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© Kristian Peetz, fotolia,

Laufwerk "C:" oder "/"-Partition

Windows-Laufwerksbuchstaben und Linux-Moint-Points

07.10.2012
Betriebssystem und Anwendungen liegen auf C:, das DVD-Laufwerk heißt D: oder E:, und wer noch ein Diskettenlaufwerk hat, spricht es als A: an – so kennt man es von Windows. Linux verwaltet Datenträger anders.

Schon seit den 70er Jahren gibt es Betriebssysteme, die Datenträger über Laufwerksbuchstaben ansprechen: Die Bezeichnungen A: und B: für die ersten beiden Diskettenlaufwerke in einem PC verwendet Windows als Nachfolger von Microsoft DOS (Disk Operating System), und MS-DOS hat dieses Konzept von dem noch älteren System CP/M (Control Program for Microprocessors) übernommen, das in den 80er Jahren auf Heimcomputern wie dem Commodore C128 und dem Schneider CPC lief.

Als dann die ersten Festplatten für PCs auf den Markt kamen, wurde einfach weiter gezählt, und so erhielten DOS-Partitionen die Bezeichnungen C:, D: usw.; mit CD-/DVD-Laufwerken und sonstigen Geräten kamen noch mehr Buchstaben dazu, und Netzwerk-Volumes (Freigaben) werden unter Windows typischerweise mit "höheren" Buchstaben (H:, M:, …) angesprochen.

Schön kurz, aber …

Das Konzept der Laufwerksbuchstaben ist eigentlich recht praktisch: Mit nur zwei Zeichen (Buchstabe und Doppelpunkt), die einem Pfad vorangestellt werden, gibt man das Gerät an, auf dem zu suchen ist. Die Unterscheidung zwischen Festplatten und DVD-Laufwerken als verschiedenen Geräten wird so auch durch die unterschiedlichen Buchstaben passend symbolisiert.

Wer mit mehreren Platten oder vielen Partitionen arbeitet, verliert aber schnell die Übersicht: Jede Partition (mit einem DOS-/Windows-Dateisystem) erhält unter Windows einen eigenen Laufwerksbuchstaben, und bei zwei "Laufwerken" C: und D:, die auf der gleichen Festplatte liegen, werden die Begriffe unsinnig, denn das "C-Laufwerk" und das "D-Laufwerk" sind ja nur zwei benachbarte Partitionen auf demselben Laufwerk.

Dazu kommt noch, dass frühere Windows-Versionen (95/98/ME) beim Einbau einer neuen Platte eventuell die Laufwerksbuchstaben durcheinander geworfen haben: Die Regel zur Nummerierung war dort "erst die primären Partitionen, dann die logischen in einer erweiterten Partition". Wird zu einer Platte mit primärer Partition C: und logischem "Laufwerk" D: in der erweiterten Partition eine neue Platte eingebaut und dort eine primäre Partition angelegt, heißt diese ab dem nächsten Windows-Start D:, und das alte D: wird zu E:. Wer dann Startmenü-Einträge mit Verweisen auf D: hatte, musste diese anpassen…

Die modernen Windows-Versionen, von NT über 2000, XP und Vista bis zu Windows 7 und 8 haben dieses Problem nur ansatzweise, weil man dort für die meisten Partitionen von Hand Laufwerksbuchstaben vergeben und so nach dem Einbau einer neuen Platte die alte "Ordnung" aufrecht erhalten kann.

Wer unter DOS nicht mit verschiedenen Laufwerksbuchstaben hantieren wollte, konnte dort den Befehl join verwenden, um ein Laufwerk über ein Unterverzeichnis eines anderen Laufwerks anzusprechen, das ging etwa so:

C:\> join e: c:\daten

Danach waren die Dateien auf Laufwerk E: unterhalb von C:\daten\ verfügbar. Moderne Windows-Versionen beherrschen das Feature noch immer, wahlweise über die Datenträgerverwaltung oder auf der Konsole mit Hilfe von diskpart [1].

Der Unix-Weg

Der alte DOS-Befehl join versuchte im Grunde, ein altes Unix-Feature nachzubilden: nämlich die Fähigkeit, Datenträger über frei wählbare Verzeichnisse anzusprechen. So hat es Unix schon Jahrezehnte lang gemacht, und auch Linux nutzt den als "Mounten" bekannten Mechanismus, bei dem ein Datenträger (etwa eine Plattenpartition oder eine DVD) über ein Verzeichnis verfügbar gemacht wird.

