Thunderbird mit zehn Millionen Nutzern
Der Mozilla-Mailclient Thunderbrid verzeichnet zum elfjährigen Bestehen täglich über zehn Millionen Nutzer. Die Entwicklung von Thunderbird begann im Dezember 2004 mit einem Blogpost von Mozilla [1]. Die “Active Daily Inquiries” zählen die Anfragen der Thunderbird-Installationen nach Updates für Plug-ins bei den Mozilla-Servern, lässt Kent James (Vorsitzender des Thunderbrid-Beirats) in seinem Beitrag [2] wissen. Mit der Messung sei die Nutzerzahl aus verschiedenen Gründen – u. a. wegen Firewalls – wohl stark unterbewertet, schreibt Kent. Die Erfahrungswerte mit anderer Software zeigten, dass man den Wert der Messung mit 2,5 multiplizieren könne, was dann sogar 25 Millionen Nutzer entspräche.
Die Ankündigung [3] von Mozilla-Chefin Mitchell Baker, die Entwicklung von Thunderbird und Firefox zu trennen, betrachtet Kent als einen Schritt, der sich schon in den vergangenen drei Jahren angedeutet hat. Kent sieht es, in technischer Hinsicht, als wichtigsten Schritt an, eine von Firefox getrennte Release-Infrastruktur aufzubauen. Dazu habe Mozilla Hilfe angeboten. Eine getrennte Entwicklung bietet für Kern zudem dem Chance, gezielt Spenden für Thunderbird zu sammeln. Auf lange Sicht müsse dies zu einer von Mozilla und Firefox unabhängigen Finanzierung führen, so Kent.
Kent kündigte gleichzeitig die Veröffentlichung der nächsten Thunderbird-Version 45 für das erste Quartal 2016 an. Die Entwicklung werde auf jeden Fall weitergehen, und die Trennung auf den verschiedenen Ebenen finde nicht kurzfristig statt. (Ulrich Bantle/hge)
[1]https://blog.mozilla.org/press/2004/12/mozilla-thunderbird-1-0-email-client-has-landed/
[2]https://blog.mozilla.org/thunderbird/2015/12/thunderbird-active-daily-inquiries-surpass-10-million/
[3]https://groups.google.com/forum/#!msg/mozilla.governance/kAyVlhfEcXg/Eqyx1X62BQAJ
Open Source Press schließt
Der Münchner Verlag Open Source Press [1] stellt zum Jahresende 2015 sein operatives Geschäft ein. Das gab Markus Wirtz, Gründer und Geschäftsführer von Open Source Press bekannt.
Der Verlag habe laut Wirtz seit Sommer keine neuen Veröffentlichungen mehr getätigt, im Dezember ende nun auch der gesamte Buchvertrieb für gedruckte und E-Book-Ausgaben auf sämtlichen Kanälen. Der Geschäftsführer betont, dass man die Autoren über diesen Schritt bereits im Sommer informiert habe, außerdem habe man alle Verwertungsrechte ohne weitere Auflagen an die Urheber rückübertragen, so dass die Bücher künftig in anderen Verlagen erscheinen können.
Die Entscheidung kommentierte Markus Wirtz wie folgt: “Wir freuen uns, am Ende niemandem etwas schuldig zu bleiben und für unsere Entscheidung sehr viel Anerkennung geerntet zu haben. Trotz aller inhaltlichen und technischen Bemühungen ist es uns leider nicht möglich, unsere Arbeit wirtschaftlich sinnvoll fortzusetzen. Informationen finden gerade in der IT heute andere und vor allem vom klassischen Verlag unabhängige Wege der Verbreitung. Das zu erkennen und mit der Schließung des Verlags darauf zu reagieren, fällt uns nicht leicht.”
