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Windows-Programme mit CrossOver Linux 14

Nützliche Notlösung

Haben Sie den Umstieg von Windows auf Linux erfolgreich bewältigt und stellen fest, dass Sie doch zwingend das eine oder andere Windows-Programm benötigen, können Sie zwar eine virtuelle Maschine einrichten, schneller und effizienter nutzen Sie z. B. Microsoft Office aber mit CrossOver Linux.

Windows-Programme in virtuellen Maschinen mit einer Windows-Installation zu nutzen, ist ein häufiges EasyLinux-Thema. Das erspart Ihnen das Vorhalten einer parallelen Windows-Installation auf der gleichen Festplatte und das wechselnde Starten den einen oder anderen Umgebung per Dual-Boot.

Möchten Sie nur wenige, spezielle Windows-Programme nutzen, gleicht das Einrichten einer virtuellen Maschine aber dem sprichwörtlichen "mit Kanonen auf Spatzen schießen", zumal Performance und Handhabung einer virtuellen Windows-Maschine auf einem Linux-PC nur dann brauchbar sind, wenn Sie die Gasterweiterungen einrichten. Die Arbeit mit virtuellen Maschinen ist also recht aufwendig, und Sie müssen auch eine Windows-Lizenz besitzen, weil Sie in der virtuellen Maschine eine ganz normale Windows-Installation einrichten. Hinzu kommt, dass Sie bei jedem Kernel-Update auch die Treiber für das Virtualisierungsprogramm aktualisieren müssen.

Windows-Umgebung mit Wine vorgaukeln

Die elegantere Lösung ist, Linux eine Windows-Systemumgebung vorzugaukeln, so dass Windows-Programme die gewohnten Systemaufrufe, Bibliotheken und Schnittstellen "sehen". Diese können dann ohne den Overhead einer virtuellen Umgebung nahezu mit nativer Geschwindigkeit laufen.

Der Ansatz hat den bekannten Pferdefuß, dass Windows keine quelloffene Software ist und die benötigten Informationen (für das Nachbilden der Windows-Umgebung) nicht verfügbar sind. Die Entwickler des Open-Source-Projekts Wine [1] widmen sich schon seit 1993 der Herkulesaufgabe, die Windows-Systemumgebung durch Reverse Engeneering zu analysieren und nachzubauen. Da noch nicht alle Windows-Programmbibliotheken nachgebaut wurden, kann Wine die Bibliotheken (DLL-Dateien) einer vorhandenen Windows-Version nutzen, um die Kompatibilität zu verbessern – dafür ist dann aber doch wieder eine Windows-Lizenz erforderlich.

Wine wurde über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt und lag bis Redaktionsschluss noch in der stabilen Version 1.6.2 von Januar 2014 vor. Mit Erscheinen des Heftes dürfte die Version 1.7.32 verfügbar sein. Zwar nutzen einige kleinere Entwickler von Windows-Programmen und Freeware-Anbieter gelegentlich Wine für eine schnelle Portierung ihrer Anwendungen auf Linux, im Einzelfall ist es aber oft sehr aufwendig, ein bestimmtes Programm unter Wine zufriedenstellend (oder überhaupt) zum Laufen zu bekommen.

Codeweavers CrossOver

CrossOver Linux [2] ist eine optimierte Wine-Version des kleinen US-amerikanischen Softwareherstellers Codeweavers, der seit 1996 an dieser kommerziellen Wine-Version arbeitet. Sie war ursprünglich nur dazu gedacht, Microsoft Office unter Linux lauffähig zu machen, Codeweavers ist aber inzwischen auch einer der Hauptsponsoren des Wine-Projekts und beschäftigt einige der Wine-Entwickler. Dabei fließen Verbesserungen, welche die CrossOver-Entwickler am unter der LGPL lizenzierten Wine-Quellcode vornehmen, in das freie Projekt zurück. CrossOver Linux steht unter einer proprietären Lizenz. Vor wenigen Wochen ist die neue Version 14 erschienen, die zahlreiche populäre Windows-Anwendungen, vor allem auch Spiele – offiziell unterstützt.

Eine große Orientierungshilfe ist die regelmäßig von Codeweavers veröffentlichte Kompatibilitätsliste [3], die populäre Windows-Programme in die Kategorien "Gold", "Silber" und "Bronze" einteilt und verrät, wie stabil die Programme laufen. Ist das gewünschte Programm nicht dabei, besteht noch Hoffnung beim Status "nicht getestet"; wenn Sie Pech haben, ist Ihr Programm unter "läuft nicht" eingestuft. Sie können sich dann aber eigene Experimente mit Wine sparen.

Einer der CrossOver-Vorteile gegenüber Wine ist, dass sich für die von CrossOver offiziell unterstützten Programme eine aufwendige Konfiguration erübrigt. Das von uns in Test installierte Microsoft Office 2010 SP1 wird mit Silber-Status unterstützt (Abbildung 1). Eine Lizenz für das Officepaket benötigen Sie auch bei der Installation unter Linux.

Abbildung 1: Codeweavers bietet auf der Webseite eine Kompatibilitätsdatenbank, mit der Sie vorab prüfen können, ob eine Windows-Anwendung unter CrossOver läuft.

CrossOver ist kostenpflichtig und belastet Ihr Budget mit 48 Euro für eine Jahreslizenz. Wenn diese nach zwölf Monaten ausläuft, erhalten Sie keine Updates mehr, können die Software aber trotzdem weiter nutzen. Allerdings dürfte es bei einer Neuinstallation nach ein oder zwei Jahren schwierig werden, das Produkt auf einer dann aktuellen Linux-Version zum Laufen zu bekommen.

Sie können außerdem jederzeit eine 30-Tage-Testversion von CrossOver Linux 14.0.3 herunterladen [4].

CrossOver verfügt über eine eigene Datenbank, die für alle unterstützten Windows-Programme Installationshinweise bündelt – z. B., die Information, welche Linux-Pakete für den Einsatz nötig sind. Der CrossOver Software Installer (Abbildung 2) fragt dann beim Installieren einer Windows-Anwendung, ob Sie mit dem Installation der benötigten Abhängigkeiten einverstanden sind, und richtet alle erforderlichen Komponenten automatisch ein. Nach der Installation erscheinen die Windows-Programme in der Abteilung Alle Programme / Windows-Anwendungen des Startmenüs (Abbildung 3).

Abbildung 2: Für ausgewählte Windows-Programme hilft das Software-Installationsprogramm von CrossOver bei der Einrichtung.
Abbildung 3: Wer Microsoft Office 2010 im KDE-Startmenü sehen möchte, kann das über CrossOver Linux 14 erreichen.

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