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Schnapp Dir die Unterhose

Jump & Run-Spiel "Tiny & Big in Grandpa's Leftovers"

07.10.2012 Mit Schneidbrenner und Enterhaken bewaffnet jagt ein kleiner Junge hinter einer Unterhose her. Dabei zerlegt er eine Berglandschaft fachgerecht in ihre Einzelteile. Was abgedreht klingt, entpuppt sich als spaßiges und innovatives Jump & Run-Spiel.

Besonders viel hat der kleine Tiny von seinem Großvater zwar nicht geerbt, aber genau das ist jetzt weg: eine schicke weiße Freinrippunterhose. Gestohlen hat sie der fiese Big. Mit dem Diebesgut über dem Kopf scheint er etwas Schlimmes zu planen, warum würde er sonst in diese verlassene Wüste flüchten? Um die geliebte Unterhose zurückzuerobern, greift sich Tiny seinen selbst gebastelten Schneidbrenner, einen Enterhaken aus dem örtlichen Baumarkt und ein paar Raketen. So bewaffnet macht er sich auf in die gleichermaßen staubige wie felsige Wüste.

Schnittig

Als Spieler übernimmt man die Geschicke des kleinen Tiny. Mit Maus und Tastatur oder wahlweise einem Gamepad lässt man den Helden über Steinblöcke, Felsen und schmale Wege springen. Kleinere Hindernisse kann Tiny noch mit Muskelkraft aus dem Weg schieben, größere zerlegt er mit seinem Hochleistungs-Schneidbrenner (Abbildung 1). Entfernte Felsblöcke wiederum kann Tiny mit seinem Enterhaken zu sich heranziehen. Abgeschossene Raketen haften zunächst an ihrem Ziel, mit einem weiteren Knopfdruck lösen sie eine kleine Explosion aus. Die reicht in der Regel jedoch nur aus, um das Hindernis beiseite zu schieben oder zum Wanken zu bringen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mit dem Schneidbrenner zerlegt Tiny auch größere Felsen in handliche Brocken oder schiefe Ebenen.

Blinde Zerstörungswut hilft aber nur selten weiter, meist muss man Tinys Fähigkeiten wohlüberlegt einsetzen. Um beispielsweise einen Abgrund zu überqueren, durchtrennt man eine Säule am unteren Rand und schubst sie dann so, dass der abgetrennte Teil über den Abgrund fällt – womit wiederum eine perfekte Brücke entsteht (Abbildung 2--4). Nach dem gleichen Prinzip schneidet man sich Stufen in den Fels oder stapelt kleinere Blöcke zu Treppen. Dabei gelten stets die Gesetze der Physik: Wer einen Felsen schräg abschneidet, sollte besser nicht dort stehen, wohin das obere Stück abrutscht. In der Regel gibt es für jedes Problem gleich mehrere Lösungsmöglichkeiten. Um etwa auf eine höhere Plattform zu gelangen, kann man einen kleinen Stein als Stufe davor schieben oder die Plattform zu einer Rampe schneiden.

Abbildung 2

Abbildung 2: Um über diesen Abgrund zu gelangen, könnte man links die Säule fällen …

Abbildung 3

Abbildung 3: … oder mit dem Enterhaken den Balken heranziehen …

Abbildung 4

Abbildung 4: … und dann diesen als Brücke missbrauchen.

Dudelsack

Hilfe erhält Tiny von einem Radio, das er in einem Rucksack auf seinem Rücken transportiert. Es sorgt nicht nur während des Spiels mit stimmungsvoller Musik für Unterhaltung, sondern gibt auch immer wieder wertvolle Tipps – und nervende Ratschläge. Die Musikstücke liegen übrigens auf Kassetten immer mal wieder in der Wüste herum (Abbildung 5). Wer nur eine von ihnen entdeckt hat, hört auch immer nur denselben Song. Insgesamt gibt es 15 Stücke, die verschiedene Independent-Bands beigesteuert haben.

Abbildung 5

Abbildung 5: In den dunklen Innenbereichen fällt die Orientierung manchmal schwer. Das rot leuchtende Ding ist eine Musikkassette.

Die größte Gefahr für Tiny lauert in Abgründen. Stürzt er zu tief, stirbt der Held, und man muss sich an der Passage erneut versuchen. Speichern kann man seinen Spielfortschritt nicht, das Spiel dreht die Zeit einfach wieder ein paar Sekunden zurück.

Die Jagd auf Big ist in sechs relativ große Level unterteilt. Bereits gespielte Level darf man erneut in Angriff nehmen und so beim ersten Durchlauf übersehene Gegenstände entdecken oder seine Schnitttechnik verbessern. Experten versuchen, einen Level mit möglichst wenigen Schnitten und Raketen zu meistern.

Die Entwickler vertreiben Tiny & Big auf mehreren Wegen: Wer direkt über ihre Homepage bestellt, bezahlt knapp 13 Dollar. Die dort ebenfalls kredenzten, günstigeren Angebote auf Steam oder gog.com umfassen leider nicht die Linux-Version. Im Handel bekommt man Tiny & Big auch für fast 15 Euro auf einer DVD. Für den Aufpreis enthält die Schachtel noch ein Poster und ein paar Postkarten. Hinzu kommen weitere Bonusmaterialien auf der DVD, wie etwa Hintergrundbilder und Videos.

Abbildung 6

Abbildung 6: Hier bewirft Big den armen Tiny mit Felsblöcken. Das Radio gibt den entscheidenden Tipp, wie man den Erzfeind von seinem Podest holt.

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