Datentransfer im heterogenen Intranet mit LANDrop

Aus LinuxUser 09/2024

Datentransfer im heterogenen Intranet mit LANDrop

© jarts / photocase.com

Zustelldienst

Es muss nicht immer Samba sein: Mit LANDrop teilen Sie Ihre Daten im lokalen Netz ohne den Umweg über einen Server.

Der schnelle Datenaustausch von Bildern, Musik und Videos ohne zwischengeschaltete Server und ohne Registrierung ist ein vor allem auf Smartphones gern genutztes Feature. Doch Programme wie Apples Airdrop oder Googles Quick Share interagieren nur mit Geräten der eigenen Plattformen.

Hier springt LANDrop [1] in die Bresche, das als freie Software alle gängigen Plattformen abdeckt und eine unkomplizierte und schnelle Datenübertragung zwischen PC und Smartphone gestattet – Peer-to-Peer ohne zwischengeschaltete Instanzen.

Technologie und Setup

Die P2P-Lösung zur Datenübertragung im lokalen Netz steht für alle gängigen Betriebssysteme bereit. Selbst einige TV-Geräte lassen sich via LANDrop zum Datentransfer verwenden. Das Programm arbeitet ausschließlich mit Devices, die sich im gleichen Netzwerk befinden. Die Datenübertragung erfolgt dabei verschlüsselt. Im Gegensatz zu anderen Anwendungen dieser Art verzichtet die Software auf das Komprimieren von Videos und Bilddaten.

Für Linux steht das Programm als Appimage-Paket bereit und lässt sich daher unter allen gängigen Distributionen verwenden [2]. Nach dem Herunterladen des rund 32 MByte umfassenden Pakets geben Sie ihm mit dem ersten Terminalbefehl aus Listing 1 Ausführrechte. Danach starten Sie die Software mit dem zweiten Befehl oder klicken im Dateibrowser darauf.

Alternativ integrieren Sie die Applikation mithilfe des Werkzeugs AppImageLauncher [3] ins System. Dann fügt sich LANDrop nicht nur in das Menü Ihrer Arbeitsumgebung ein, sondern aktualisiert sich auch (sofern unterstützt) bei Erscheinen neuer Versionen selbstständig.

Listing 1

LANDrop starten

$ chmod +x LANDrop-latest-linux.AppImage
$ ./LANDrop-latest-linux.AppImage

Oberfläche

LANDrop öffnet beim Start kein Fenster, sondern platziert lediglich ein Icon im System-Tray der Arbeitsumgebung. Ein Rechtsklick darauf öffnet ein Kontextmenü, in dem Sie die wichtigsten Aktionen anstoßen.

Nach der Installation empfiehlt sich zunächst das Konfigurieren der Anwendung über den Eintrag Settings im Kontextmenü. Im neuen Fenster geben Sie den gewünschten Gerätenamen ein und legen einen Pfad fest, in dem die App heruntergeladene Daten speichert. Außerdem bestimmen Sie, ob Ihr Rechner im Intranet für andere LANDrop-Instanzen sichtbar sein soll. Zusätzlich stellen Sie ein, ob sich der Download-Ordner nach dem Herunterladen einer Datei automatisch öffnet (Abbildung 1). Existiert der Ordner noch nicht, legt die Routine ihn beim Schließen des Fensters automatisch an.

Abbildung 1: Der Konfigurationsdialog von LANDrop beschränkt sich aufs Wesentliche.

Abbildung 1: Der Konfigurationsdialog von LANDrop beschränkt sich aufs Wesentliche.

Danach können Sie bereits mit dem Versand von Inhalten beginnen. LANDrop bietet dazu zwei optisch nahezu identische Dialoge: Mit einem Klick auf die Option Send File(s) im Kontextmenü der Anwendung öffnen Sie das Fenster zum Versand von Dateien und Ordnern. Darin wählen Sie im Listenbereich oben Dateien oder Verzeichnisse entweder per Drag & Drop oder über die Schaltflächen Files und Folder zur Übertragung aus. Der Button Remove rechts daneben entfernt markierte Daten aus der Übertragungsliste.

Das untere Fenstersegment zeigt alle Endgeräte im Intranet, die LANDrop als potenzielle Empfänger identifiziert hat. Mit einem Klick auf eines dieser Geräte wählen Sie es als Empfänger aus und schicken die Daten via Send an die Gegenstelle (Abbildung 2).

Abbildung 2: Dateien und Ordner verschicken Sie mit wenigen Klicks an das korrespondierende Gerät.

Abbildung 2: Dateien und Ordner verschicken Sie mit wenigen Klicks an das korrespondierende Gerät.

Auf dem Empfangsgerät erscheint daraufhin eine Benachrichtigung, die die Anzahl und die Größe der anstehenden Daten mitteilt. Der Empfänger entscheidet, ob er den Transfer annimmt. Tut er das, speichert die App die Daten im angegebenen Zielverzeichnis. Sowohl beim Sender als auch beim Empfänger blendet die Software eine Fortschrittsanzeige ein. Nach Abschluss des Datentransfers öffnet die App auf dem Empfängerrechner das Zielverzeichnis mit den übertragenen Daten. Beachten Sie, dass beim Transfer kompletter Ordnerhierarchien deren Struktur erhalten bleibt.

Geschwätzig

Um mit LANDrop Textnachrichten zu versenden, wählen Sie aus dem Kontextmenü die Option Send Text. Im neuen Fenster fügen Sie einen Text aus der Zwischenablage entweder per [Strg]+[V] oder den Button Paste in das Eingabefeld ein. Alternativ tippen Sie die Nachricht direkt in das Feld. Anschließend legen Sie im unteren Bereich den Empfänger der Nachricht fest; ein Klick auf Send schickt sie ab.

Beim Empfänger öffnet sich daraufhin ein Textfenster mit dem Inhalt der Nachricht. Es zeigt auch den Versender an. Über die Schaltfläche Copy kopiert er den Inhalt in die Zwischenablage.

Beachten Sie, dass die Software die erhaltenen Nachrichten nicht speichert. Es gibt auch keine Antwortmöglichkeit im selben Fenster. Ein Schließen des Textfensters löscht die Nachricht. Diese Funktion ersetzt daher keinen Instant Messenger, sondern eignet sich eher dazu, den Empfänger über versendete Inhalte zu informieren.

Kompatibilität

Da die Software rege weiterentwickelt wird, erscheinen regelmäßig neue Versionen. Ein Klick auf den Eintrag Check for Updates prüft auf neue Versionen. Steht eine solche an, lässt sie sich jedoch nicht direkt aktualisieren. Stattdessen öffnet die Routine die Download-Seite des Projekts, von der Sie die neue Version beziehen.

Automatische Updates lassen sich auch im Konfigurationsdialog der Anwendung nicht einstellen, sodass Sie neue Varianten jeweils als Appimage herunterladen. Ältere Versionen von LANDrop sind jedoch mit neueren kompatibel, sodass der Transfer zwischen Computern mit unterschiedlichen Varianten möglich bleibt.

Fazit

LANDrop macht den Datentransfer im heterogenen Intranet zum Kinderspiel. Es bezieht dabei auch mobile Endgeräte wie Smartphones ein, ohne dass Sie dafür einen Server in Anspruch nehmen müssten. Als kleine Schwächen der Anwendung fallen lediglich die fehlende deutsche Lokalisierung und die manuelle Integration des Appimage-Pakets auf. Die weitgehend selbsterklärende Oberfläche des Programms eignet sich jedoch auch für Anwender ohne englische Sprachkenntnisse. (tle)

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 09/2024 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben