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Valentin Rouault – Donnerstag, 20. Oktober 2005 19:54 Uhr

Hi
ich bin ein ziemlicher Anfänger und würde trotzdem gerne Software aus dem Quellcode kompilieren und installieren. Kann mir jemand die genaua Vorgehensweis erläutern?
wär´ wircklich nett.

1 Antwort
Ottfried Meyer – Freitag, 21. Oktober 2005 15:45 Uhr

Moin Valentin,

…hmmm…Deine Frage ist sehr allgemein, sodaß ich Dir nur eine allgemeine
Hilfe anbieten kann.

Was die Compilation von Quellcode bedeutet, was dabei passiert und welche
Programme daran beteiligt sind, weisst Du ? Und Dein Linux-System läuft
bereits und hat diese Programm “inside” ;) ???

Gut!
Ein genaue Vorgehensweise zu schildern ist nicht möglich, da jeder Quellcode
anders kompiliert wird.

/Allgemein/ ( = sehr oft aber bei weitem nicht immer) gibt es im Verzeichnis
des Quellcodes eine Datei ./configure.

Wenn Du diese mit
./configure –help aufrufst, werden Dir Optionen angezeigt, die ./configure
versteht, mit diesen Optionen kannst Du das Verhalten des Compiliers und
des späteren Programms beeinflussen.
Hier hilft nur eines: LESEN und VERSTEHEN

“Out of the box” geht das nicht. Bei der Compilation enstprechenden (System-)
Programmen und deren falscher Konfiguration mit ./configure kannst Du auch
ganz komfortabel einfach das System zerschießen.

Einfachstest Beispiel: Ziel sichermachen. Programm: Shadow-Passwort-System.
./configure, make, sudo make install.

Ergebnis: System ist sicher — KEINER kann sich mehr einloggen.

BADABUMM!
Ich will hier weder Schrecken verbreiten und Leute verängstigen! Jeder
Sysadmin hat damit angefangen einer zu werden als er noch keiner war… ;O)

Aber es ist grundsätzlich eine gute Idee, sich ersteinmal darüber zu
informieren, wie man etwas macht, bevor man mit der Intention “mal sehen,
ob es klappt” mal eben so im Vorbeigehen sich selber ein endgültiges
Platzverbot für ein eigenes System erteilt.

Das Schema (NICHT DIREKT EINTIPPEN UND LOSLEGEN! YOU HAVE BEEN WARNED!) ist
der klassische “Dreiersprung”:

./configure && make && sudo make install

./configure checked Dein System, ob alle benötigten Dinge vorhanden sind und
merkt sich, wo etwas zu finden ist.

“make” steuert die eigentliche Compilation und sudo make install wechselt in
den root account und installiert die/das Programm/e.

In jedem Fall solltes Du Dateien wie “INSTALL”, “README” und ähnliche im root
Verzeichnis des Quellcodearchives gründlich durchlesen und verstehen, bevor
Du loslegst.

Wie gesagt, ein “Kochrezept” a la diverser sogenannter Fachzeitschriften, die
mit vollmundigen Slogans der Art “XYZ optimal nutzen”, “FIIP perfekt
konfigurieren”, “Die 20000 geheimsten Tricks zu Fenster Extra Pain”,
“Alle verborgene Kommandos ihrer Taschenuhr” etc für “Optimal Programme
kompilieren” gibt es ebenso wenig wie es “DEN besten Schuh” gibt. It depends.

Linux heisst viel lesen.
Belohnt wird man mit einer riesigen Tüte mit Wissen über die innere Mechanik
eines der erfolgreichsten Operationsystemarchitekturen (UN*X) und einem
System, das man um LICHTJAHRE weiter gehend nach seinem Gusto anpassen kann,
als das Herumgeklicke auf niedliich-bunten [OK][CANCEL]-Knopfpärchen es jemals
ermöglichen werden.

Ich hoffe, Dich nicht verschreckt zu haben.
Als Start empfehle ich Dir, ein “harmloses” Programm als Quellcode zu wählen,
welches NICHT auf Deinem System zu finden ist. http://www.freshmeat.net ist ein
guter Startpunkt. Auch sollte das Programm nicht aus mehreren Bruttoregister-
tonnnen Quellcode bestehen, sondern nur aus ein paar Files.

Vielleicht ein Kommandozeiletool ohne GUI? “Harmlos” in diesem Zusammenhang
heisst, dass es kein Systemtool ist, sondern z.B. Texte bearbeitet/verändert,
Rechenwerte ermittelt — also Dinge tut, deren Ergebnis in keinster Weise
das Systemverhalten beeinflussen und ausschließlich für den Benutzer des
Systems von Bedeutung sind.
Sollte was schiefgehen, kriegt man es schon wieder geradegebogen :)

Viel Erfolg!
Meino

Jens Berger – Freitag, 21. Oktober 2005 19:49 Uhr

http://www.linux-user.de/ausgabe/2000/08/044-installieren/installieren.html