Zeitreise mit VICE 2.0

Zeitreise mit VICE 2.0

Bereits am Wochenende schaffte die beliebte Emulatorensuite VICE den Sprung auf die Version 2.0. Die in ihr enthaltenen Programme reanimieren alte Commodore 8-Bit Computer aus den 70er und 80er Jahren, darunter den Commodore 128, Plus/4, VC 20 und natürlich den Klassiker Commodore 64 (kurz C64). Die einstigen Homecomputer verwendeten als Monitorersatz handelsübliche Fernseher. Deren Farbeigenschaften und das grundsätzlich etwas verschwommene Bild versucht eine neue PAL-Emulation nachzuahmen. Diese zwingt jedoch etwas betagtere Rechner unter Umständen in die Knie.

Die Entwickler raten in diesem Fall auf die alte PAL-Emulation umzuschalten. In deren Genuss kommen Linux-Anwender allerdings nur, sofern sie sich bereits beim Übersetzungsvorgang für die Verwendung der schon etwas angegrauten Xaw-Bibliotheken entscheiden. Wer die Menüs lieber vom optional nutzbaren GTK+ zeichnen lassen möchte, bleibt bei Problemen unverständlicherweise nur die Deaktivierung der PAL-Emulation.

Weitere Neuerungen muss man mit der Lupe suchen: VICE emuliert jetzt, wenn auch nur experimentell, NEOS und Amiga-Mäuse und unterstützt die einst beliebten Erweiterungsmodule Action Replay 4 und StarDos. Linux-Nutzer können nach einem Absturz des emulierten Prozessors wählen, ob sie einen Neustart oder die Fortsetzung der Emulation wünschen. Zusätzliche Portierungen sorgen dafür, dass sich die Emulatoren auch auf exotischen Betriebssystemen zuhause fühlen, wie beispielsweise QNX, Unixware, Openserver oder HPUX. Ansonsten wurden vor allem Fehler entfernt und die Emulation in Details verbessert.

Den angesichts dieser wenigen Änderungen doch recht gewagten Sprung auf die runde Version 2.0 rechtfertigten die Entwickler vor allem mit organistorischen Veränderungen. So residiert das VICE-Projekt ab sofort auf Sourceforge und nutzt dessen Dienste beispielsweise für Bug Reports.

Wer jetzt mit Hilfe von VICE eine kleine Zeitreise in die Anfänge der Computer wagen möchte, muss allerdings eine recht hohe Einarbeitungszeit in Kauf nehmen. Nicht nur, dass C64 und Co über BASIC-Befehle gesteuert wurden, die Emulatoren bieten auch noch derart viele Einstellungsmöglichkeiten, dass man um gute Kenntnisse der jeweiligen Originalhardware kaum herum kommt. Beim Einstieg helfen zahlreiche Einführungen im Internet oder der weitestgehend immer noch gültige Artikel im LinuxUser 12/2002.

Für einen Schnelleinstieg benötigt man ein Diskettenabbild eines Programms oder Spiels. Über File, bzw. einen Klick mit der linken Maustaste und dann Attach a disk image | Unit #8 legt man die Diskette in das erste, virtuelle Laufwerk. LOAD “*”,8,1 lädt dann das erste Programm, RUN startet es. Die Commodore-Computer sind übrigens berühmt berüchtigt für ihre teilweise extrem langen Ladezeiten.

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