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© Alex Kalmbach, 123RF

Alte Games auf neuer Hardware

Gelungenes Comeback

Schwelgen Sie mit uns in Erinnerungen – mit den vorgestellten Software-Emulatoren spielen Sie alte Klassiker unter modernen Linux-Distributionen. Wir stellen ein paar Programme vor, die Computer von anno dazumal nachahmen.

Vor vielen, vielen Jahren scheuchten Anwender einen Klempner namens Mario durch eine pixelige, grüne Landschaft, schossen sich in 2-D-Welten durch Horden von Monstern und versuchten, alle gelben Punkte zu fressen, bevor das Gespenst um die Ecke kam. Die alte Software aus dem vorherigen Jahrhundert läuft nicht mehr unter modernen Linux-Distributionen, und die einstigen Computer und Videospielkonsolen sind zudem meist defekt, verkauft oder gar entsorgt. Glücklicherweise gibt es Emulatoren, welche die alte Hardware so perfekt nachahmen, dass sie sogar die Originalspiele starten. Wir stellen Programme vor, die alte Automaten, Heimcomputer und Spielekonsolen simulieren – einer kleinen Zeitreise steht somit nichts mehr im Weg.

Anschluss gesucht

Zunächst müssen Sie die alten Programme, Spiele und Dokumente irgendwie auf Ihren aktuellen Computer bringen. Für die bis Mitte der 1990er-Jahre eingesetzten Disketten finden Sie vereinzelt im Handel oder auf Flohmärkten passende Laufwerke. Moderne Rechner bieten allerdings keine Anschlüsse mehr dafür. Zudem verwenden die alten Systeme eigene Speicherformate. Eine mit dem Commodore 64 bespielte Diskette kann ein PC-Laufwerk daher nicht lesen. Etwas besser sieht es mit der PlayStation aus: Bereits die erste Ausgabe von 1994 enthielt ein CD-Laufwerk, und passende Spiele erhalten Sie günstig auf Flohmärkten oder bei Ebay. Videospielkonsolen und Handhelds wie der Game Boy von Nintendo nutzen individuelle Steckmodule, und die Inhalte wandern nur mit speziellen, selbst gebastelten Lesegeräten auf den PC.

Wenn Sie einen Computer emulieren möchten, benötigen Sie außerdem das passende Betriebssystem. In den meisten Heimcomputern aus den 1980er-Jahren war diese Software fest im Gerät verbaut. Ein Paradebeispiel ist wieder der Commodore 64. Auch hier hilft häufig nur das manuelle Auslesen, notfalls mit Spezialhardware. Einige Liebhaber der alten Kisten haben sich dieser Aufgabe angenommen und veröffentlichen ihre Ergebnisse im Internet. Die Betriebssysteme, Programme und Spiele sind jedoch nach wie vor urheberrechtlich geschützt. Auch wenn die Geräte nicht mehr im Handel erhältlich sind, sind viele Angebote im Internet daher illegal.

Es gibt allerdings Ausnahmen. So bietet beispielsweise die britische Firma Revolution Software Ltd. [1] ihr Point-and-Click-Spiel Lure of the Temptress kostenlos über GOG.com an [2]. Auf dieser Verkaufsplattform können Sie auch andere Computerspiele für wenig Geld erwerben. Ein paar kostenlose Adventures finden Sie außerdem beim ScummVM-Projekt (siehe Kasten Sonderfall ScummVM), darunter auch Beneath a Steel Sky, einen weiteren Revolution-Klassiker [3].

Sonderfall ScummVM

Adventure-Freunde kommen um ScummVM [4] nicht herum. Das Projekt fasst zahlreiche nachgebaute Spiel-Engines unter einer grafischen Benutzeroberfläche zusammen. Das Programm simuliert keinen kompletten Computer, ist also weder ein Emulator noch eine Laufzeitumgebung. Vielmehr handelt es sich um einen Interpreter, der auf die Originalressourcen der Spiele, also Bilder, Animationen, Sounds und Filme, zugreift. Sie benötigen folglich eine Kopie des Adventures. Welche Spiele ScummVM starten kann, verrät eine Liste auf der Webseite [5]. Sie enthält fast alle LucasArts- sowie die meisten Sierra-Adventures.

Während Sie ScummVM unter OpenSuse über den Paketmanager installieren, laden Sie als (K)Ubuntu-Anwender ein Paket vom ScummVM-Projekt [6] herunter und spielen es über die Muon-Paketverwaltung oder das Software Center ein. Zum Starten geben Sie scummvm in ein Terminal- oder Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) ein. Im Hauptmenü (Abbildung 1) klicken Sie auf Spiel hinzufügen und wählen dann das Verzeichnis mit dem Spiel aus. ScummVM erkennt das Adventure automatisch und bietet passende Einstellungen an, die Sie mit OK akzeptieren. Jetzt können Sie das Spiel starten. Über [Strg]+[F5] kommen Sie jederzeit ins Hauptmenü zurück.

Abbildung 1: Streng genommen ist ScummVM kein Emulator, sondern ein Interpreter, der die Originalressourcen der Spiele auswertet.

Angezapft

Die in den folgenden Abschnitten vorgestellten Emulatoren finden Sie alle in den Softwarequellen Ihrer Distribution. Unter (K)Ubuntu verwenden Sie zur Installation die Programmverwaltung Muon Discover bzw. das Software Center, unter OpenSuse YaST. Suchen Sie jeweils nach dem Namen des gewünschten Emulators und spielen Sie ihn ein. Wenn Sie (K)Ubuntu einsetzen, sollten Sie sicherstellen, dass die Paketquelle universe freigeschaltet ist; einige der Emulatoren befinden sich in diesem Repository. OpenSuse-Anwender müssen zuvor zwei weitere Paketquellen aktivieren:

  1. Öffnen Sie das Startmenü, wählen Sie Rechner / Software installieren/entfernen und klicken Sie im Menü Konfiguration auf Repositories.
  2. Betätigen Sie die Schaltfläche Hinzufügen, markieren Sie Community/Gemeinschafts-Repositories und klicken Sie auf Weiter. Setzen Sie dann ein Häkchen bei Packman Repository und bestätigen Sie alles mit OK. Der Quelle können Sie vertrauen.
  3. Klicken Sie erneut auf Hinzufügen, markieren Sie URL angeben und gehen Sie weiter. Tragen Sie ins Feld URL die Adresse http://download.opensuse.org/repositories/Emulators/openSUSE_13.1 ein. Für OpenSuse 12.3 heißt die URL entsprechend http://download.opensuse.org/repositories/Emulators/openSUSE_12.3/.
  4. Klicken Sie erneut auf Weiter. Auch dieser Quelle können Sie vertrauen. Ein Klick auf OK bringt Sie zurück zur Paketauswahl.

Alle Programme nisten sich bei Kubuntu normalerweise im Startmenü in der Abteilung Spiele oder einem der Untermenüs ein. OpenSuse versteckt sie vorzugsweise unter System / Emulator. Unter Ubuntu verwenden Sie zum Öffnen die Suchfunktion im Unity-Dash und tippen die ersten Buchstaben des Programmnamens ein.

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