Open Source Press hatte unter anderem eine Vielzahl von Linux-Büchern im Angebot, darunter auch deutschsprachige Bücher für die Vorbereitung auf alle Stufen der Linux-Zertifizierungen beim Linux Professional Institute (LPI). Mit dem Verlag geht den Linux-Anwendern nach O’Reilly (deren Angebote von dpunkt übernommen wurden), Pearson (mit den weiteren Marken Addison-Wesley und Markt & Technik), Data Becker und Sybex ein weiterer Anbieter verloren, der über Jahre Bücher zu Linux im Angebot hatte. (Ulrich Bantle, Hans-Georg Eßer/hge)
LibreOffice: Mehr als 1000 Entwickler
Monatlich kommen nach der Meldung der Document Foundation [1] durchschnittlich 16 neue Entwickler an Bord des LibreOffice-Projekts, die zum Code beitragen. Dennoch will LibreOffice weiter um Entwickler werben. Die Komplexität des Officepakets sei durch die Verfügbarkeit auf drei Betriebssystemen (Linux, Windows, OS X) und diversen Plattformen (Desktop, Mobile, Cloud) ständig gewachsen. Diese Evolution müsse durch Entwickler mit neuen Fähigkeiten begleitet werden, heißt es seitens der Document Foundation. Das LibreOffice-Projekt sei bekannt für seine freundliche Atmosphäre und für den Spaß an der Sache, sagte Bjoern Michaelsen, Mitglied des Libreoffice Engineering Steering Committee und Director bei der Document Foundation. (Ulrich Bantle/hge)
[1]https://blog.documentfoundation.org/blog/2015/11/23/libreoffice-getting-ready-for-the-next-1000-hackers/
BSI hat TrueCrypt geprüft
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) damit beauftragt, die Verschlüsselungslösung TrueCrypt auf Sicherheitslücken zu prüfen. Das Fraunhofer SIT kommt im nun veröffentlichten Prüfbericht [1] zum Schluss, dass TrueCrypt für den Einsatz weiterhin geeignet ist. Das BSI hatte die Untersuchung veranlasst, weil TrueCrypt seit Version 7.1 nicht mehr weiterentwickelt wird, das vom BSI zugelassenene Produkt Trusted Disk [2] aber Teile von Truecrypt enthält. Sicherheitsschwächen von TrueCrypt könnten so auch Trusted Disk betreffen, befürchtete das BSI.
Das SIT hat sich bei der Überprüfung auch die vorangegangenen Sicherheitsprüfungen (Audits) angesehen. Zwar hat das SIT zwei Fehler gefunden und bekannte Schwächen dokumentiert, für die Verschlüsselung sei TrueCrypt aber geeignet. Allerdings bemängeln die Prüfer neben einer schlecht strukturierten Dokumentation auch einen teilweise ebensolchen Code, der Redundanzen und unsaubere Stellen aufweise. Der TrueCrypt-Bericht ist als PDF-Datei verfügbar. (Ulrich Bantle/hge)
[1]https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Publikationen/Studien/Truecrypt/Truecrypt.pdf
Volksverschlüsselung von Telekom und Fraunhofer
Die Deutsche Telekom und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) wollen mit der “Volksverschlüsselung” eine unkomplizierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails anbieten. Die vom Fraunhofer Institut entwickelte Verschlüsselung wird von der Telekom in einem Hochsicherheits-Rechenzentrum betrieben, so die beiden Anbieter [1]. Die Software soll im ersten Halbjahr 2016 verfügbar sein.
Die Volksverschlüsselung generiert laut Fraunhofer die notwendigen Verschlüsselungsinformationen und konfiguriert auch die E-Mail-Programme vor. Das Programm setzt dabei auf die in den Mailclients schon vorhandenen Verschlüsselungsoptionen. Im ersten Schritt sollen Windows-Nutzer bedient werden, die Mailprogramme Outlook und Thunderbird sind als Basis genannt. OS X und Linux sollen folgen. Die Software unterstütze zunächst den S/MIME-Standard und in einem folgenden Schritt OpenPGP.
