Der Firefox-Abkömmling Zen Browser im Test

Aus LinuxUser 10/2025

Der Firefox-Abkömmling Zen Browser im Test

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Reduktion aufs Wesentliche

Unter Linux gelten Firefox und Chrome als gesetzt. Mit dem Zen Browser steigt nun eine interessante Alternative in den Ring.

Den Markt für Webbrowser teilen sich unter Linux vorrangig Googles Chrome auf der einen Seite und Mozillas Firefox auf der anderen Seite auf. Doch beide kommen nicht ohne Nachteile aus. Während Chrome alles andere als datensparsam arbeitet, wirkt Firefox träge und optisch veraltet. Mit dem Firefox-Abkömmling Zen [1] möchte jetzt ein frischer wirkender und funktional entschlackter Webbrowser Anwender für sich gewinnen. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob die Nutzer bereit sind, sich auf das eigenwillige Bedienkonzept einzulassen.

Den Zen Browser beziehen Sie als Tarball über die Webseite des Projekts oder verwenden das Flatpak über das Flathub-Repository [2]. Darüber hinaus steht der Browser auf der Github-Seite des Projekts als Appimage [3] für Intel/AMD-Systeme mit 64-Bit-Architektur oder für ARM-Prozessoren bereit. Lediglich bei der Installation über das Flathub-Repository legt die Routine automatisch einen Eintrag im Hauptmenü an.

Nach dem ersten Start stoßen Sie auf einen Willkommensassistenten, der erst im zweiten Schritt das eigentliche Anwendungsfenster öffnet. Er bleibt ihnen darin zentriert erhalten und bietet zunächst die Einstellung als Standardbrowser sowie den Import von Bookmarks und Einstellungen aus anderen Browsern an.

Danach wählen Sie die gewünschte Standardsuchmaschine aus. Hier offeriert die Software neben den üblichen Verdächtigen Google und Bing bislang ausschließlich DuckDuckGo als datenschutzfreundliche Lösung. Nach einem Klick auf Next gelangen Sie in einen Dialog zum Definieren fester, also immer geöffneter Tabs. Dabei stehen zahlreiche Social-Media-Kanäle zur Wahl. Schließlich entscheiden Sie sich noch für eine Hintergrundfarbe für den Browser, danach erscheinen die Bedienelemente.

Das Browserfenster (Abbildung 1) von Zen fällt optisch komplett aus dem Rahmen: Bedienelemente und Tabs finden sich links in einer vertikalen Steuerleiste, während es die Seiteninhalte rechts daneben darstellt. Eine konventionelle Menü- oder Schalterleiste fehlt. Die Steuerelemente für das Blättern und Neuladen von Webseiten integriert die Software stattdessen in die Steuerleiste oben. Darin befindet sich auch das Konfigurationsmenü, das Sie ganz links über das mit drei Punkten versehene Symbol aufrufen.

Abbildung 1: Das Browserfenster von Zen gestaltet sich auch wegen der vertikalen Reiterleiste etwas gewöhnungsbedürftig.

Abbildung 1: Das Browserfenster von Zen gestaltet sich auch wegen der vertikalen Reiterleiste etwas gewöhnungsbedürftig.

Räumlichkeiten

Neben diesem ungewöhnlichen Erscheinungsbild verfolgt der Zen Browser ein Konzept der sogenannten Bereiche. Sie dienen dazu, Sitzungen und Tabs zu organisieren, um den Zugriff auf häufig besuchte Inhalte zu beschleunigen. Durch Eingabe einer URL in der Eingabezeile links oben öffnet der Browser einen Reiter, der darunter in der Tab-Liste auftaucht. Sobald Sie eine neue URL oben eintippen, zeigt Zen sie anstelle der alten in der Tab-Liste an.

Um dort Reiter dauerhaft zu speichern, klicken Sie auf das Plus oder die Option Neuer Tab. In einem kleinen überlagernden Fenster tragen Sie die gewünschte URL ein und rufen die Seite auf. Sie erscheint dann in der Tab-Liste (Abbildung 2), sodass Sie später jederzeit erneut auf sie zugreifen können.

