Browser-Addon Libredirect wahrt die Privatsphäre

Aus LinuxUser 09/2024

Browser-Addon Libredirect wahrt die Privatsphäre

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Umgelenkt

Libredirect leitet Youtube, Instagram, Reddit, Tiktok und andere Dienste auf alternative, datenschutzfreundliche Frontends um.

Youtube hat sich in den letzten Jahren zu einer Plattform entwickelt, die neben Unterhaltsamem auch zahllose lehrreiche und informative Videos aus allen Lebensbereichen bietet. Jeden Tag kommen rund 3,7 Millionen Clips neu hinzu. Auch generelle IT- und spezielle Linux-Themen für jeden Wissensstand finden sich in großer Zahl auf der Plattform.

Was oberflächlich betrachtet wie ein Geschenk des Himmels aussieht, birgt aber auch seine Schattenseiten, die zunehmend viele Nutzer nach Alternativen suchen lassen. Neben der nervigen Werbung bereitet vor allem die Verknüpfung von Youtube mit dem Google-Konto Bauchschmerzen: Hier geht es um den Abfluss von Informationen, die die Privatsphäre aushebeln.

Selbstredend ist Youtube nicht der einzige Dienst, der die Privatsphäre missachtet. Auch Twitch, Tiktok, Instagram, Imgur, Meet und viele andere nutzen Informationen über uns und unser Verhalten im Netz als harte Währung. Deshalb gibt es für viele Dienste alternative Frontends, sogenannte Redirects, die sich gemeinhin als Proxy zwischen die Server und Ihren Router zu Hause setzen.

Viele dieser Redirects entfernen dabei Werbung, blenden unnötiges Beiwerk aus und verhindern das allgegenwärtige Tracking, das die Unternehmen zum Generieren von Nutzerprofilen einsetzen. Sie haben die Wahl aus rund einem Dutzend Redirects wie Inviduous, Freetube oder Piped, um Youtube-Videos ohne direkten Kontakt zu den Google-Servern anzusehen. Für Tiktok gibt es Proxytox und für Instagram Proxigram. Das funktioniert, da die originalen Webseiten die Verbindung von Ihrem Webbrowser nicht sehen können.

Libredirect

Das Problem dabei: Die Alternativen verlangen umso mehr Aktion von Ihnen, je mehr Sie alternative Frontends nutzen – es sei denn, Sie verwenden Libredirect [1]: Das Werkzeug fasst derzeit 36 Alternativen zu Diensten, die die Privatsphäre missachten, automatisiert unter einer Oberfläche zusammen. Es handelt sich dabei um eine Browser-Erweiterung, die Dienste wie Youtube, Instagram, Google Maps, Reddit, Tiktok und viele andere automatisch oder auf Abruf zu alternativen datenschutzfreundlichen Frontends umleitet. Zusätzlich lässt sich das Addon als Standardsuchmaschine festlegen. Es leitet Ihre Anfragen dann auf die privatsphärefreundliche Meta-Suchmaschine SearXNG um.

Bei Libredirect, das aktuell in Version 2.8.4 vorliegt, handelt es sich um einen Fork des eingestellten Projekts Privacy Redirect. Benötigen Sie eine Umleitung für X (ex: Twitter), sollten Sie das Release 2.8.1 von Github installieren. Die Folgeversion entfernte Nitter [2] als Alternative, weil es zu viele Probleme mit X gab. User berichten jedoch, Nitter funktioniere immer noch mit Libredirect 2.8.1 und einer speziellen Nitter-Instanz.

Das unter der GPL 3.0 veröffentlichte Libredirect steht für Firefox und Chrome als Browser-Erweiterung bereit und deckt damit auch andere Webbrowser ab, die dieselbe Render-Engine verwenden. Außerhalb des Browsers lässt sich via Flathub der Libredirect Frontends Manager [3] installieren, der einen Schnellzugriff auf einige Dienste erlaubt, ansonsten aber noch wenig Funktionalität mitbringt.

Beide Werkzeuge arbeiten zusammen, um Ihnen ein nahtloses und datenschutzfreundliches Verwenden proprietärer Dienste zu ermöglichen, indem sie den Zugang zu offenen Alternativen erleichtern und verwalten. Wie wichtig eine solche Maßnahme ist, belegen Webseiten wie Device Info [4] oder Am I Unique [5], die auflisten, was der Webbrowser über Sie und Ihr System preisgibt.

