AA_stream.jpg

© Ioannis Kounadeas, Fotolia

Stream-Team

Multimediadateien streamen

22.05.2012
Im vernetzten Wohnzimmer spielt UPnP eine immer größere Rolle, wenn es darum geht, über den Fernseher oder mit anderen Geräten auf Filme, Videos und Musik zuzugreifen. MediaTomb vernetzt Ihre Mediensammlung.

Wollen Sie Filme, Bilder und Musik in Ihrem Netzwerk zentral verwalten, greifen Sie oft zu einem Rechner mit einer festen IP-Adresse, der seine große Festplatte über eine Samba-Freigabe teilt. Sie schaufeln dann Ihre Mediendateien in dieses freigegebene Verzeichnis und spielen sie auf dem dazugehörigen Rechner ab. Das Kopieren braucht allerdings etwas Zeit, daher gibt es noch einen weiteren Weg – das Streamen.

Mittlerweile beherrschen immer mehr Geräte UPnP. Die Spezifikation wurde im UPnP-Forum erstellt, einer Initiative der Industrie, die es seit 1999 gibt. Hier haben sich rund tausend Anbieter aus dem IT- und Hardwarebereich zusammengeschlossen, um einen technischen Standard zu entwickeln, der es auf einfache Weise ermöglicht, von einem Zielgerät aus auf die Bild-, Ton- und Videodateien von ganz verschiedenen Rechnern im Netzwerk zuzugreifen. Auf diesen läuft ein UPnP-Server, der die jeweiligen Multimediadateien im Netzwerk bekanntmacht. Die UPnP-Clients (etwa ein TV-Gerät oder Media Center) entdecken diese und spielen sie ab (Abbildung 1). Der Vorteil: Sie müssen die Medien nicht auf einen zentralen Rechner kopieren, sondern starten auf den einzelnen Rechnern vorübergehend einen UPnP-Server wie MediaTomb und streamen die Dateien in das lokale Netzwerk. In der Praxis lauern allerdings einige Fallstricke – dazu später mehr.

Abbildung 1: Mit UPnP streamen Sie Filme, Bilder und Musik im lokalen Netzwerk und sparen sich so aufwändige Kopieraktionen.

UPnP und DLNA

Grob vereinfacht besteht UPnP aus Clients, Kontrollpunkten und Diensten, die sich über ein eigenes Protokoll miteinander unterhalten – aber nur im lokalen Netzwerk. Während die Dienste (UPnP AV MediaServer) Inhalte anbieten, spielen die Clients (UPnP MediaRenderer) diese ab. Sie prüfen dafür, welche Features der Server anbietet und bieten eine Oberfläche, um ihn zu steuern. Die Kontrollpunkte (UPnP AV MediaServer ControlPoints) vermitteln zwischen den Clients und Diensten: Sie sind in der Lage, die Freigaben zu entdecken und zu lesen.

In der Praxis laufen UPnP-Clients auf der Xbox oder Playstation 3 oder auf einem intelligenten Fernseher. Auch die meisten käuflichen Media-Center – also die kleinen Boxen, die Sie an den Fernseher anschließen – bringen einen eingebauten UPnP-Client mit. Selbst auf Ihrem Smartphone können Sie Mediendateien abrufen. Ihr Linux-Rechner bringt gleich mehrere Programme mit, die UPnP-Freigaben abspielen: In diesem Artikel zeigen wir, wie es mit dem Videoabspieler VLC klappt (Abbildung 2). Mitunter bringen die Geräte auch gleich einen UPnP-Server mit, um auch selbst Dateien im Netzwerk anzubieten – das kommt aber seltener vor.

Abbildung 2: Geben Sie die Multimediadateien über einen UPnP-Server wie MediaTomb frei, spielen Sie diese auf einem anderen Rechner über VLC ab.

Neben UPnP taucht häufig auch der Begriff DLNA auf. Die Digital Living Network Alliance vergibt – in Form eines Logos – eine Art Gütesiegel für Geräte, die bestimmte Richtlinien erfüllen: die "Home Networked Device Interoperability Guidelines". Diese liegen seit 2006 in Version 1.5 vor und werden nur an Mitglieder der DLNA oder zahlende Interessenten vergeben. So führt die Organisation verschiedene Tests mit Geräten durch, die im Erfolgsfall das Siegel erhalten [1]. Das ist allerdings nicht sonderlich schwer: Ein großer Mangel von DLNA besteht darin, dass ein Gerät lediglich drei vorgeschriebene Audio-, Video- und Bildformate (LPCM, MPEG-2, JPEG) unterstützen muss, um das Logo zu erhalten [2].

UPnP-Chaos

In der Theorie klingt die Idee hinter UPnP großartig, in der Praxis macht sich oft Ernüchterung breit. Wenn Sie Pech haben, werfen Sie Ihren UPnP-fähigen Client an, geben auf einem anderen Rechner Ihre Multimediadateien frei und sehen am Ende doch nichts. Die verfügbaren freien und proprietären UPnP-Clients und -Dienste verfügen über ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Es grenzt an ein Kunststück, eine gut funktionierende Kombination aus Client und Server zu finden. Wahlweise unterstützt der Dienst oder der Client ein bestimmtes Format nicht. In diesem Fall tauchen die freigegebenen Dateien einfach nicht auf, oder sie lassen sich nicht abspielen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die kommerziellen UPnP-Implementierungen meist keinen Deut besser sind als die freien Varianten.

Allerdings scheint sich die Situation langsam zu verbessern. In unserem Test erzielten wir durchaus akzeptable Ergebnisse, die allerdings nur für die probierten Distributionen mitsamt der vorgestellten Testsoftware gelten. Wir haben MediaTomb 0.12.1 als Server eingesetzt, und zwar unter OpenSuse 11.4/12.1 und Kubuntu 11.10. Dieser kommt also auf den Rechnern zum Einsatz, auf denen sich Ihre Multimediasammlung befindet.

Als Client verwendeten wir VLC 1.1.13 in einer Vorabversion von (K)Ubuntu 12.04 sowie VLC 1.1.12 unter (K)Ubuntu 11.10. Die freie Software spielte die gewünschten Filme überall problemlos ab. Als wir jedoch aus Interesse einen UPnP-Client auf einem Android-Handy testeten, verweigerte dieser bei einem Teil der Filme die Kooperation – nicht untypisch für die Technologie.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_03

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...
Öhm - wozu Benutzername, wenn man dann hier mit Klarnamen angezeigt wird?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:30, 1 Antworten
Hallo Team von Linux-Community, kleine Zwischenfrage: warum muß man beim Registrieren einen Us...
openSUSE 13.1 - Login-Problem wg. Fehler im Intel-Grafiktreiber?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:26, 8 Antworten
Hallo Linux-Community, habe hier ein sogenanntes Hybrid-Notebook laufen, mit einer Intel-HD460...
Fernwartung für Linux?
Alfred Böllmann, 20.06.2014 15:30, 7 Antworten
Hi liebe Linux-Freunde, bin beim klassischen Probleme googeln auf www.expertiger.de gestoßen, ei...