Abbildung 2: Mithilfe einer Tab-Liste können Sie häufig besuchte Webseiten auch ohne jeweils neue Eingabe der URL schnell öffnen.

Abbildung 2: Mithilfe einer Tab-Liste können Sie häufig besuchte Webseiten auch ohne jeweils neue Eingabe der URL schnell öffnen.

Durch einen Klick auf das Löschsymbol, das beim Berühren eines Tabs mit dem Mauszeiger rechts aufleuchtet, entfernen Sie den Reiter aus der Liste. Ein Rechtsklick auf einen Tab blendet ein Kontextmenü ein. Damit verwalten Sie unter anderem Ihre Tab-Sammlungen. Insbesondere bei vielen häufig besuchten Webseiten geht mitunter bei dieser Darstellungsform in der Reiterliste schnell die Übersicht verloren. Die Software erlaubt daher, Tabs in Bereichen zusammenzufassen.

Um einen neuen Bereich anzulegen, klicken Sie unten links im Programmfenster auf das Plus und wählen aus dem Menü die Option Bereich erstellen aus. Das Fenster wird daraufhin samt der vertikalen Leiste geleert. Links öffnet sich der Dialog zum Anlegen eines neuen Bereichs. Dort vergeben Sie einen Namen für den Bereich, ein zugeordnetes Profil sowie ein Theme und klicken abschließend auf Bereich erstellen. Danach sehen Sie ihn in der Steuerleiste, in der Sie per Mausklick zwischen den Räumen wechseln.

Der Browser merkt sich in jedem Bereich den zuletzt geöffneten Tab und ruft die entsprechende Seite erneut auf, sobald Sie in diesen Bereich springen. Da die Software in jedem Raum die Tabs im Hintergrund aufruft, erfolgt der Wechsel zwischen Reitern extrem schnell. Längere Ladezeiten entfallen selbst bei komplexen Inhalten.

Konfiguration

Über das Punktemenü oben links erreichen Sie den von Firefox bekannten Einstellungsdialog. Sobald Sie ihn öffnen und ein Untermenü aktivieren, gesellt sich die Einstellungsseite als neuer Tab in der Liste hinzu. Die einzelnen Konfigurationsdialoge haben die Entwickler im Vergleich zum originalen Firefox teils deutlich überarbeitet. Beispielsweise verlagert Zen Untergruppen aus dem Menü Einstellungen in eine weitere vertikale Spalte.

Der Eintrag Zen Mods führt auf eine Webseite mit speziellen Modifikationen für den Webbrowser. Sie bietet aktuell 82 verschiedene Modifikationen (Abbildung 3) für das Erscheinungsbild, die Menükonfiguration und die Bedienoberfläche an. Nach einem Klick auf eine der Modifikationen landen Sie auf der entsprechenden Installationsseite und laden die Anpassung über Install Mod herunter.

Abbildung 3: Mithilfe der Zen-Mods passen Sie den Browser sehr detailliert an Ihre Bedürfnisse an.

Abbildung 3: Mithilfe der Zen-Mods passen Sie den Browser sehr detailliert an Ihre Bedürfnisse an.

Problematisch

Beachten Sie, dass der Zen Browser sich derzeit noch in einem Beta-Stadium befindet und deswegen einige Konfigurationsoptionen noch nicht zum gewünschten Ergebnis führen. So sollten Sie in der Rubrik Datenschutz**& Sicherheit der Browsereinstellungen die Optionen zum Anlegen einer Chronik nicht ändern. Wenn Sie darin einen der Einträge aktivieren, dunkelt das Browserfenster nach einem Neustart komplett ab. Das betrifft außerdem Buttons und Schaltflächen, sodass sich der Browser nicht mehr bedienen lässt. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchen Quellen Sie die Software bezogen haben. Um wieder mit dem Netznavigator arbeiten zu können, müssen Sie ihn komplett deinstallieren und neu einrichten, womit auch die bereits vorgenommenen Einstellungen verloren gehen.

