Linux und mobile Kleincomputer

Smartphone und Tablet

Schon für 100 Euro gibt es Tablets oder Smartphones, die leistungsfähiger als ein zehn Jahre alter Standard-PC sind. Mit zahlreichen Apps für Android oder iOS und Internetzugang sind die Kleinrechner wahre Multitalente und darum zu Recht beliebt. Wir schauen, wie Linux reagiert, wenn Sie ein solches Gerät an den PC anschließen.

Moderne mobile Geräte, also Smartphones und Tablet-Computer, bringen große Speicherkapazitäten mit und können große Mengen an Musikdateien und anderen Dokumenten speichern. Für den Transfer der Dateien greifen die Besitzer in der Regel auf Synchronisierungsdienste zurück, so kann man z. B. mit der Dropbox-App bequem auf Dokumente zugreifen, die man vorher vom PC aus in die Dropbox geschoben hat. Da alle Geräte und auch der PC ständig online sind – entweder über WLAN oder über mobiles Internet –, stellt sich selten die Frage des physischen Transfers.

Trotzdem ist es interessant zu schauen, was beim Anschließen eines Handys an den Linux-PC passiert: Wollen Sie z. B. auf ein neu gekauftes Smartphone die 5 GByte große MP3-Sammlung kopieren, ist der WLAN-Weg nicht unbedingt der beste. Aber kommen die Geräte mit einem Direkttransfer über das USB-Kabel überhaupt klar? Wir haben mehrere Geräte von Apple (iOS) und Android-Anbietern an einen aktuellen Linux-PC mit OpenSuse 13.2 angeschlossen und getestet, welche Möglichkeiten des Zugriffs es gibt. Der Artikel beginnt mit einer Besprechung der Android-Geräte, denn dieses mobile Linux-basierte Betriebssystem ist der klare Marktführer. Danach geht es um iOS-Geräte.

USB-Verbindungen

Vorab ein schlechte und eine gute Nachricht: Die USB-Verbindungsexperimente waren sämtlich erfolglos, man kommt auf dem Weg nicht zuverlässig an die Dateien auf dem Handy heran, das galt im Test sowohl für OpenSuse als auch Kubuntu – im Internet finden sich zwar zahlreiche Anleitungen, wie es geht (und wie man eventuelle Probleme behebt), aber auch genauso viele frustrierte Rückmeldungen, dass keines der Verfahren erfolgreich war. Wie so oft gilt hier: YMMV ("your mileage may vary"), auf Deutsch: Bei Ihnen könnte es besser oder schlechter laufen als in unseren Tests.

Die gute Nachricht: Wer daheim ein WLAN betreibt, kann auf USB-Experimente verzichten und Dateien drahtlos übertragen – das funktioniert völlig problemlos, zumindest mit Android-Geräten. Für iOS gibt es ähnliche Optionen, die aber hinter Android zurück bleiben. Als Einschränkung bleibt hier nur, dass der WLAN-Transfer bei großen Datenmengen eben ein wenig Zeit benötigt.

Android

Für unsere Tests haben wir die Samsung-Smartphones Galaxy S5, S3 und S3 mini sowie das Galaxy Tab und einen älteren No-name-Tablet-PC von Aldi via USB an den PC angeschlossen. Unabhängig vom jeweiligen Gerät war das Ergebnis sehr enttäuschend: Zwar zeigte KDE sofort ein neues Gerät an und schlug vor, Bilder zu importieren oder den Dateimanager zu starten (Abbildung 1), es war aber kein Zugriff auf die Dateien möglich: Jeder Versuch, als normaler Benutzer mit den Geräten zu arbeiten, führte regelmäßig zur Fehlermeldung Konnte das USB-Gerät nicht beanspruchen.

Abbildung 1: Per USB angeschlossene Android-Geräte erkennt Linux sofort und bietet verschiedene Zugriffsmöglichkeiten an.

Abhilfe schien zunächst das Öffnen eines Dateimanagerfensters mit Administratorrechten zu schaffen (Anwendungen / System / Dateiverwaltung / Dateimanager -- Superuser-Modus oder schneller über die Suche nach Datei und Auswahl des Treffers Dateimanager -- Superuser-Modus), denn damit ließ sich zumindest die Ordnerstruktur auf dem internen Gerätespeicher sowie auf einer eingebauten SD-Karte anzeigen. Bei Versuchen, einzelne Dateien per Drag & Drop auf den Rechner zu übertragen, erschien jedoch meist nach kurzer Zeit eine Fehlermeldung zum MTP-Protokoll (Abbildung 2).

Abbildung 2: Beim MTP-Zugriff via USB sieht man zwar die Ordnerstruktur auf dem Android-Gerät, aber Dateizugriffe führen regelmäßig zu nicht behebbaren Fehlern.

