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© Evgen Kouzmenok; 123RF

Hier bin ich Root

Root- und V-Server für die eigene Webseite

22.05.2012
Root-Server und V-Server sind die beiden leistungsfähigsten Ausbaustufen für die eigene Webpräsenz, der Umgang damit setzt aber fortgeschrittenere Linux-Kenntnisse voraus. Wir geben einen Überblick.

Wer eine eigene Webseite ins Netz stellen will, hat viele Möglichkeiten – die Artikel über Webbaukästen und Content-Management-Systeme in dieser Ausgabe haben bereits einige Hinweise dazu gegeben. Technisch unterscheiden sich die zahlreichen Angebote der Webhoster vor allem in der Frage, auf "wie viel Technik" Sie Zugriff haben, welche Verwaltungsrechte (und -pflichten) damit verbunden sind und wie viele Kunden sich eventuell einen Computer im Rechenzentrum des Hosters teilen müssen.

Generell ist Webspace meist schnell konfiguriert und erfordert vergleichsweise geringe Linux-Kenntnisse, schränkt Sie dafür aber in den Konfigurationsmöglichkeiten ein. Wenn Sie schon ein fortgeschrittener Linux-Anwender sind und auch mit längeren Ausflügen auf die Kommandozeile kein Problem haben, dann sind Root- oder V-Server eine echte Alternative.

Root-Server

In der maximalen Ausbaustufe können Sie einen eigenen Rechner anmieten, der dann meist Root-Server genannt wird. Der Name kommt daher, dass Sie als Mieter Root-Rechte auf diesem Rechner haben, sich also über das Internet auf der Maschine einloggen und dann als Administrator die Konfiguration verändern können. Sieht man davon ab, dass sich Server in Rechenzentren in einigen technischen Details von normalen Desktops-PCs unterscheiden, ähnelt die Nutzung eines Root-Servers stark dem Einsatz Ihres privaten PCs: Nur bleibt der Root-Server im Besitz des Hosters, und Sie sind lediglich Mieter. Für die Dauer der Mietzeit haben Sie aber vollen und exklusiven Zugriff: Wenn Sie Wert darauf legen, könnten Sie z. B. die komplette Festplatte des Servers verschlüsseln, eine selbst ausgewählte Linux-Distribution installieren oder ganz andere Software (z. B. ein BSD-Betriebssystem oder Windows) einrichten.

Zusätzliche Domains können Sie meist direkt über die Verwaltungswebseite Ihres Providers hinzubuchen (Abbildung 1), Sie können alternativ aber auch bei einem beliebigen Domainhändler "einkaufen" und dann von Hand dafür sorgen, dass Anfragen an die neue Domain an Ihren Server geleitet werden.

Abbildung 1: Im Rahmen der Server-Verwaltung können Sie auch zusätzliche Domains registrieren oder Einstellungen für die vorhandenen ändern.

Es gibt keine Einschränkungen bei der Software, die Sie installieren möchten – genau wie auf einem privaten PC daheim, können Sie mit dem Root-Server machen, was Sie wollen.

Eine zentrale Schwierigkeit ist, dass Sie keinen physischen Zugriff auf den Rechner haben; selbst wenn sich das Rechenzentrum Ihres Hosters zufällig in Ihrer Heimatstadt befinden sollte, erhielten Sie dort keinen Zugriff auf "Ihren" Rechner, der in einem Spezialgehäuse ("Server-Rack") mit zahlreichen weiteren Servern steht.

Jegliche Wartung eines Root-Servers ist also nur über eine Netzwerkverbindung möglich: Sie müssen sich (mit der Secure Shell ssh) auf der Maschine einloggen, um sie zu bedienen. Zwar ist es möglich, eine klassische Desktop-Umgebung (KDE, Gnome etc.) auf dem Root-Server zu installieren und dessen Fenster über eine Netzwerkverbindung auf Ihren heimischen PC umzuleiten, in der Praxis funktioniert das aber oft nicht gut, weil die Verbindung dafür zu langsam ist; mit DSL und einem NX-Server [5] oder dessen freiem Klon FreeNX [6] wäre es hingegen kein Problem.

Unter schlechterer Fernwartbarkeit leiden übrigens vor allem mit Windows ausgestattete Server. Linux bietet hier den Vorteil, dass sich das System vollständig über die Shell und die diversen Kommandozeilentools administrieren lässt – eine grafische Anzeige ist also gar nicht nötig. Dazu bieten viele Programme webbasierte Schnittstellen für die Administration, das gilt z. B. für alle Content-Management-Systeme (siehe vorheriger Artikel). Dennoch setzt die Entscheidung, einen eigenen Root-Server aufzusetzen, voraus, dass Sie bereit sind, auf der Linux-Shell zu arbeiten.

Hängt der Root-Server einmal, stehen Sie vor dem Problem, den Ein-/Ausschalter nicht drücken zu können. Dafür bieten die Provider eine Möglichkeit, den Neustart des Root-Servers über eine Weboberfläche auszulösen. Das funktioniert auch dann, wenn der Rechner komplett abgestürzt ist. Einige Anbieter glänzen sogar mit einem netzbasierten Zugang zum BIOS (oder allgemeiner zum Betrieb im Textmodus) – mit einem solchen Feature können Sie BIOS-Einstellungen verändern und Betriebssysteme im Textmodus booten (etwa für die Installation), als säßen Sie vor dem Rechner.

V-Server

V-Server (virtuelle Server) sind echten Root-Servern sehr ähnlich: Auch hier erhalten Sie als Kunde vollen Zugriff (mit Root-Rechten), der Unterschied ist: Statt einer echten eigenen Maschine, die Sie exklusiv nutzen, steht Ihnen nur eine virtuelle Maschine zur Verfügung. Davon können mehrere auf einem echten Rechner laufen, und so teilen sich die virtuellen Maschinen die Leistung eines einzelnen Servers. Wenn Sie auf dem heimischen PC mit VirtualBox oder VMware arbeiten, kennen Sie das Prinzip schon: Die virtuelle Maschine (VM) speichert ihre Daten auf einer virtuellen Festplatte (die einfach eine Image-Datei auf dem echten Rechner ist), das darin laufende Betriebssystem arbeitet aber genauso, als wäre es direkt auf dem PC installiert.

Virtuelle Maschinen erlauben keinen Zugriff auf die echte Hardware, was aber nicht weiter tragisch ist: Beim Webhosting hätten Sie ja auch auf einen Root-Server keinen physischen Zugriff. Dass Sie sich bei V-Servern eine Maschine mit mehreren Kunden teilen, ist aus Sicherheitsaspekten relativ unproblematisch, weil eine VM unter normalen Umständen keinen Zugriff auf andere VMs gestattet.

V-Server schränken Sie auch bei der Wahl der Betriebssysteme ein: Zwar haben die Hoster meist mehrere Linux-Versionen im Angebot, aber eine völlig freie Wahl gibt es nicht (Abbildung 2). Zudem ist Vorsicht bei Updates geboten: Neue Kernel-Versionen können Sie oft nicht einspielen, weil die Virtualisierung einen speziellen Kernel verlangt.

Abbildung 2: Eingeschränkte Auswahl: Dieser Dialog erlaubt die Neuinitialisierung eines V-Servers mit einer der angebotenen Distributionen.

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