss ein separates Argument sein. Dann trennen wir Minuend, Minuszeichen und Subtrahend doch einfach durch Leerzeichen und weisen das Ergebnis der Variablen NAECHTE zu.
[trish@lillegroenn inhalt]$ NAECHTE=`expr 24 - 6` [trish@lillegroenn inhalt]$ echo $NAECHTE 18
… und siehe da, es klappt: am 6. Dezember sind es noch 18 Nächte bis zum Heiligen Abend.
Diese Anzahl in den Einleitungstext zu bringen, ist eine unserer leichtesten Übungen:
[trish@lillegroenn inhalt]$ sed -e "s/<x>/$NAECHTE/" ~/adventskalender/einleitung 18x werden wir noch wach...[...]
Da sed auch gern mehrere Befehle auf einmal übernimmt, können wir beide Ersetzungen problemlos in einem (zugegebenermaßen länglichen) Rutsch erledigen:
[trish@lillegroenn inhalt]$ sed -e "s/<tag>/$DATE/" -e "s/<x>/$NAECHTE/" ~/adventskalender/einleitung 18x werden wir noch wach... Guten Morgen! Du darfst heute das 6. Tuerchen[...]
Versuchen wir jetzt, das Ergebnis (Backticks!) unseres schönen neuen sed-Monsters in mutt zu speisen (der Einfachheit halber ohne Subject- und Attachment-Angabe) …
[trish@lillegroenn Answergirl]$ mutt trish < `sed -e "s/<tag>/$DATE/" -e "s/<x>/$NAECHTE/" ~/adventskalender/einleitung` bash: : Ambiguous redirect
… spielt die Shell leider nicht mit: Sie ist mit unserer Umleitung (redirect, <) nicht einverstanden. Nun gut, wer mag, kann sich jetzt die Zeit mit mühseliger Fehlersuche um die Ohren schlagen – doch gab's da nicht auch noch die Pipe? Sollte das mit dem Umsetzen der Ausgabe eines Kommandos (sed) zur Eingabe eines anderen (mutt) auch schief gehen, können wir ja immer noch weiter brüten.
Also versuchen wir der Bash ein Schnippchen zu schlagen:
[trish@lillegroenn inhalt]$ sed -e "s/<x>/$NAECHTE/" -e "s/<tag>/$DATE/" ~/adventskalender/einleitung | mutt trish
… und es klappt!
Dann nehmen wir noch das Attachment-Argument für mutt hinzu (-a datei) und machen aus dem alten, langweiligen Subject Das Adventskalendertuerchen eines, das verrät, um das wievielte Fensterchen es sich dreht: -s "Das $DATE. Adventskalendertuerchen".
Ihr Kinderlein kommet!
Wer diesen Adventskalender exklusiv für seine/n Liebste/n oder die beste Freundin gebaut hat, ist damit schon aus dem Schneider. Alle Anderen müssen sich jetzt noch Gedanken machen, wie die Mail an mehrere Adressat(inn)en gehen soll, ohne dass gleich alle wissen, dass sie einfach nur Opfer eines Massenmailings geworden sind.
Da hilft die for-Schleife der Bash, die die Kommandos, die zwischen einem dem Schleifenkopf folgenden do und done stehen, so oft ausführt, wie in unserer zu erstellenden Adressliste Empfänger/innen stehen:
[trish@lillegroenn inhalt]$ for ADRESSE in trish pjung@linux-user.de > do > sed -e "s/<x>/$NAECHTE/" -e "s/<tag>/$DATE/" ~/adventskalender/einleitung | mutt $ADRESSE > done
Zum Testen benutzen wir hier natürlich wieder eigene Adressen, hier die lokale Benutzerin trish und die Adresse der Autorin, die Sie vielleicht mit dem fertigen Adventskalender – jedoch bitte nicht mit Ihren Tests beglücken wollen. Beim ersten Schleifendurchlauf erhält die Variable ADRESSE trish zugewiesen, und die Mail wird an den aktuellen Inhalt ($) dieser Variablen geschickt. Im zweiten Durchgang wird ADRESSE auf pjung@linux-user.de gesetzt, und das Spiel wiederholt sich mit ihrem neuen Inhalt.
Damit ist es an der Zeit, all unsere Bemühungen auch tatsächlich in einem Skript namens adventskal (z.B. unter ~/bin) abzulegen – Listing 1 zeigt das vollständige Progrämmchen.
Listing 1
adventskal, das Adventskalenderskript
#!/bin/sh
# Wo liegen die Programme, die wir brauchen?
PATH=/bin:/usr/bin
# Verzeichnis mit den zu verschickenden
# Attachments
KALENDER="$HOME/adventskalender/inhalt"
# einleitender Mailtext
TEXT="$HOME/adventskalender/einleitung"
DATE=`date +%d`
cd $KALENDER
# Das zu verschickende Attachment hat den
# zweistelligen Monatstag im Dateinamen
TUERCHEN=`ls $DATE*`
# Fuehrende Null weg
DATE=`echo $DATE | sed -e "s/^0//"`
# Wie oft werden wir noch wach?
NAECHTE=`expr 24 - $DATE`
for ADRESSE in \
# die Adressen der zu Beglueckendentrish
\pjung@linux-user.de
do
# Ersetzen der Platzhalter im einleitenden Mailtext
sed -e "s/<x>/$NAECHTE/" -e "s/<tag>/$DATE/" $TEXT | \
mutt -s "Das $DATE. Adventskalendertuerchen" \
-a $KALENDER/$TUERCHEN $ADRESSE
# ... und ab die Post: Auch das Subject der Mail
# wird jetzt an den Tag angepasst
done
Darin sind alle Dinge, die sich möglicherweise ändern können, in Variablen definiert: KALENDER enthält das Verzeichnis mit den Attachments in spe, TEXT die Datei mit dem Einleitungstext, und statt ~ verwenden wir die Umgebungsvariable HOME, um das Skript unser Homeverzeichnis heraus finden zu lassen.
Bleibt der PATH. Statt uns auf den Standardpfad zu verlassen, der alles Mögliche enthalten kann, erlegen wir dem Skript strikte Regeln auf, in welchen Verzeichnissen es nach ausführbaren Dateien suchen darf: Da sich alle benötigten Befehle in /bin und /usr/bin befinden (das Kommando which hilft, dies zu prüfen), gehen wir gar kein Risiko ein und lassen z.B. eine zweite mutt-Version, die vielleicht in /usr/local/bin liegt, außen vor.



