Wenn man mal dem Kernel einen weiteren Parameter mit auf den Weg geben möchte, drückt man beim Start von GRUB2 die Umschalt-Taste (sofern das Menü nicht ohnehin automatisch erscheint), steuert den entsprechenden Punkt an, tippt auf [e] und hängt der Zeile mit dem Linux-Kernel den Parameter an. Dieses Spielchen muss man allerdings bei jedem Neustart des Systems wiederholen. Möchte man den Parameter dem Kernel dauerhaft mit auf den Weg geben, muss man sich zwangsweise an der GRUB2-Konfiguration zu schaffen machen.
Welche Menüeinträge das Bootmenü anzeigt und wie GRUB2 den Linux-Kernel starten soll, beschreibt die Konfigurationsdatei grub2.cfg (je nach Distribution im Unterverzeichnis /boot/grub/ oder /boot/grub2/). Viele Anleitungen im Internet raten dazu, genau diese Datei zu ändern. Das funktioniert zwar, ist aber dennoch keine gute Idee: GRUB2 erzeugt die Datei grub2.cfg automatisch selbst. Genauer gesagt, das kleine Skript update-grub. Es sucht mit Hilfe von ein paar anderen Kollegen die auf dem System installierten Betriebssysteme und stellt die Konfigurationsdatei grub2.cfg zusammen. Das passiert beispielsweise immer automatisch nach der Aktualisierung des Kernels. Diese Arbeitsweise ist zwar extrem komfortabel, die eigenen Anpassungen würden damit aber auch unweigerlich überschrieben.
Daher raten die GRUB2-Entwickler eindringlich dazu, von grub2.cfg die Finger zu lassen. Aussehen und Verhalten des Bootmenüs regelt man in der weitaus übersichtlicheren und genau für diese Zwecke gedachte Konfigurationsdatei /etc/default/grub. Dort kann man beispielsweise die Anzeigedauer des Bootmenüs, die Auflösung und eben auch weitere Kernel-Parameter vorgeben. Für letzteres zuständig ist die Zeile, die mit
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="
beginnt. In ihr notiert man einfach vor dem zweiten Anführungszeichen “ alle Parameter, die man dem Kernel mitgeben möchte. Die dort schon vorhandenen kann man natürlich auch entfernen. Wen beispielsweise unter Ubuntu der Splash-Screen stört, macht aus:
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash"
ein:
GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet"
Nachdem man seine Änderungen vorgenommen hat, speichert man die geänderte Datei und lässt die GRUB2 Konfigurationsdatei aktualisieren:
sudo update-grub
Man sollte übrigens genau darauf achten, die Zeile GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT zu erwischen und nicht die fast gleichlautende GRUB_CMDLINE_LINUX. Die dort hinterlegten Parameter gelten nämlich auch für den Recovery-Modus – und den sollte man möglichst in seinem aktuellen Zustand belassen. Weitere Informationen zu den einzelnen Zeilen findet man beispielsweise unter http://wiki.ubuntuusers.de/GRUB_2/Konfiguration#Variable-fuer-Kernelzeilen.





