Gnome-Tipps

Tipps und Tricks zu Gnome

22.05.2012
Gnome ist neben KDE die zweite große Desktopumgebung für Linux. In den Gnome-Tipps stellen wir regelmäßig Nützliches und Praktisches für die alternative grafische Oberfläche vor. Seit Ausgabe 01/2012 zeigen wir Tricks für die dritte Generation des Desktops: die Gnome Shell.

Tipp: Parcellite: Verbesserte Zwischenablage für Gnome

In den meisten Anwendungen markieren Sie Text mit der linken Maustaste, um ihn in die Zwischenablage zu kopieren und an anderer Stelle über die mittlere Maustaste wieder einzufügen. Tastenkombinationen wie [Strg]+[C]/[Strg]+[V] sind unter Linux in der Regel nicht nötig. Der Nachteil dieser Standardzwischenablage: In ihr befindet sich immer nur der zuletzt kopierte Text, also ein einziger Eintrag. Wollen Sie mehrere Textstellen kopieren, wechseln Sie ständig zwischen den Fenstern hin und her. Auf ältere Einträge in der Ablage haben Sie gar keinen Zugriff mehr.

Ein Verlauf für die Zwischenablage muss also her. Der Clipboard-Manager Parcellite [1] ist eine mögliche Option für die neuen Gnome-Versionen. Das praktische kleine Tool ist sowohl bei OpenSuse als auch bei Ubuntu in den Paketquellen enthalten, und Sie installieren es über den Paketmanager (Paket parcellite). Um den Clipboard-Manager einzusetzen, starten Sie ihn entweder einmalig von Hand ([Alt]+[F2] und Eingabe von parcellite), oder Sie melden sich vom Desktop ab und wieder an. In der Voreinstellung ist die Zwischenablage in den Startprogrammeinstellungen (Windows-Taste und Eingabe von start oder [Alt]+[F2] und gnome-session-properties tippen) aktiviert. Das heißt, sie nimmt beim nächsten Start von Gnome automatisch den Dienst auf (Abbildung 1).

Abbildung 1: Parcellite landet nach der Installation automatisch in der Liste der Startprogramme, die Gnome bei jeder Anmeldung ausführt.

Unter Gnome 3 finden Sie Parcellite im Benachrichtungsfeld unten rechts, wenn Sie mit der Maus darüber fahren (Abbildung 2), in der Variante ohne 3-D-Unterstützung (Gnome Classic) oben rechts im Systemtray des Panels. Ein Klick mit der linken Maustaste zeigt die letzten Einträge (Voreinstellung sind 25) sowie Funktionen, um die Ablage zu bearbeiten und zu löschen. Standardmäßig landen Einträge in Parcellites Gedächtnis, wenn Sie etwas mit der Maus kopieren und dann Bearbeiten / Kopieren aus dem Menü der Anwendung wählen oder eben [Strg]+[C] ([Umschalt]+[Strg]+[C] im Gnome-Terminal) drücken. Die Anwendung merkt sich Kopiertes nicht nur über den Desktopneustart hinaus, sondern zeigt die Einträge sogar nach einem Reboot des Rechners wieder an.

Abbildung 2: Auf der Gnome Shell nistet sich das praktische Clipboard unten rechts im Benachrichtungsfeld ein.

Klicken Sie mit der linken Maustaste einen Eintrag aus Parcellites Liste an und drücken Sie [Strg]+[V] ([Umschalt]+[Strg]+[V] im Gnome-Terminal) oder die mittlere Maustaste, um ihn an anderer Stelle einzufügen. Klicken Sie hingegen mit der rechten Maustaste auf das Parcellite-Icon, bringt das ein Menü zum Vorschein, über das Sie das Programm beenden und konfigurieren.

Tipp: Tastaturshortcuts für Parcellite

Den im letzten Tipp vorgestellten Clipboard-Manager müssen Sie nicht zwingend mit der Maus bedienen – schneller geht's über die Tastatur. Drücken Sie etwa [Strg]+[Alt]+[H], blendet Parcellite an der aktuellen Position des Mauszeigers den Verlauf mit allen Einträgen der Ablage ein. Mit den Pfeiltasten wandern Sie in der History hoch und runter, und mit Druck auf [Eingabe] kopieren Sie den Text dann in die aktuelle Zwischenablage.

[Strg]+[Alt]+[P] bringt das Kontextmenü der rechten Maustaste mit den Punkten Info, Einstellungen und Beenden auf den Bildschirm. Auch dieses Menü erscheint an der aktuellen Mausposition.

Fortgeschritten wird es bei den so genannten Aktionen, die Sie über [Strg]+[Alt]+[A] auf den Plan rufen. Ganz unten im Menü finden Sie den Punkt Aktionen bearbeiten. Diesen Konfigurationsdialog erreichen Sie alternativ auch über die allgemeinen Programmeinstellungen (siehe nächster Tipp). Um eine Aktion hinzuzufügen, klicken Sie auf den entsprechend benannten Button. Ins erste Feld gehört der Name für den Menüeintrag, den Sie frei wählen können. Daneben, in die Abteilung Befehl, tragen Sie nun das gewünschte Kommando ein. Dabei steht der Ausdruck %s für den aus dem Clipboard gewählten Eintrag.

Abbildung 3 zeigt zwei Beispiele für Aktionsdefinitionen in Parcellite. Der erste Eintrag (Bezeichner ff) nimmt die Zeichenkette aus der Zwischenablage (%s) und öffnet diese im Browser Firefox. Das zweite Element öffnet den String im Wörterbuchtool Gnome-Dictionary. Um nun mit einer Aktion zu arbeiten, drücken Sie [Strg]+[Alt]+[H], blättern mit den Pfeiltasten zu einem Eintrag und drücken [Eingabe], um diesen zu aktivieren. Anschließend verwenden Sie [Strg]+[Alt]+[A] und suchen für die Zeichenkette die gewünschte Aktion aus (Abbildung 4).

Abbildung 3: Parcellite unterstützt so genannte Aktionen, die Sie selbst festlegen dürfen. Das Beispiel zeigt zwei Einträge, die Inhalte aus der Zwischenablage einmal im Browser und einmal im Wörterbuch öffnen.
Abbildung 4: Parcellite in Aktion: Mit dem selbst definierten Befehl für das Gnome-Wörterbuch schlagen Sie in Windeseile Begriffe aus der Zwischenablage nach.

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