Strategiespiel “Battle Worlds: Kronos”

Aus EasyLinux 01/2015

Strategiespiel “Battle Worlds: Kronos”

Schach mit Panzern

Noch bis in die 1990er Jahre waren bockschwere rundenbasierte Strategiespiele äußerst beliebt. Der deutsche Entwickler King Art Games lässt diese gute alte Zeit in modernem Gewand wieder aufleben. Wer die gestellten Missionen meistern möchte, braucht eine gute und wohlüberlegte Taktik.

Battle Worlds: Kronos ist ein klassisches rundenbasiertes Strategiespiel: Auf einer aus Hexfeldern zusammengesetzten Landschaft zieht der Spieler nacheinander seine Panzer, Spähtrupps und Boote. Geraten sie in Schlagdistanz zu einem Feind, lässt er sie mit einem gezielten Mausklick angreifen. Jede Einheit führt allerdings nur eine limitierte Anzahl Aktionen aus. Ein Cerberus-Panzer kann beispielsweise ein paar Felder weit fahren und genau einen Gegner angreifen. Sind alle Aktionen aufgebraucht, steht die Einheit regungslos auf ihrem Feld und blockiert dieses gleichzeitig für andere Einheiten. Ähnlich wie beim Schach muss man sich folglich genau überlegen, in welcher Reihenfolge man welche Einheiten wohin zieht.

Der Nächste, bitte!

Haben alle Einheiten ihre Aktionen ausgeführt oder verzichtet der Spieler auf weitere Anweisungen, darf der Gegner sein Kriegsgerät bewegen. Da das Spiel somit strikt rundenbasiert abläuft, muss man bei einem Angriff des Gegners erst einmal tatenlos zusehen. Immerhin schießt eine angegriffene Einheit automatisch zurück, allerdings nur einmal: Treffen in derselben Runde noch andere Panzer, bleiben diese folglich verschont. Als wäre das noch nicht genug, schießt das lädierte Gefährt durch den zuvor angerichteten Schaden schwächer zurück.

Im Kampf gewinnt jede Einheit an Erfahrung. Ähnlich wie in einem Rollenspiel steigt sie nach einer Weile einen Level auf. Der Spieler erhält dann die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu verbessern: So lässt sich etwa die Panzerung um ein paar Prozentpunkte verstärken oder das Vehikel reparieren.

Aufstellung

Jede Einheit besitzt ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. So sind beispielsweise Explorer schnelle Aufklärungsfahrzeuge, die pro Zug besonders weit fahren können. Dafür richten sie mit ihren Waffen nur geringen Schaden an und können einen Gegner nur dann angreifen, wenn er auf einem Feld direkt neben ihnen steht. Das fahrbare Artilleriegeschütz Priest wiederum hat zwar einen recht großen Trefferradius und eine durchaus ordentliche Durchschlagskraft (Abbildung 1). Um aber überhaupt feuern zu können, muss das Geschütz erst sein Kanonenrohr ausfahren, was wiederum eine Runde Zeit kostet. Zudem verbraucht die Priest-Artillerie die von ihr verschossene Munition. Man muss folglich auf irgendeinem Weg für Nachschub sorgen.

Abbildung 1: Das hier aufgebaute Priest-Geschütz erreicht Gegner nur zwischen den zwei blauen Linien.

Abbildung 1: Das hier aufgebaute Priest-Geschütz erreicht Gegner nur zwischen den zwei blauen Linien.

Eine weitere wichtige Rolle bei Angriffen spielt die Positionierung der Einheiten. Je mehr eigene Einheiten auf den Feldern direkt um einen Gegner stehen, desto größer ist der beim Gegner angerichtete Schaden. Im Gegensatz zu vielen anderen Strategiespielen ist in Battle Worlds: Kronos folglich eine aggressive Klammertaktik gefordert. Darüber hinaus besitzen die verschiedenen Einheiten einen unterschiedlich weiten Angriffsradius. Der Bandit-Buggy kann z. B. einen Gegner nur dann angreifen, wenn er genau zwei Felder von ihm entfernt steht (wie in Abbildung 2).

Abbildung 2: Die blau markierten Felder zeigen an, auf welche Felder der Bandit-Buggy feuern kann. Unter Beschuss steht dabei gleich der rote Explorer, der zudem von zwei weiteren Fahrzeugen eingekeilt ist und somit zusätzlichen Schaden erleidet.

Abbildung 2: Die blau markierten Felder zeigen an, auf welche Felder der Bandit-Buggy feuern kann. Unter Beschuss steht dabei gleich der rote Explorer, der zudem von zwei weiteren Fahrzeugen eingekeilt ist und somit zusätzlichen Schaden erleidet.

Ende Gelände

Auch die Landschaft hat Auswirkungen auf die Taktik. So können sich etwa auf schmalen Brücken die Einheiten zwar überholen, sie müssen aber in einer Reihe hintereinander stehen (wie es Abbildung 3 demonstriert). Des Weiteren sieht der Spieler vom Spielfeld immer nur so viel, wie seine Einheiten aktuell einsehen können – der Rest der Karte liegt im Dunklen. Um herauszufinden, was der Gegner gerade so treibt, muss man einen Spähtrupp vorschicken.

Abbildung 3: Auf Brücken funktioniert die Klammerungstaktik nicht. Das Luftkissenfahrzeug rechts unten kann nur auf dem Sand, nicht aber an der Steilküste gegenüber anlegen.

Abbildung 3: Auf Brücken funktioniert die Klammerungstaktik nicht. Das Luftkissenfahrzeug rechts unten kann nur auf dem Sand, nicht aber an der Steilküste gegenüber anlegen.

