Test: Hercules eCafé Netbook

Test: Hercules eCafé Netbook

Das eCafé sieht wie ein echtes Netbook aus. Der in Capuccino-Braun gehaltene Deckel glänzt angenehm ohne sofort Fingerabdrücke zu hinterlassen und das kleine Notebook liegt sehr angenehm in der Hand. Umso gespannter warteten wir darauf, auch das Innenleben des Netbooks kennenzulernen.

Pearl, Quelle und Otto bieten seit diesem Monat über ihre Online-Shops das Hercules-Netbook eCafé für 300 Euro zum Verkauf an. Die Hardware stammt von der französischen Hardware-Schmiede Guillemot, als Prozessor kommt ein Geode LX 800 von AMD zum Einsatz.

Den Einschaltknopf hat Hercules ins rechte Scharnier verpackt und mit einer blauen LED versehen. Beim Einschalten piepst das eCafé kurz und fährt anschließend in rund 35 Sekunden das stark angepasste Mandriva hoch. Die sehr kleine Tastatur hat einen angenehmen Druckpunkt und das Touchpad sowie beide Tasten reagieren Angenehm. Bis zu diesem Punkt vermag das Hercules-Netbook sehr zu gefallen.

Abb. 1:Hercules eCafé: Der Power-Button befindet sich im Scharnier.

Schwachstellen

Beim genaueren Hinschauen fallen allerdings kleinere Mängel auf. So bringt das Touchpad zum Beispiel keinen Scrollbereich mit und das Tastaturlayout der deutschen Version fällt etwas aus dem Rahmen: [Ä] und [Ü] befinden sich links und rechts gleich neben der sehr kurzen Leertaste (Abbildung 2). Das fordert etwas Übung beim Schreiben, ist aber nicht kritisch.

Abb. 2:Das deutsche Tastaturlayout weicht etwas vom Standard ab.

Schwachpunkt Nummer eins ist die grafische Oberfläche (Abbildung 3). Das Hercules-Netbook bringt nur ein 8-Zoll-Panel mit. Die Auflösung ist in der Grundeinstellung auf die bei aktuellen Netbooks üblichen 1024 x 600 Bildpunkte eingestellt. Da das Display aber nur 800 x 480 Pixel darstellen kann, wirken sämtliche Schriften unscharf. Obwohl der interpolierte Modus gerade die Darstellung von Internetseiten verbessern soll, wird das Lesen von Artikeln im Netz so zur Qual. Immerhin lässt sich die Anzeige über ein gesondertes Menü relativ einfach umstellen, was im laufenden Betrieb problemlos funktioniert.

Abb. 3:Vier verschiedene Welten führen den Benutzer durch das eCafé-Benutzerinterface.

Den zweiten Schwachpunkt machten wir beim Wifi-Manager fest. Das sehr hübsche Tool fand zwar sämtliche WLAN-Netze in der Umgebung und zeigte detaillierte Informationen dazu an. Es gelang ihm aber nicht, sich mit unserem per WPA-TKIP abgesicherten Access Point zu verbinden. Nachdem wir per wpa_passphrase eine neue wpa_supplicant.conf-Datei erstellten, gelang der Verbindungsaufbau über den zd1211-Chip hingegen problemlos.

Abb. 3:Hübsch gemacht, trotzdem gelang die Verbindung nicht: Der Wifi-Manager des Hercules-Netbooks.

Gehören Sie nicht zur hörgeschädigten iPod-Generation, dann dürfte Sie zudem ein Fiepen in einem sehr hohen Frequenzbereich direkt unterhalb der Tastatur stören. Es tritt allerdings nur dann auf, wenn der Akku geladen ist. Bei vollem Akku piepst das Ladegerät leicht, im Akkubetrieb arbeitet das eCafé ohne störende Nebengeräusche, lediglich die 20-GByte-Festplatte surrt vor sich hin.

Performance

Das eCafé setzt eine auf 500 MHz getaktete AMD-Geode-CPU ein. Dieser Umstand ist im normalen Betrieb kaum zu spüren. Die meisten Anwendungen reagieren trotz 512 MByte Hauptspeicher relativ flott. Eine hübsche 5-Sekunden-Animation verkürzt zudem die Wartezeiten bei sämtlichen Programmen. Auch OpenOffice läuft zufriedenstellend, nachdem die automatische Rechtschreibprüfung das Wörterbuch geladen hat. Der Geode-LX-Prozessor geht sehr sparsam mit dem 4000-mAh-Akku um. Das komplette System verbraucht ohne WLAN im Leerlauf nur 10 Watt, unter Last und mit WLAN steigt der Verbrauch auf 12 Watt an. Mit diesen Werten schafft das eCafé Laufzeiten zwischen drei und vier Stunden.

Wie schwach die CPU im Vergleich zum Atom-Prozessor wirklich ist, zeigt sich erst, wenn man CPU-intensive Arbeiten startet. So dauerte das Konvertieren einer kompletten CD im WAV-Format nach Ogg Vorbis auf dem eCafé rund 62 Minuten. Eine Atom-CPU mit 1,6 Ghz braucht für die gleiche Aufgabe 12 Minuten, mit einem Core-2-Duo-Prozessor ist die Arbeit bereits in 3 Minuten erledigt. Dieser Umstand fällt aber nur bei wenigen Anwendungen negativ auf, zum Beispiel beim Starten des Paketmanagers (man fühlt sich wie bei OpenSuse 10.1 mit kaputtem Zypper) oder beim Laden von Vorschaubildern im Dateimanager. Auch für die Live-Aufnahme von Filmen über die Webcam ist die interne CPU zu schwach. Als Resultat erhalten Sie nur ein ruckelndes Video, keinen Film.

Das Interface mit der Schnellstartleiste am linken Rand finden wir generell gut gelöst, allerdings benötigt der Rechner zum Umschalten von einer Welt zu einer anderen mit 2 Sekunden doch etwas lange. So sind im Easy-Modus um die Symbole zwischenzeitlich Artefakte zu sehen, wodurch das ganze System etwas unprofessionell wirkt. Dieses Problem sollte sich aber mit einem Software-Update lösen lassen. Für Poweruser gibt es auch eine Einstellung mit dem Panel am unteren Rand ohne Seitenleiste.

Wer mit dem eingerichteten speziellen Mandriva nicht zufrieden ist, kann sein Glück auch mit der eigenen Lieblingsdistribution versuchen. In den Tests gelang es uns aber weder OpenSuse 11.0 noch Ubuntu 8.04.1 zu installieren, lediglich Mandriva 2009 und Alt Linux 4.1 ließen sich auf dem Geode-Rechner einrichten. Allerdings gestaltet sich die Installation nicht ganz trivial.

Fazit

Das Hercules-Netbook verspricht mehr als es halten kann. Da sich die Mandriva-Entwickler schon die Mühe gemacht haben, eine neue grafische Oberfläche zu entwickeln, hätten sie diese besser der nativen Auflösung von 800 x 480 Pixeln angepasst. Das interpolierte Display hinterlässt so einen zwiespältigen Eindruck. Auch der Wifi-Manager enttäuschte in den Tests: eine nur halbwegs funktionierende WLAN-Software ist das Aus für jedes Netbook. Die gute Akkulaufzeit und der angenehm leise Betrieb auch unter Vollast räumen diese Schwachstellen leider nicht komplett aus dem Weg.

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