Kryptografische Schlüssel werden direkt auf dem Endgerät des Nutzers erzeugt. Diese privaten Schlüssel verbleiben ausschließlich beim Nutzers. Im ersten Schritt erfolge die Authentifizierung über Anmeldeverfahren der Deutschen Telekom oder über den elektronischen Personalausweis. Weitere Verfahren zur Identifikation seien geplant. Fraunhofer will den Quellcode nach Veröffentlichung der Software allgemein zur Verfügung stellen. Auf der Webseite [2] gibt es weitere Informationen. (Ulrich Bantle/hge)
[1]https://www.sit.fraunhofer.de/de/news/aktuelles/presse/details/news-article/verschluesselte-e-mails-fuer-jedermann/
Microsoft VS Code 0.10.3: Open Source
Bei der Entwicklerkonferenz “connect();” in New York hat Microsoft verkündet, dass der auch für Linux erhältliche Editor Visual Studio Code [1] nun Open Source ist. Das Programm steht für Linux, OS X und Windows bereit und wurde bislang schon kostenfrei angeboten. Nun steht der Editor unter einer Open-Source-Lizenz (MIT) und ist auf Github [2] verfügbar.
Dem Editor ist mit Version 0.10.3 auch der Sprung vom Pre-release- in den Betastatus gelungen. Zudem unterstützt VS Code auch Erweiterungen von Drittanbietern. Microsoft kündigte rund 50 Erweiterungen für den Editor an, darunter auch eine für die Programmiersprache Go. Diese sowie hunderte weitere Erweiterungen sind im Visual Studio Marketplace [3] oder über die “Galerie” im Editor verfügbar. Letztere ist über [F1] und das in den Editor integrierte Kommando ext install verfügbar. Die Zusammenarbeit zwischen Farb-Themes und Syntax Highlighting für verschiedene Programmiersprachen soll nun ebenfalls besser funktionieren. (Ulrich Bantle, Hans-Georg Eßer/hge)
[1]https://code.visualstudio.com/
Raspberry Pi Zero für 5 US-Dollar
Eine neue Version des beliebten Bastelrechners Raspberry Pi gibt es jetzt zu einem sehr niedrigen Preis. Im Laden müssen Interessenten allerdings deutlich mehr als 5 Dollar ausgeben. Der neue Raspberry Pi Zero [1] ist eine abgespeckte Variante des Raspberry Pi A+. Das wird schon an der Größe deutlich: Die Platine ist nur 65 x 30 mm groß. Als Prozessor wird der Broadcom BCM2835 verbaut, dabei handelt es sich um die Variante mit nur einem Kern. Getaktet ist er mit 1 GHz. Der Speicher ist 512 MByte groß. Es stehen lediglich zwei Micro-USB-Ports zur Verfügung, einer davon dient zur Stromversorgung. Für Massenspeicher steht wieder ein Micro-SD-Slot bereit. Das Videosignal wird über einen Micro-HDMI-Ausgang ausgegeben. Alternativ steht ein Composite-Signal zur Verfügung, dafür muss der Nutzer aber zum Lötkolben greifen. Das gilt auch, wenn die GPIO-Leiste mit 40 Kontakten verwendet werden soll. Sie ist zwar vorhanden, aber die entsprechende Pinleiste muss der Käufer selbst einlöten. Ein Netzwerkanschluss fehlt.
Die Raspberry Pi Foundation bewirbt den Zero als 5-Dollar-Rechner. Allerdings wird es ihn zu diesem Preis für normale Kunden nicht direkt zu kaufen geben. In die Läden kommt er im Paket mit einer einzulötenden Pinleiste, einem USB-Adapter-Kabel und einem HDMI-zu-HDMI-Micro-Adapter. Der Kaufpreis wird in Deutschland deshalb kaum unter 16 Euro liegen.
Der Raspberry Pi Zero ist nicht das erste Raspberry Pi im Kleinstformat. Bereits seit 2014 gibt es das Compute Module [2] in ähnlich kleiner Größe und mit gleichen Leistungsdaten. Bei ihm wurden alle Anschlüsse als Steckerleiste wie bei einem Speichermodul ausgeführt. Aufgrund des relativ hohen Preises von mindestens 27 Euro und der Notwendigkeit eines zusätzlichen Breakout-Boards war es für private Bastler weitgehend uninteressant. (Alexander Merz/hge)
[1]https://www.raspberrypi.org/blog/raspberry-pi-zero/
[2]http://www.golem.de/news/raspberry-pi-compute-module-ab-sofort-lieferbar-1406-106550.html
HTCs VR-Brille Vive kommt im April 2016
HTC kündigt eine fertige Endkundenversion der Virtual-Reality-Brille Vive für den April 2016 an. Im Januar soll nochmal ein zweites Entwickler-Kit erscheinen. Unklar bleibt der Status des Linux-Supports.
Im hauseigenen Blog hat HTC ein Update zu den Plänen mit Valves VR-Brille Vive geliefert [1]. Demnach soll zunächst am 18. Dezember eine Entwicklerkonferenz in Peking stattfinden, Anfang 2016 gibt es dann ein neues Modell für die Entwickler. HTC will für diese Phase 7000 zusätzliche Brillen produzieren.
Die VR-Brille Vive wurde von Valve entwickelt, sie wird von HTC produziert und soll mit Steam VR funktionieren. Zum Linux-Support gibt es widersprüchliche Meldungen – zumindest, was den Startzeitpunkt betrifft. In einem Interview vom August auf der Gamescon 2015 erklärte Jeff Gattis, damals nach Marketing-Chef für Connected Products bei HTC, dass die Vive Linux, OS X und Windows als Plattformen unterstützen werde. Die Frage lautete allerdings, ob das vom ersten Tag an der Fall sein werde, was Gattis nicht klar beantwortete. Im Juni hatte Gattis gegenüber der Zeitschrift Gamestar noch erklärt, die Steam-Boxen wären wohl zu langsam für die Vive-Brillen [2].
Der Macher der Oculus Rift [3] hatten bereits im Mai angekündigt, den Support für OS X und Linux zu “pausieren”, um sich nur auf eine Plattform zu konzentrieren. Da die Steam Machines aber unter Linux laufen und Valve weiter fleißig Spiele portiert, dürfte die Vive für VR-Interessierte mit Linux-Hintergrund die interessantere Alternative sein. Im Unterschied zur Oculus Rift ist die HTC Vive darauf ausgelegt, dass sich die Spieler im Raum bewegen. (Kristian Kißling/hge)
[1]http://blog.htc.com/2015/12/htc-vive-update/
[2]http://www.gamestar.de/hardware/tft-monitore/valve-steamvr/news-artikel/steam_vr_mit_htc_vive_ausprobiert,908,3086883.html
Puppy Linux 6.3 (“Slacko”)
Die auf Slackware basierende Distribution Puppy Linux [1] liegt in einer neuen Version vor, die es erstmals in 32- und 64-Bit-Fassungen gibt. Puppy Linux ist vor allem für den Einsatz auf schwächeren, älteren Rechnern gedacht.
Version 6.3 mit Codename Slacko basiert auf Slackware 14.1 und aktualisiert vor allem die mitgelieferten Komponenten. So haben die Entwickler die Anwendung “First Run” optisch überarbeitet. Als Linux-Kernel kommt Version 3.14.55 zum Einsatz. Dieser lässt sich mit dem neuen change_kernel-Skript leicht gegen die ebenfalls verfügbaren Kernel 3.18.22 oder 4.1.11 tauschen. Neu ist auch ein grafisches Firewallprogramm. In aktuellen Versionen sind zudem Firefox, Abiword, Ffmpeg und Joe’s Window Manager enthalten. Evince ersetzt zudem den PDF-Viewer epdfview.
Sämtliche Änderungen listen die Release Notes [2] auf, links zum Download finden sich in der Ankündigung [3] und auf der Slacko-Homepage [4]. (Tim Schürmann/hge)
[2]http://distro.ibiblio.org/puppylinux/puppy-slacko-6.3.0/32/release-Slacko-6.3.0.htm









