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Action- und Geschicklichkeitsspiel Superhot

In Zeitlupe

Ein kleines polnisches Team hatte eine einfache aber brillante Idee: In ihrem Actionspiel läuft die Zeit nur dann weiter, wenn man sich selbst bewegt. Wer in der sterilen weißen Welt voran kommen möchte, benötigt daher neben etwas Geschick auch ein helles Köpfchen.

Der Blick wandert durch einen langen, weiß gestrichenen Gang. Am Ende stehen zwei Personen, die gerade seelenruhig ihre Waffen ziehen und zwei Schüsse abfeuern. In jedem anderen Computerspiel würde man jetzt in Panik verfallen und möglichst schnell Deckung suchen. Sobald man jedoch im Actionspiel Superhot regungslos stehen bleibt, läuft das Geschehen nur noch in extremer Zeitlupe ab. Zudem ziehen die Pistolenkugeln rote Spuren hinter sich her, womit sich ihre Flugbahnen recht gut vorhersagen lassen. Im weißen Gang kann man folglich elegant mit einem Schritt nach links den Geschossen ausweichen, dann zur Mitte des Gangs laufen, die dort liegende Pistole aufheben und zurückschießen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Geschosse ziehen eine rote Spur hinter sich her. Waffen muss man wie hier meist erst aufheben oder einem Ganoven aus der Hand reißen.

Im weißen Glashaus

Superhot markiert sämtliche Angreifer leuchtend rot, so dass man sie in der sterilen weißen Umgebung überdeutlich gut erkennen kann. Dennoch ist Superhot alles andere als leicht zu meistern. So greifen die Gegner meist von mehreren Seiten zeitversetzt an. Darüber hinaus gibt es in einigen Abschnitten bewegliche Hindernisse, wie etwa ein Auto, das auf den Spieler zurast. Mit einem (dauerhaften) Druck auf die Leertaste kann man zwar über das Auto hinwegspringen, dabei läuft jedoch die Zeit in normaler Geschwindigkeit weiter.

Die aus rotem Glas bestehenden Gegner lassen sich mit einem gezielten Schuss erledigen und zersplittern dann in tausend kleine Teile (Abbildung 2). Eine Waffe muss man jedoch meist erst finden und dann zeitraubend aufheben. Im Zweifelsfall lässt sich ein Angreifer auch im Nahkampf mit mehreren Faustschlägen ausknocken. Besitzt er eine Waffe, kann man ihm diese auch gleich noch abnehmen. Allerdings läuft man dabei immer Gefahr, dass der Gegner doch noch kurz vorher schießt. Mit etwas Glück findet man eine Bierflasche, einen Koffer oder einen anderen herumstehenden Gegenstand, den man einem Angreifer über das Glashirn ziehen kann (Abbildung 3).

Abbildung 2: Getroffene Gegner zersplittern in tausende Teile. Die rot glühenden Bereiche im Hintergrund markieren die Stellen, an denen gleich neue Gegner die Szene betreten.
Abbildung 3: Häufig starrt man direkt in die Mündung einer Pistole. Hier könnte man mit der Flasche auf dem Tresen das rote Männchen ins Reich der Träume schicken, um seinen Schuss zu verhindern.

Aber auch eine Waffe in der Hand ist kein Lotteriegewinn: Zum einen ist die Munition begrenzt, und zum anderen lädt die Waffe nach jedem Schuss erst einmal langsam nach. Man muss sich folglich gut überlegen, wann man einen Schuss wohin abfeuert. Solche Entscheidungen fallen wegen der verlangsamten Zeit schwer: Hat man einen laufenden Gegner direkt im Visier und drückt ab, kommt die Kugel erst an, wenn die rote Figur schon an einer anderen Stelle steht. Folglich muss man den Laufweg und die Geschwindigkeit des Angreifers abschätzen und dann auf eine passende Stelle neben ihm zielen.

Im späteren Spielverlauf darf der Spieler zudem den Körper mit dem eines Gegners tauschen. Auf diese Weise lässt sich insbesondere recht nahen Geschossen noch in letzter Sekunde ausweichen. Der Körpertausch ist jedoch immer erst nach einer etwas längeren Wartezeit möglich, Spieler können also nicht einfach munter einen Gegner nach dem anderen übernehmen.

Gefährliches Spiel

Jeder Treffer in Superhot wirkt umgehend tödlich. Das gilt sowohl für alle roten Gegner als auch für die Spielfigur. Per Tastendruck spult das Spiel jedoch zum Anfang des Abschnitts zurück, so dass man sein Glück erneut versuchen kann. Da niedergestreckte Gegner nur zersplittern, fließt in Superhot kein Blut. Dennoch ist das Actionspiel von der USK erst ab 16 Jahren freigegeben.

Das Spiel mit der Zeitlupe bettet Superhot in eine Geschichte ein, die leicht an den Film Matrix erinnert. Zu Beginn präsentiert Superhot nur einen kargen, merkwürdigen Textbildschirm. In ihm läuft ein Chat mit einer offenbar befreundeten Person, die dem Spieler ein neues geniales Actionspiel namens Superhot empfiehlt. Der Chat-Partner fackelt zudem nicht lange und kopiert gleich eine raubkopierte Fassung auf die Festplatte des Spielers. In einer an das gute alte MS-DOS erinnernden Benutzeroberfläche (Abbildung 4) muss dieser nur noch das Spiel anklicken – und findet sich umgehend in der weißen, sterilen Welt wieder, in der ihn eine rote gläserne Figur angreift. Weitere Informationen erhält man zunächst nicht – offenbar muss man nur diese roten Gesellen allesamt ausschalten. Im Laufe des Spiels meldet sich immer wieder mal der Chat-Partner zu Wort. Allerdings scheint sich in die Diskussion mit ihm zunehmend jemand einzumischen.

Abbildung 4: Das Hauptmenü sieht wie ein Uralt-Betriebssystem aus dem Hause Microsoft aus. Ein Klick auf "exit.exe" beendet das Spiel.

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