Wer wagt, gewinnt

Nach diesen Sicherungsvorkehrungen bringt uns su - in Machtposition. Doch halt! Um die X-Konfiguration zu ändern, müssen wir zwar nicht neu booten, wohl aber den X-Server neu starten. Da zeugt es nicht gerade von geistiger Wachheit, wenn wir uns in einem X-Terminal mit Superuser-Rechten ausstatten… Daher loggt man sich besser auf einer Textkonsole als root ein.

Wer jetzt einen Editor wie

vi /etc/XF86Config

benutzt, mit dem er/sie sich unsicher fühlt, ist selbst schuld… (Die Escape-Taste und :q! retten Sie ohne Schaden aus dem Würgegriff meines Lieblingseditors…). Statt jetzt die alten Pointer-Einträge zu löschen (Wir brauchen sie ja ohnehin wieder in mauslosen Zeiten.), kopieren wir sie einmal und kommentieren eine Version davon mit dem Kommentarzeichen # am Zeilenanfang aus. Außerdem fügen wir das Ergebnis unseres bisherigen Erkundungsprozesses ein:

Section "Pointer"
    # Protocol "PS/2"
    # Device "/dev/mouse"
    Protocol "Microsoft"
    Device "/dev/ttyS0"
EndSection

Damit können wir schon mal den ersten Test fahren. Wer seinen X-Server von einer Textkonsole aus startet, schließt dazu einfach den Window-Manager bzw. die Desktop-Umgebung und gibt das startx-Kommando. Wer sich hingegen grafisch einloggt, sorgt nach dem Ausloggen mit einem Strg+Alt+Backspace dafür, dass der X-Server beendet und dank des grafischen Logins automatisch neu gestartet wird. Die selbe Funktion erreicht man im kdm, dem KDE-Login-Manager, durch das Anwählen von Shutdown...-->Restart X Server-->OK (resp. Beenden...-->X-Server neu starten-->OK).

An die Tasten – im kdm

Da es nicht unwahrscheinlich ist, dass die Maus bei den Konfigurationsexperimenten am X-Server zeitweilig gar nicht geht, ist es gut zu wissen, dass sich der kdm auch mit der Tastatur bedienen lässt:

  • Mit der Tabulatortaste wechselt man den Fokus von einem Button zum anderen sowie von einem Menüeintrag zum nächsten.
  • Die Leertaste aktiviert ("drückt") einen Button oder einen Menüpunkt.
  • Die Escape-Taste schließt ein Menü, ohne eventuelle Auswahlen zu berücksichtigen. Hiermit lassen sich eventuell unbedachte Konfigurationsänderungen rückgängig machen, sofern sie noch nicht bestätigt wurden.

Jetzt ein wenig die Maus bewegen: Marschiert der Mauszeiger mit? Wunderbar. Rufen Linksklicks auf Icons und Menüpunkte Programme auf den Plan? Wie sieht's mit dem Markieren mit der linken Maustaste aus? Wenn's eine mittlere Maustaste gibt: Kann sie kopierten Text in ein X-Terminal "pasten", sprich kopieren? Poppen die gewohnten Menüs mit der rechten Maustaste auf?

Wer hier beim ersten Versuch alles mit Ja beantworten kann, sollte sich glücklich schätzen: Es wird selten genug der Fall sein.

Probieren geht über Studieren

Wenn sich der Mauszeiger gar nicht bewegt, kann das sowohl an der falschen Schnittstelle, als auch am falschen Protokoll liegen. Bewegt er sich nur ruckartig, ist letzteres schuld. In diesem Fall beißen wir wohl in den sauren Apfel und probieren sukzessive alle sinnvoll erscheinenden Protokolle durch. Man-Page lesen hilft, um das eine oder andere von Vornherein auszuschließen.

So ist das Protokoll Logitech bestenfalls für sehr alte Logitech-Mäuse geeignet, neuere sprechen in der Regel Microsoft oder MouseMan. Wer eine serielle Maus hat, kann die PS2-Protokolle sowieso ausschließen, SysMouse interessiert nur unter FreeBSD, OSMouse unter OS/2 (ja, auch für Nicht-Unixe gibt es X-Server!) oder SCO Unix, und eine Logitech-Wheelmouse spricht normalerweise IMPS/2 (vgl. auch den Linux-User-Artikel "Schnurlos scrollen" in Heft 01/2000).

Immer wieder dasselbe Spiel: /etc/XF86Config editieren, X-Server neu starten und Maus ausprobieren. Wenn sich der Nager endlich vernünftig bewegt, gibt es höchstens noch Kleinigkeiten zu richten: Besitzer/innen von Zwei-Tasten-Mäusen können unter der Device-Zeile mit Buttons 2 noch die Knopfzahl eintragen und in einer vierten Zeile in der Pointer-Sektion mit Emulate3Buttons die Funktion der fehlenden mittleren Maustaste auf das artistisch anmutende Kunsttück eines gleichzeitigen Drucks der linken und rechten Maustaste legen.

Damit sollten gängige, nicht gerade uralte Einfachmäuse zur Mitarbeit zu bewegen sein. Für darüber hinaus gehende Bedürfnisse sei im Interesse der Artikellänge auf – was wohl? genau! – die Man-Page verwiesen. Das anschließende Trial&Error-Verfahren bleibt sich auch dabei gleich.

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