Kastriertes openSUSE?

Kastriertes openSUSE?

Vielleicht denkt sich der ein oder andere User bei dem gewählten Titel, was da jetzt wohl wieder kommen möge. Ich kann Euch beruhigen: Es hat nichts mit dem sogenannten Distro-Bashing zu tun, stellt vielmehr die Frage, was Novell mit seiner kürzlich geänderten Markenrecht-Richtlinie (http://files.opensuse.org/opensuse/en/5/51/OpenSUSE_Trademark_Guidelines.pdf) den openSUSE-Fans wiedermal “auf’s Auge drückt”…

Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass openSUSE neue Markenrecht-Richtlinien veröffentlichte, die mit der kommenden Version 11.2 anzuwenden sind. Die Richtlinien besagen, daß in Zukunft nur noch Original-Abbilder von Novell den Namen “OpenSuse” tragen, jegliche Paket- und distributionsspezifische Änderungen sich lediglich “Powered by OpenSuse” nennen dürfen.

Die Krönung des ganzen wird in einem weiteren Abschnitt des von Novell gezeichneten Papiers sichtbar: Mit dieser Markenrecht-Richtlinie soll bei Veränderungen durch beispielsweise proprietäre Pakete oder durch das Einbinden rechtlich bedenklicher Paket-Quellen auch das sogenannte openSUSE-Branding entfernt werden. Das hieße im Klartext, daß 99 Prozent aller Nutzer der openSUSE-Distribution den Geeko auf dem “Start”-Knopf und weitere openSUSE-Erkennungszeichen entfernen müssen, wenn diese nicht auf Flash-Filmchen, DVD schauen, Musik hören und auf die beliebten 3D-Spiele verzichten wollen.

An Banalität ist diese Richtlinie dann auch wohl nicht mehr zu übertreffen, verbietet sie den eigenen Nutzern ihr System durch den lieb gewonnenen Geeko zu repräsentieren und damit openSUSE noch bekannter zu machen. Wenn dieses Papier nicht revidiert oder zumindest benutzerfreundlich geändert wird, ist in Zukunft ein openSUSE-System nicht mehr zu erkennen. Auch kann man dann getrost auf distributionseigenes Artwork wie Logos und eines Yast-Maskottchens verzichten.

Was will man damit erreichen? Vor allem stellt sich mir die Frage: Warum ist die Community bei der Veröffentlichung dieser “Kastration” verdammt ruhig geblieben?

Sodann verbleibe ich in der Hoffnung, dass die Community endlich aufwacht und auf die Barrikaden geht, denn openSUSE soll openSUSE bleiben!

Euer MarKre

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Ferdinand Thommes
16 Jahre her

Das Markenrecht ist eine zweischneidige Sache. Einerseits schützt es den Inhaber, auf der andereen Seite ist aber der Inhaber auch verpflichtet gegen Verstösse vorzugehen um seine Marke nicht zu schwächen. Wenn Novell darauf besteht das Paketänderungen und distributionsspezifische Änderungen (was sehr weit gefasst ist) bedingen dass der Markenname openSuse nicht verwendet werden darf so verhindert das eine Schwächung der Marke. Ich bin kein Anwalt sondern stellvertretend für sidux e.V. halte ich die Wortmarke ‘sidux’, einer nicht kommerziellen debianbasierten Distribution. Wenn nun jemand hergeht, sidux remastered, dabei unfreie oder gar illegale Software hinzufügt die unser Credo: “sidux Releases enthalten nur freie… Mehr »

MarKre
16 Jahre her

Hallo Ferdinand! ich finde es klasse, wenn auch andere Distributoren über dieses – Du hast es schon angesprochen – zweischneidige Schwert sprechen, so kann man auch andere Meinungen zum Thema in Erfahrung bringen. Sidux als deutsche unabhängige Distribution setzt in Sachen Markenrecht auf andere Prioritäten: Nämlich dem Schutz des Namens, wie Du es schon angesprochen hast. Das ist selbst für ein OpenSource-Projekt eine Pflichtaufgabe, wenn man zukünftige Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg gehen und den Namen gesichert haben möchte. openSUSE ist ebenso ein Community-Projekt, das allerdings durch Novell teilweile finanziert und unterstützt wird. Eigenartig bei der Verabschiedung der Markenrecht-Richtlinie ist, dass… Mehr »

Sam Vimes
16 Jahre her

Canonical geht ja auch gegen die Verwendung des Worter Ubuntu in anderen Distros vor.

MarKre
16 Jahre her
Reply to  Sam Vimes

Deinem Beispiel folgend: Man nehme mal an, dass Canonical – als federführende Firma hinter dem Ubuntu-Projekt – irgendwann beschließt, daß jegliche wiedererkennbare Ubuntu-Grafiken und -Logos aus der Distribution entfernt werden müssen, wenn die Benutzer proprietäre Pakete wie Flash nutzen. Was würde für eine “Revolution” vom Zaun brechen? Den Namen “Ubuntu” markenrechtlich zu schützen ist vollkommen in Ordnung und auch nachvollziehbar. Bei Verwendung von proprietären Pakten in der Distribution aber die Logos zu entfernen gleicht – mit Verlaub – an vehementer Kastration! Wenn man sich vorstellt, daß jede Firma/Projekt so handeln würde, dann hätte man nicht mehr diese vielfältigen Distributionen mit… Mehr »

S.Kemter
16 Jahre her

@devil

Novell hält weiter das Namensrecht an dem Namen openSUSE und kann daher über die Nutzungsbestimmungen des Namen und der entsprechendenen Brandings entscheiden

@MarKe Du hast dir hoffentlich mal Gedanken gemacht, was “Distributing” bedeutet. Auf meinem System zu Hause ein rechtlich fragliches Paket zu isntallieren ist “Using”. Nirgendwo steht das ich dann den SUSE-Startknopf entfernen müßte!

Verteile “distributiere” ich aber eine auf openSUSE basierte eigene Distribution mit einem rechtlich fraglichen Paket – dann trifft mich diese Klausel und weißt Du was, das ist in Ordnung.

MarKre
16 Jahre her
Reply to  S.Kemter

Du magst vielleicht insofern Recht haben, daß Novell am Namen openSUSE die Rechte besitzt. Wenn Du openSUSE in Version 11.2 verwendest, die proprietäre Pakete lädst, bis auch DU von dieser Markenrecht-Richtlinie betroffen, die sagt, daß DU die openSUSE-Brandings (mit einem bereitgestellten und mitgelieferten Tool) entfernen mußt!

Ich lass mich aber auch gern von der Linux AG aufklären, deren Informationsquellen doch weiter reichen als meine… ;)

gnokii
16 Jahre her
Reply to  MarKre

Ich kann da keine Argumente sehen und das Gefasel von Linux AG versteht wohl auch kaum einer.

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