Im nächsten Versuch haben wir die Software go-mtpfs getestet, die sich unter OpenSuse via sudo zypper in go-go-mtpfs installieren lässt, Kubuntu-Anwender installieren mit sudo apt-get install mtpfs. Nun ist nur noch ein neuer Ordner (z. B. Android direkt im Home-Verzechnis) zu erzeugen, und dann gibt man das Kommando

go-mtpfs ~/Android

ein (bei Kubuntu: mtpfs ~/Android ohne führendes "-go"). Dieser Befehl hängt das Android-Gerät im angegebenen Ordner ein, und nun ist der Zugriff über den Dateimanager Dolphin, aber auch aus der Shell sowie beliebigen anderen Anwendungen heraus möglich. Im Terminalfenster, in dem go-mtpfs gestartet wurde, erscheinen noch Protokollmeldungen über jeden angestoßenen Dateitransfer.

Mit diesem Tool funktionierte der Zugriff anfangs ganz gut, aber auch hier brach nach kurzer Zeit die Verbindung mit MTP-Fehlermeldungen ab.

Zum Vergleich: Auch Windows-Anwender berichten oft von Problemen beim Zugriff auf MTP-Geräte, aber in unserem Test gab es mit mehreren Android-Geräten keinerlei Probleme. So konnten wir z. B. ohne Schwierigkeiten Dateien zwischen zwei Samsung-Galaxy-Geräten hin und her kopieren (Abbildung 3). Beim ersten Anschluss eines Android-Geräts war Windows 8 zwar eine halbe Stunde damit beschäftigt, "neue Hardware einzurichten" (detaillierter war der Hinweis des Betriebssystems nicht), aber danach klappte alles reibungslos. Wer ein Dual-Boot-System mit Windows und Linux besitzt, sollte also für Massentransfers vom oder zum Handy auf Windows zurückgreifen – Besitzer Windows-freier Rechner wird diese Botschaft nicht freuen (siehe Kasten Kommentar).

Abbildung 3: Unter Windows funktionierte in unserem Test der Zugriff auf Android-Geräte reibungslos – auch mit zwei gleichzeitig via USB angeschlossenen Smartphones.

Kommentar

Mein Smartphone arbeitet mit Android, ist also im Grunde ein weiterer Linux-PC (Abbildung 4). Ich habe es gekauft, weil ich auch auf dem PC mit Linux arbeite, die beiden Geräte gehören damit zum gleichen Ökosystem. Das war derselbe Grundgedanke, dem auch Apple-Benutzer folgen, wenn sie sich passend zu MacBook und iMac ein iPhone und ein iPad kaufen: Das wird schon alles gut zusammenspielen.

Abbildung 4: Die Versionsinformationen verraten es: Auf diesem Galaxy S5 läuft ein Linux-Kernel 3.4.0 – auch wenn das Wort "Linux" nicht auftaucht.

Bei Apple ist das auch richtig, da ist alles aus einem Guss, man versteht sich. Aber in der Android-Welt gelten andere Regeln. Die ersten Android-Geräte haben sich als externe Datenträger angemeldet, wenn man sie an einen Rechner anschloss – das ist perfekt, denn dann handelt es sich aus Sicht des Rechners einfach um einen USB-Stick, und beim Zugriff gibt es keine Schwierigkeiten. Aber nein, Android macht das viel cleverer und setzt auf Microsofts MTP-Protokoll (Media Transfer Protocol), eine Weiterentwicklung von PTP (Picture Transfer Protocol). Beim Anschluss an einen Linux-PC läuft das nicht rund – so gar nicht rund. Hinweise aus dem Internet, dass es auch unter Windows manchmal Probleme beim MTP-Zugriff gibt, stimmen mich nicht versöhnlich, denn wir reden nicht von "manchmal". (Die Wikipedia-Seite zu MTP verrät: "Unter Linux, Windows und OS X gibt es oft Probleme beim Zugriff auf MTP-Geräte.") Was bitte ist so schwierig daran, zwei Geräte über ein Kabel zu verbinden und den Austausch von Dateien zu erlauben?

Die Begründung für die Umstellung auf MTP ist, dass das Android-Gerät während der MTP-Anbindung weiterhin voll benutzbar bleibt – bei einer USB-Stick-artigen Nutzung gibt es dann konkurrierenden Zugriff auf Dateien, der für das Betriebssystem auf dem Handy oder Tablet problematisch ist. Aber dann sollen die Hersteller halt einen reinen Transfermodus anbieten, in den man das Gerät booten kann, um die Daten zu kopieren.

Die Situation zeigt leider, dass Linux-Anwender für Android-Entwickler Google keine wichtige Zielgruppe sind. Kaufmännisch gesehen ist das sicher verständlich, weil die Zahl der Linux-Desktops im Vergleich zu den Windows-Installationen klein ist – aber sich am Linux-Kernel kostenlos zu bedienen und dann nicht mal dafür zu sorgen, dass die Linux-Gemeinde die Geräte gescheit nutzen kann, ist – milde gesagt – schwach. (Hans-Georg Eßer)

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