Mit einigen ausgewählten Infanterie-Einheiten lassen sich Gebäude erobern. Diese halten je nach Mission weitere Einheiten parat, können diese produzieren oder sogar reparieren. Am Ufer von größeren Seen sollte man nach Häfen (Abbildung 4) Ausschau halten: In ihnen lassen sich neben Kampfschiffen auch Luftkissenfahrzeuge produzieren. Letztgenannte transportieren die eigenen Truppen zügig ans andere Ufer oder im Idealfall in den Rücken des Gegners. Die Landezone muss allerdings ein flacher Strand sein.

Abbildung 4: Gebäude wie hier den Hafen können nur ganz bestimmte Infanterie-Einheiten übernehmen, indem sie diese mehrfach beschießen.

Abbildung 4: Gebäude wie hier den Hafen können nur ganz bestimmte Infanterie-Einheiten übernehmen, indem sie diese mehrfach beschießen.

Mehr Spaß

Während in der zweiteiligen Kampagne die einzelnen Missionen eine kleine Hintergrundgeschichte verbindet, darf man zusätzlich auf einzelnen Karten gegen den Computer antreten. Darüber hinaus bietet Battle Worlds: Kronos einen Mehrspielermodus, in dem zwei Spieler gegeneinander kämpfen – entweder über das Internet oder gemeinsam vor einem Computer (“Hot-Seat”). Im zweiten Fall übergibt man nach einer Runde Tastatur und Maus an den Kontrahenten.

Zusätzlich kennt Battle Worlds: Kronos einen asynchronen Mehrspielermodus. Der funktioniert ähnlich wie eine Schachpartie, bei der beide Parteien ihre Züge über Postkarten austauschen: Sobald eine Runde abgeschlossen ist, schickt das Spiel die durchgeführten Züge an einen Server im Internet. Dort holt sich dann das Spiel des Kontrahenten die Daten ab. Wem die mitgelieferten Karten nicht ausreichen, der kann sich zahlreiche von Fans gebastelte Missionen herunterladen. Ein Karteneditor stand bei Redaktionsschluss allerdings nur in einer Windows-Version zur Verfügung.

Abbildung 5: Battle Worlds: Kronos bietet verschiedene Ansichten auf das Schlachtfeld, darunter diese Übersichtskarte.

Abbildung 5: Battle Worlds: Kronos bietet verschiedene Ansichten auf das Schlachtfeld, darunter diese Übersichtskarte.

Die Masse macht’s

Um Battle Worlds: Kronos fertigstellen zu können, bat der Hersteller King Art Games auf Kickstarter [4] um Spenden und Vorbestellungen. Obwohl das in Bremen ansässige Unternehmen nur 120?000 Dollar verlangte, kamen am Ende über 260?000 Dollar zusammen. Mittlerweile kann jeder das fertige Strategiespiel für 20 Euro über Steam [3] oder für 16 Euro auf Gog.com [2] erwerben. In beiden Fällen erhält man neben dem eigentlichen Spiel auch die von den Entwicklern nachgeschobene Erweiterung “Trains”. Wie ihr Name andeutet, enthält sie eine neue kurze Kampagne mit Zügen und weiteren neuen Einheiten. Auf Steam bietet King Art Games zudem eine 23 Euro teure Digital Deluxe Edition an, die PDF-Dokumente mit zahlreichen Tipps sowie den Soundtrack umfasst. Letztgenannter gehört bei Gog.com standardmäßig zum Lieferumfang.

Beim Kauf über Gog.com erhalten Sie ein knapp 900 Mbyte großes tar.gz-Archiv. Dieses können Sie einfach auf Ihrer Festplatte entpacken. Dazu klicken Sie die Datei mit der rechten Maustaste an und wählen Entpacken / Archiv hierher auspacken. Wechseln Sie dann in das Verzeichnis Battle Worlds – Kronos und starten Sie dort mit einem Mausklick die Datei start.sh.

Fazit

Battle Worlds: Kronos hat einen extrem hohen Schwierigkeitsgrad. Einsteiger überstehen schon die erste Mission kaum ohne eigene Verluste. Unfair ist das Spiel jedoch nie: Mit etwas Köpfchen und einer passenden Taktik lässt sich jede Mission meistern. Die vielen verschiedenen Einheiten mit ihren individuellen Vor- und Nachteilen erlauben komplexe und vielschichtige Vorgehensweisen. Damit lässt sich Battle Worlds: Kronos aber auch nicht an einem Wochenende durchspielen. Für jede Mission sollte man durchaus mehrere Stunden Spielzeit einplanen.

Die Grafik ist nett anzusehen, besondere Effekte darf man jedoch nicht erwarten. Die recht einfach gestrickte Hintergrundgeschichte um die Macht im Universum hält die einzelnen Missionen mehr recht als schlecht zusammen. Unter dem Strich ist Battle Worlds: Kronos das ideale Spiel für lange verregnete Winterabende. Wer Strategiespiele mag und eine Herausforderung sucht, sollte deshalb zugreifen. (hge)

Battle Worlds: Kronos

Entwickler: Hemisphere Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 10 Dollar
Voraussetzungen: Prozessor ab 2,4 GHz, mindestens 2 GByte Hauptspeicher, 3 GByte freier Festplattenplatz, Grafikkarte der Klasse GeForce 260 oder besser, aktivierter 3D-Grafikkartentreiber
Abbildung 6: Die Geschichte erzählt das Spiel hauptsächlich mit zahlreichen Texteinblendungen. Kurze Zwischensequenzen gibt es nur wenige.

Abbildung 6: Die Geschichte erzählt das Spiel hauptsächlich mit zahlreichen Texteinblendungen. Kurze Zwischensequenzen gibt es nur wenige.

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