Um einen Datenträger unter Linux zu mounten, kann man (mit Administratorrechten ausgestattet, also als Benutzer root) das Kommando mount verwenden, dem man im Wesentlichen eine Gerätedatei und ein Verzeichnis übergibt:

  • Die Gerätedatei legt dabei fest, welcher Datenträger eingebunden werden soll. Für CDs und DVDs ist das oft /dev/sr0, für Disketten /dev/fd0 (Floppy Drive 0, das erste Diskettenlaufwerk), Festplattenpartitionen werden anders angesprochen, z. B. über /dev/sda1 oder /dev/sdb5. Details zu den Partitionsnamen finden Sie übrigens im Kasten Theorie zu Platten und Partitionen des Artikels Multi-Boot auf Seite 62.
  • Das Verzeichnis ist frei wählbar, muss aber vorhanden sein. Um für Ordnung zu sorgen, werden Wechselmedien meist in ein Unterverzeichnis von /media eingebunden, bei DVDs und USB-Sticks berücksichtigt Linux auch die Datenträgerkennungen, so dass der Inhalt einer EasyLinux-DVD z. B. unter /media/EASYLINUX erscheint. Das passiert automatisch. Nicht eingebundene Partitionen auf Festplatten können Sie z. B. mit
mount /dev/sda7 /mnt

temporär im Verzeichnis /mnt einbinden: Das ist für den kurzfristigen Zugriff auf Partitionen vorgesehen.

Einige Datenträger werden aber fest eingebunden, dazu gehört in jedem Fall die Linux-Partition, auf der sich das Wurzel- oder Root-Verzeichnis / befindet – diese Partition heißt darum auch die Root-Partition. Sie wird bereits beim Booten des Systems gemountet; zum einen, weil der Bootloader weiß, welche die Root-Partition ist, zum anderen aber auch, weil das in der Konfigurationsdatei /etc/fstab so festgelegt ist: Dort stehen in einem Linux-System Informationen über alle bekannten Datenträger und die Verzeichnisse, über die sie erreichbar sein sollen.

Wozu ist das gut?

Welchen Vorteil bringt es nun, verschiedene Geräte über Unterverzeichnisse statt über Laufwerksbuchstaben anzusprechen – ist die Vergabe verschiedener Laufwerksnamen wie C: und D: für Diskette, Festplatte und DVD nicht logischer?

Wie schon weiter oben beschrieben, ist das ein vernünftiger Ansatz, solange man genau eine Festplatte (genauer: eine einzige Partition) und ein DVD-Laufwerk hat und an der Hardware nichts ändert – das garantiert nämlich unter Windows, dass die Laufwerksbuchstaben sich nie ändern.

In ein Linux-System können Sie jederzeit zusätzliche DVD-Laufwerke, Festplatten oder andere Speichermedien integrieren oder beispielsweise die Reihenfolge der Festplatten ändern, auch der Ausbau einer internen Platte und anschließende Anschluss über ein externes USB-Gehäuse ist relativ problemlos: Dadurch ändern sich zwar die Namen der Gerätedateien, über die Linux diese Geräte anspricht – nach einer entsprechenden Anpassung in der Zuordnungsdatei /etc/fstab ist aber wieder alles beim Alten: Die Inhalte der Datenträger finden sich erneut in den Verzeichnissen, in die sie gehören.

Linux unterstützt außerdem die Verwendung von eindeutigen Datenträger-IDs (UUID: Universally Unique Identifier): Damit können Sie die Platten sogar umstrukturieren, ohne etwas an der Zuordnungsdatei zu ändern, wenn auch diese mit IDs arbeitet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Kubuntu merkt sich in der Datei "/etc/fstab" nicht die Gerätedateien, sondern die UUIDs.

Platz schaffen

Die Flexibilität, die einem das Mounten verschafft, nutzt man auch, wenn der Platz auf einer Partition knapp wird: Arbeiten Sie z. B. mit einer einzigen Linux-Partition, die zu 95% gefüllt ist, können Sie als normaler Anwender keine Dateien mehr speichern. Eine neue Platte löst dann das Platzproblem auf einfache Weise: Kopieren Sie ein gesamtes Unterverzeichnis, wie z. B. /home, auf die neue Platte und löschen Sie die Inhalte des ursprünglichen Verzeichnis – dann mounten Sie die Kopie einfach in das jetzt leere Verzeichnis, erzeugen einen passenden Eintrag in der Datei /etc/fstab und nutzen ab sofort beide Platten.

Bei Verwendung von Laufwerksbuchstaben müssten Sie beispielsweise C:/home/benutzer nach dem Verschieben als D:/benutzer ansprechen, was vielleicht nicht jedem Programm gefällt, das Dateien "auf" C: gespeichert hat – unter Linux bemerken Programme gar nicht den Unterschied: Was vorher /home/benutzer war, ist auch nach dem Umbau /home/benutzer; dass die Dateien jetzt auf einer anderen Partition liegen, interessiert die Software nicht.

Infos

[1] Microsoft Technet: Zuweisen eines Mountpoint-Ordners zu einem Laufwerk, http://technet.microsoft.com/de-de/library/cc753321.aspx

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