Bereitstellung

Libredirect fügen Sie in Firefox direkt über die Einstellungen im Bereich Addons und Themes hinzu, indem Sie “libredirect” in die Suchmaske eingeben und anschließend die an erster Stelle gefundene Erweiterung hinzufügen (Abbildung 1). Bei Chromium-basierten Browsern wie Chrome, Brave, Edge, Vivaldi oder Opera führt der Weg über das Herunterladen der Datei libredirect-Version.crx, die Sie dann im Developer-Mode des Browsers einfügen. Dieses Vorgehen gilt auch für ChromeOS [6]. Unter Android binden Sie Libredirect in Firefox für Android wie in der Desktop-Version ein.

Abbildung 1: Bei den Erweiterungen für Firefox gibt es einige Addons mit Redirect im Namen. Libredirect erscheint in der Suchliste an erster Stelle.

Abbildung 1: Bei den Erweiterungen für Firefox gibt es einige Addons mit Redirect im Namen. Libredirect erscheint in der Suchliste an erster Stelle.

Am Beispiel von Firefox zeigen wir, wie Sie beim Einrichten von Libredirect vorgehen. Nach dem Einbinden des Addons öffnet ein Klick auf das Icon der Erweiterung eine Liste mit häufig verwendeten Diensten, die Sie über einen Schalter umleiten. Am Ende der Liste finden Sie unter Einstellungen alle unterstützten Dienste und können die jeweils verfügbaren Optionen setzen (Abbildung 2). Dazu gehört die Auswahl des gewünschten Frontends, falls der Ersatzdienst mehrere anbietet. Viele Dienste offerieren eine Anzahl an Instanzen im Fediverse, aus denen Sie wählen. Alternativ stellen Sie eine eigene Instanz online.

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Abbildung 2: In den Einstellungen der App legen Sie für jeden Dienst einzeln fest, wie Libredirect ihn handhabt.

Wenn Sie künftig beispielsweise auf einen Youtube-Link klicken, dauert das Öffnen etwas länger als gewohnt. Statt in Youtube öffnet sich das Video in der Grundeinstellung im alternativen Dienst Invidious (Abbildung 3). Dauert das Öffnen zu lange, hilft es, auf eine andere, weniger belastete Instanz zu wechseln.

Abbildung 3: Der alternative Youtube-Player Invidious bietet unter anderem Einstellungen zu Videoqualit&auml;t, Abspielgeschwindigkeit und Untertitel der Clips.

Abbildung 3: Der alternative Youtube-Player Invidious bietet unter anderem Einstellungen zu Videoqualität, Abspielgeschwindigkeit und Untertitel der Clips.

In den Einstellungen legen Sie Ihre Präferenzen fest. Ein Rechtsklick auf den Link eines unterstützten Diensts bietet einen Eintrag zu Libredirect, wo Sie unter anderem wählen, ob Sie das Original oder die Alternative starten möchten. Für die bequeme Nutzung von Invidious außerhalb von Libredirect gibt es alternativ den bei GNU/Linux.ch entwickelten Invidious Router [7], der automatisch auf eine aktuell verfügbare und schnelle Invidious-Instanz weiterleitet. Darüber hinaus verewigt sich die App auch im Kontextmenü des Browsers. Rechtsklicken Sie auf eine URL, erscheinen verschiedene Optionen, wie Libredirect damit verfährt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Im Kontextmen&uuml; von Firefox stellt der Men&uuml;punkt <span class="ui-element">Libredirect</span> mehrere Optionen zur Auswahl.

Abbildung 4: Im Kontextmenü von Firefox stellt der Menüpunkt Libredirect mehrere Optionen zur Auswahl.

Fazit

Auch wenn das Umleiten nicht die einfachste Lösung darstellt, ist es doch erfreulich, dass es Dienste wie Libredirect gibt. Es dauert allerdings eine Weile, bis Sie die für Sie passenden Dienste, Instanzen und Präferenzen finden. Manchmal funktionieren Services nach einem Update zeitweise nicht mehr. Es liegt zudem im Interesse der Originaldienste, solche Umleitungen zu behindern oder ganz zu unterbinden. Das beste Beispiel dafür ist Nitter als Alternative zu X: Elon Musk ließ nach der Übernahme von Twitter die API sperren. So kämpft Libredirect ständig gegen Windmühlen.

Der einzige Vorteil von Libredirect gegenüber den einzelnen Alternativen besteht im gemeinsamen Verwalten aller Redirects in einer Oberfläche. Das erlaubt es, schnell zu wechseln, wenn eine der Umleitungen nicht wie gewünscht funktioniert. Darüber hinaus sind die möglicherweise auftretenden Probleme mit einzelnen Anwendungen nicht dem Entwickler von Libredirect anzukreiden.

Eine Alternative stellt die Erweiterung Predirect [8] dar, die ebenfalls alle wichtigen Dienste einbindet, aber via Nitter auch X unterstützt. Dort fehlen jedoch Einstellungen für die einzelnen Redirects, sie lassen sich lediglich ein- und ausschalten. (tle)

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