ForumLinux-Tutorium für Pädagogen
GoaSkin – Donnerstag, 03. November 2005 12:57 Uhr

Hallo,

ich habe mir überlegt, im nächsten Jahr ein Linux-Tutorium für Studenten im Bereich soziale Arbeit/ Sozialpädagogik mit dem Hintergrund anzubieten, armen und mittellosen Menschen zeigen zu können, wie sie einen Zugang zur Informationsgesellschaft haben können, ohne daß dabei Kosten entstehen – unter dem Strich, wie man auf gebrauchter oder geschenkter Hardware ausschließlich mit Open Source Programmen umgeht.

Als Basis soll eine freie Distribution dienen, wobei ich noch unschlüssig bin, welche am besten geeignet ist. Dabei soll in erster Linie der Umgang mit einer neuen grafischen Oberfläche und alternativen Anwendungen vermittelt werden und gezeigt werden, wie man Dinge, die der durchschnittliche User üblicherweise mit kommerzieller Standardsoftware löst, auch mit Alternativen hinbekommt.

Am Kurs werden in erster Linie Leute mit wenig Rechnererfahrung teilnehmen. Hat jemand eine Idee, wo man vernünftige Tipps herbekommt, wie man Leuten den Umgang mit Linux geschickt beibringt, die insgesamt wenig Computererfahrung haben (d.h. auch nicht viel von Windows verstehen)?

1 Antwort
lao_fu_ze – Donnerstag, 03. November 2005 19:39 Uhr

Nun, ich habe da Erfahrungen gemacht mit einigen Wenigen, die behauptet haben es lernen zu wollen. Da ist auch einer, der gerne Hintergrundbilder auf 21 Zoll anschaut, … aber … ICH muss sie ihm aus dem Internet fischen. Also gelinde gesagt (man wird mich bestimmt aus diesem Forum werfen):

Definiere Deine Zielgruppe ganz genau, denn sie muss
(a) lernfaehig sein (bis zu einer Woche techn. Ramsch im Kopf behalten)
(b) wissbegierig sein, bezueglich techn. Vorgehensweisen (zuerst 1 dann 2 dann 3 dann 4 ….)

Klingt einfach, gell? …., aber Normalbuerger wollen auf das Bild klicken, das wie die Wunschvorstellung aussieht. Dann soll es bereits so geschehen sein (siehe Zauberstab). Das Drumherum sollen irgendwelche anderen Leute loesen, oder Sie wollen Alles insgesamt garnicht sehen.

Auf jeden Fall den WM Kde vorfuehren und niemals ein Konsolenfenster mit Befehlszeile zeigen. Auch nicht zum Schnellen Herumverbiegen von Einstellungen. Das Konsolenfenster toetet jede Initiative bei Anfaengern.

Zu den techn. Problemen die Du haben wirst: gehe nicht zu weit herunter mit der Hardware. Ein Haupspeicher von 125MB ist bereits Minimum, da der WM Kde erst ab 125MB tut. Der WM Twm tut zwar auch auf 64MB Hauptsp., ist aber fuer Anfaenger nicht zu empfehlen.

Auf jeden Fall vorher DamnSmallLinux ausprobieren (bei http://www.linuxcdversand.de), wobei wahrscheinlich keine gute graf. Oberflaeche dabei ist. Ich habe das Teil erst in der Beschreibung gelesen und noch nicht ausprobiert.

Besorge Dir ein paar alte Rechner, aus einem bankrotten internet Cafe, aber achte auf 4 GB Platte, auch das ist ein Minimum. Es gibt in der Zwischenzeit Zwischenhaendler fuer veraltte PCs, so ab i386 400MHZ CPU aufwaerts. Die machen aber keine Werbung im Internet, da musst Du herumfragen. Ebay ist definitiv zu teuer.

Oh, noch eine Warnung: einige Distributionen (Kanotix, Suse, …) tun schon garnicht mehr mit i386, die wollen Minimum einen i486 oder besser, auch das bereits 6 Monate alte Kanotix/Kde.

Gruss

Jens Berger – Donnerstag, 03. November 2005 20:29 Uhr

“Auf jeden Fall den WM Kde vorfuehren und niemals ein Konsolenfenster mit Befehlszeile zeigen. Auch nicht zum Schnellen Herumverbiegen von Einstellungen. Das Konsolenfenster toetet jede Initiative bei Anfaengern.”
Das ist ganz bestimmt ein guter Tipp. Ansonsten hält er seinen Vortrag vor den Studenten, nicht sozial Benachteiligten. Die Studenten werden sicher auch nicht alle Streetworker, wie es so schön neudeutsch heißt.
Auf jeden Fall KDE und das Panel natürlich unten :-) klare Sache. Ansonsten würde ich gar nicht so technisch werden. Nicht vi oder tex, sondern OpenOffice & co. und ein paar Lernprogramme (kdeedu) und gut. Die Technik (Konfiguration mit YaST oder Mandriva) anbieten, aber nicht als Schwerpunkt vortragen. Keine compiler oder Programme aus Quelltexten. Immer schön mit der Distribution arbeiten, nicht die Installation von Fremdprogrammen. Alles ganz easy, null Problemo. Distributionen enthalten alles was man braucht, keine extra Anschaffungen nötig.
Die Sache mit der Hardware. Keine Ahnung. Ich würde jedem gegenüber argumentieren, bei Dell gibts den neuen Komplett-PC ab 319 Euro. Auch sonst würde ich mit der Hardware nicht allzu tief stapeln. Wenn OO zum Starten 3 Minuten braucht, macht es auch keinen Spaß.

GoaSkin – Donnerstag, 03. November 2005 21:21 Uhr

Ich tendiere dazu, mit (K)ubuntu zu arbeiten; ganz einfach aus dem Grund, da es sich um eine vollkommen freie Distribution handelt (es sollen ja keine Kosten entstehen) und die Leute im Zweifel auch etwas zu Hause ausprobieren können, ohne Platz für ein neues Betriebssystem auf den Rechner zu packen.
Vorzugsweise möchte ich schon KDE nutzen, allerdings ist die Paketauswahl bei Ubuntu da noch sehr beschränkt. Ansonsten denke ich, zunächst erst mal auf den Umgang mit KDE einzugehen, KDE Internet-Applikationen und dann auf Open Office, Gimp und ggf. nützliche Anwendungsbereiche, die durch diese Applikationen nicht abgedeckt werden. Technisch werde ich in erster Linie auf die Unterschiede zu Windows eingehen. Zur Installation werde ich nicht allzuviel sagen. Auch bei Linux-Distributionen gibt es Standard-Installationen. Auf die Partitionierung muß ich wohl eingehen. Ansonsten traut man sich es entweder zu, ein Betriebssystem zu installieren oder auch nicht. Es wird nicht die Aufgabe eines Sozialarbeiters sein, einen Rechner aufzusetzen, sondern wenn schon den Leuten den Umgang mit einem System zu vermitteln.
Alles andere kann ein ITler machen. Lediglich wenn es darum geht, bestimmten Klienten Linux zu vermitteln, braucht man einen Sozialpädagogen, der sich damit einwenig auskennt, ggf. auch nur als Unterstützung für jemanden, der Linux-Schulungen macht.