Weitere Probleme fielen im Test nicht auf. Die Konfigurationsdialoge weichen teils leicht von denen des Firefox-Browsers ab, sodass es sich empfiehlt, alle Rubriken zu überprüfen. Zu beachten ist auch die im Vergleich zu Firefox unterschiedliche Steuerung der Fenstergröße und beim Beenden der Sitzung. Um das Browserfenster zu schließen, klicken Sie entweder oben links auf das Punkte-Menü und wählen darin den letzten Eintrag Beenden. Alternativ bewegen Sie den Mauszeiger an den oberen Fensterrand und können danach in der herunterklappenden Titelleiste rechts den Browser beenden oder die Größe des Browserfensters anpassen.

Erweiterungen

Da der Zen Browser weitgehend zu Firefox kompatibel ist, lassen sich dessen Erweiterungen (Abbildung 4) nutzen. Das Projekt liefert die Software ohne jegliche Erweiterungen aus, sodass beispielsweise Werbung ungefiltert auftaucht. Auch die Nutzverfolgung über Webseiten hinweg und das Ausspionieren des Nutzerverhaltens durch die üblichen Datensammler werden nicht blockiert. Über den Punkt Erweiterungen & Themes aus dem Einstellungsdialog richten Sie die von Mozilla bereitgestellten Erweiterungen im Zen Browser ein. Alternativ klicken Sie auf das Puzzleteil-Icon oben links in der vertikalen Steuerleiste, um denselben Dialog zu erreichen.

Durch einen Klick auf den oben angezeigten Link gelangen Sie auf die Addon-Seite von Mozilla. Dort suchen Sie nach Erweiterungen und binden sie über Zu Firefox hinzufügen in Ihren Browser ein. In der folgenden Abfrage legen Sie fest, ob das jeweilige Addon in der Symbolleiste sichtbar sein soll. Wegen Platzmangels greift diese Einstellung jedoch nur für die ersten beiden installierten Erweiterungen. Wie von Firefox gewohnt, administrieren Sie die Addons über Erweiterungen verwalten. Die Option erscheint auch nach erneutem Klick auf das erwähnte Puzzleteil.

Abbildung 4: Für den Zen Browser können Sie alle verfügbaren Firefox-Addons von Mozilla installieren und nutzen.

Abbildung 4: Für den Zen Browser können Sie alle verfügbaren Firefox-Addons von Mozilla installieren und nutzen.

Beachten Sie bitte, dass sich die ebenfalls auf der Mozilla-Seite vorgehaltenen Themes nicht für den Zen Browser eignen. Sie lassen sich zwar installieren, ändern aber nicht das Erscheinungsbild des Browsers. Um das zu modifizieren, nutzen Sie stattdessen die Zen-Mods. Da die Software für jede Seite einen neuen Tab in der Steuerleiste anlegt, leidet zudem bei Installation mehrerer Erweiterungen die Übersichtlichkeit der Tab-Liste. Deswegen sollten Sie nicht mehr benötigte Tabs stets schließen.

Fazit

Allen voran fällt die im Vergleich zum originalen Firefox enorme Ladegeschwindigkeit von Webseiten im Zen Browser auf. Da er auch die in verschiedenen Tabs hinterlegten Webseiten im Hintergrund lädt, klappt ein schneller Wechsel zwischen den Tabs ohne Wartezeiten. Der Ressourcenbedarf des Zen Browsers unterscheidet sich dabei nicht wesentlich von Firefox. Er startet jeden Tab in einem eigenen Prozess, der auch einen entsprechenden Arbeitsspeicherbedarf aufweist. Die Software eignet sich daher nur bedingt für Rechner mit wenig Arbeitsspeicher.

Der Zen Browser bietet eine gute Alternative für Firefox-Anwender, denen das Original zu langsam und behäbig arbeitet. Wenn Sie keinen Wert auf optischen Schnickschnack durch Tausende unterschiedlicher Themes legen, jedoch die datenschutzfreundlichen Konfigurationsoptionen und Erweiterungen von Firefox weiterhin nutzen möchten, lohnt sich ein näherer Blick auf die Software. (tle)

Infos

  1. Zen Browser: https://zen-browser.app
  2. Zen Browser herunterladen: https://zen-browser.app/download/
  3. Zen Browser von Github herunterladen: https://github.com/zen-browser/desktop/releases
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