Wer eine bestimmte Stelle in einer mehrere Gigabyte großen Textdatei auffinden möchte, kommt mit den herkömmlichen Texteditoren nicht besonders weit: Entweder laden diese eine solch große Datei gar nicht erst ein oder aber sie stürzen beim Ladevorgang ab. Die ganze Textflut mit dem Kommandozeilenprogramm more zu durchblättern, dürfte wohl nur etwas für Masochisten sein.
Der Autor selbst musste vor Kurzem ein im Laufe der Jahre gewachsenes E-Mail-Archiv durchsuchen. Gefragt war lediglich das Datum einer ganz bestimmten E-Mail. Um dieses aufzuspüren, kam zunächst grep in den Sinn:
grep "Biene Mayer" inbox
Das spuckt allerdings nur die Zeile mit dem Namen des Absenders aus.
Griffig
Um auch an die Betreff-Zeile und das Datum der entsprechenden E-Mail zu gelangen, mussten auch die Zeilen um die Fundstelle herum ausgegeben werden. Genau dafür kennt grep den Parameter -C:
grep -C 2 "Biene Mayer" inbox
Dieser Befehl liefert auch die zwei Zeilen vor, sowie die zwei Zeilen nach dem Absender – mit anderen Worten also auch die vier Zeilen um die Fundstelle herum.
Bei vielen großen Textdateien dürfte man damit schon ans Ziel gelangen. Hier gab es jedoch im E-Mail-Archiv gleich mehrere E-Mails von Biene Mayer. grep spuckt somit alle Fundstellen aus. Diese sind zwar jeweils durch mehrere Bindestriche getrennt ----, bei der entstehenden Textflut war das aber nicht besonders hilfreich. Nur die erste Fundstelle liefert grep, wenn man noch den Parameter -m 1 anhängt:
grep -m 1 -C 2 "Biene Mayer" inbox
Dummerweise war das jedoch nicht die gesuchte E-Mail. Man könnte jetzt viel Hirnschmalz in das Suchmuster stecken oder zu speziellen grep-Alternativen greifen (beim Durchsuchen von großen E-Mail-Archiven hilft beispielsweise das darauf spezialisierte grepmail[1]).
Weniger ist mehr
Das alles ist jedoch gar nicht nötig, denn auf der Festplatte schlummert bei den meisten Distributionen less. Dieser more-Ersatz durchsucht auch beliebig große Textdateien. Dazu setzt man less schlicht auf die Textdatei an:
less inbox
tippt einen Schrägstrich / (via [Umschalt+7]), gibt an der erscheinenden Kommandozeile das gesuchte Wort ein (im Beispiel Biene Mayer) und drückt die Eingabetaste. Damit landet man automatisch beim ersten Treffer. [N] springt jetzt zum nächsten Treffer, [Umschalt+N] zum vorherigen zurück. Wie gewohnt kann man mit den Pfeiltasten nach oben und unten oder seitenweise mit [Bild auf] und [Bild ab] blättern.
Es gibt natürlich noch weitere Möglichkeiten, eine riesige Textdatei nach einem Begriff zu durchpflügen, grep und less dürften für die meisten schnellen Suchen allerdings schon ausreichen.
Infos
[1] Axel Beckert, Frank Hofmann, „Durchkämmt“ – Suche in Datenformaten (Teil 2), LinuxUser, Ausgabe 7/2012:
https://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Print-Artikel/LinuxUser/2012/07/Suche-in-Datenformaten-Teil-2/







cat inbox |
Ist völlig unnötig.
grep “Biene Mayer” inbox
Stimmt, Danke für den Hinweis. Ich lasse es im Text aber jetzt erstmal so stehen.
(Ich habe in der letzten Zeit eindeutig zu viel mit der Pipe arbeiten müssen… :))
> Ich lasse es im Text aber jetzt erstmal so stehen.
Warum? Weil es so schön diletantisch aussieht?
> Warum?
Weil es den Kommentar erklärt. Ich werde es dann aber jetzt ändern.
> Weil es so schön diletantisch aussieht?
Warum diletantisch? Es ist eine weitere (erlaubte) Möglichkeit, “grep” die zu untersuchenden Informationen zuzuführen. Die Textdatei muss “grep” sowieso einmal komplett durchgehen. Von der Geschwindigkeit dürfte das zudem auf modernen Rechnern keinen großen Unterschied machen.